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14.12.2015

11:08 Uhr

Einzelhandel und Flüchtlinge

Einkaufen wie in Damaskus

Halal-Fleisch, Knoblauchwurst oder Sesampaste: In deutschen Supermärkten finden Flüchtlinge oft nicht, was sie aus der Heimat kennen. Läden mit arabischen Lebensmitteln schließen diese Lücke – gerade in der Provinz.

In Zainab Shamis Laden finden Flüchtlinge Lebensmittel, die sie aus ihrer Heimat kennen. dpa

Inhaberin des Lebensmittelgeschäftes „Damaskus“

In Zainab Shamis Laden finden Flüchtlinge Lebensmittel, die sie aus ihrer Heimat kennen.

SigmaringenZainab Shami hat eine kulinarische Marktlücke entdeckt. Die Syrerin steht hinter der Theke ihres Ladens im schwäbischen Sigmaringen und plauscht mit einem Kunden auf Arabisch. „Damaskus“ steht auf dem Eingangsschild. Drinnen kommt orientalische Musik aus einem Radio. In den Regalen stehen Dosen mit Kichererbsen, Sesampaste und orientalische Gewürze. Auch Gebetsteppiche und Wasserpfeifen sind im Angebot.

Erst vor kurzem hat Shami einen Laden für typisch arabische Lebensmittel in der Fußgängerzone der Stadt mit etwa 15.000 Einwohnern eröffnet - und scheinbar die Geschmacksnerven der Asylbewerber im Ort getroffen.

Der anhaltende Zuzug von Flüchtlingen nach Deutschland macht sich in den Einkaufregalen der Städte und Gemeinden bemerkbar, wie Wido Geis vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln sagt. Für den Zuwanderungs-Experten liegt es auf der Hand, dass mehr Geschäfte mit arabischen Lebensmitteln öffnen - auch wenn es dazu keine Zahlen gebe.

Zugang für Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt

Schule

Der Schulbesuch ist für Kinder von Asylsuchenden und Geduldeten Pflicht.

Beschäftigung

Für die Aufnahme einer „normalen“ Beschäftigung gilt für alle Asylantragsteller ohne Ausnahme eine Wartefrist von drei Monaten. Danach bedarf es dafür in der Regel einer Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit. Diese ist davon abhängig, ob für einen Arbeitsplatz nicht deutsche Arbeitnehmer oder ihnen gleichgestellte Ausländer zur Verfügung stehen (Vorrangprüfung). Zudem prüft die Agentur, ob der Asylbewerber nicht zu ungünstigeren Konditionen – wie einem niedrigeren Lohn oder einer längeren Arbeitszeit - als sonst üblich beschäftigt werden sollen (Vergleichbarkeitsprüfung). Denn eine Aushöhlung der hier geltenden Arbeitsbedingungen soll es nicht geben.

Anerkannte Flüchtlinge dürfen ohne Vorrangprüfung jede Beschäftigung aufnehmen. Die Vorrangprüfung entfällt ansonsten auch für Asylsuchende und Geduldete nach 15 Monaten Aufenthalt. Verzichtet wird darauf außerdem wenn es um Hochqualifizierte geht, um Tätigkeiten im Bundesfreiwilligendienst oder um Mangelberufe.

Status

Eine zentrale Rolle spielt der Status, den ein Asylbewerber hat. Mit seiner Antragstellung erhält er in Deutschland zunächst eine „Aufenthaltsgestattung“ für die Dauer des Verfahrens. Wird sein Asylantrag anerkannt, wird aus dieser Gestattung eine „Aufenthaltserlaubnis“. Wird der Antrag abgelehnt, müsste der Betroffene eigentlich ausreisen. Stehen dem allerdings wichtige Gründe entgegen, erhält er eine „Duldung“ – der Asylbewerber bleibt aber grundsätzlich ausreisepflichtig.

In der Aufenthaltserlaubnis, der Aufenthaltsgestattung oder Duldung ist durch eine Nebenbestimmung von der Ausländerbehörde vermerkt, ob der Betreffende in Deutschland arbeiten darf. Dabei gibt es im Grundsatz drei Kategorien: unbeschränkte Erlaubnis zur Aufnahme einer Arbeit, Beschäftigung nur mit Genehmigung der Ausländerbehörde und Untersagung der Beschäftigung (etwa bei einer kurzfristig drohenden Abschiebung).

Ausbildungsabschluss

Aufenthaltserlaubnis, Aufenthaltsgestattung und Duldung werden nur befristet erteilt. Ist ein Asylbewerber anerkannt oder hat er einen vergleichbaren Schutzstatus, kann er eine Ausbildung ohne große Probleme beginnen und abschließen. Auch bei einer Aufenthaltsgestattung kann er davon ausgehen, seine Lehre ordnungsgemäß abschließen zu können. Doch auch Azubis aus dem Ausland, die lediglich geduldet werden, können - sofern sie vor Vollendung des 21. Lebensjahres die Ausbildung aufgenommen haben – über eine Verlängerungen der Duldung ihre Lehre abschließen. Ausgenommen davon sind allerdings Menschen aus sicheren Herkunftsländer wie den Balkanstaaten.

Weiterbeschäftigung

Nach dem Abschluss einer Ausbildung kann Geduldeten eine befristete Aufenthaltserlaubnis mit der Perspektive eines Daueraufenthalts ermöglicht werden. Voraussetzung ist, dass sie eine ihrem Abschluss entsprechende und für ihren Lebensunterhalt ausreichend bezahlte Stelle finden.

Perspektive

Eine gute Perspektive auf einen langfristigen oder gar dauerhaften Aufenthalt mit entsprechender Berufstätigkeit haben derzeit Menschen aus Ländern wie Syrien, Irak, Iran und Eritrea. Asylbewerbern und Geduldeten aus diesen Ländern werde derzeit „zu einem hohen Anteil ein Schutzstatus zuerkannt“, begründen dies das Bundesinnenministerium und der Handwerksverband ZDH in einer gemeinsamen Informationsschrift vom November.

„Ich fühle mich hier wie zu Hause“, erzählt der Kunde Mohammed Shiada im Laden von Shami. Besonders wichtig für religiöse Muslime sei etwa „Halal“-Fleisch, erzählt er noch. Das kommt nur von geschächteten Tieren, die beim Schlachten ausbluten.

Auch die Ladenbesitzerin zeigt sich zufrieden: „Das Geschäft läuft gut. Die Flüchtlinge sind dankbar, dass es meinen Laden gibt.“ Solche Beispiele gibt es nicht nur im Süden Deutschlands. Im niedersächsischen Wendland, in Lüchow, hatte sich im Herbst ein Flüchtling selbstständig gemacht.

Die Nachfrage von Asylbewerbern nach Lebensmitteln aus ihren Heimatländern sei immens, meint Ladeninhaberin Shami. So verwundert es auch nicht, dass nur ein paar Meter weiter gleich ein zweites Geschäft mit arabischen Speisen geöffnet hat. „Das ist eine einmalige Chance“, sagt der marokkanische Betreiber Ahmed Haddan. Vorher hatte er einen Laden mit Restposten, doch Lebensmittel aus der Heimat seien bei den Flüchtlingen jetzt begehrter. Wie Shami richtet er seine Ware auf die Wünsche der Asylbewerber aus. Allein in der Sigmaringer Erstaufnahme leben derzeit mehr als 2300 Menschen.

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