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17.12.2016

17:20 Uhr

Eisdielen und Eiscafés

Eisbranche kämpft gegen die Winterdelle

Winterliche Ruhe für sommergestresste Gelatieri – das war einmal. Auch wenn es der Kundschaft mehr nach Lebkuchen gelüstet, laufen die Kosten weiter. Eine Branche sucht nach Lösungen für die kalte Jahreszeit.

Vor allem in den Großstädten und Einkaufszentren verzichteten viele Eiscafés mittlerweile ganz auf die traditionelle Winterpause. dpa

Eiscafé Toscani in Essen

Vor allem in den Großstädten und Einkaufszentren verzichteten viele Eiscafés mittlerweile ganz auf die traditionelle Winterpause.

EssenRäucherfischeis oder ein gefrorenes Lebkuchendessert aus dem Kühlregal? Wenn die Temperaturen sinken, beginnt in der Speiseeisbranche der Kampf gegen die alljährlich drohende Umsatzdelle. Während Mieten und Versicherungen in den Eisdielen weiter laufen, müssen sich die Betreiber etwas einfallen lasen.

Vor allem in den Großstädten und Einkaufszentren verzichteten viele Eiscafés mittlerweile ganz auf die traditionelle Winterpause, berichtete Annalisa Carnio vom Verband der italienischen Speiseeishersteller Uniteis.

Auch die industriellen Hersteller von Speiseeis lassen derzeit winterlich angehauchte Kreationen wie Eis mit Kürbis- oder Keksstückchen in die Kühlregale der Lebensmittelläden räumen. „Grundsätzlich greifen die Verbraucher in der kalten Jahreszeit gern auf die sogenannten warmen Eissorten zurück“, berichtete der Sprecher des Verbands der deutschen Markeneishersteller, Ernst Kammerinke. Gemeint sind sahnige, cremige und gehaltvolle Eissorten wie Schokoladen-, Mandel-, Nuss- oder Nougateis, während Fruchtiges weniger gefragt ist.

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Auf der Suche nach neuen Eissorten für die kühlen Tage gibt es auch für italienische Gelatieri geschmackliche Grenzen. Räucherfischeis, wie es etwa in Japan angeboten werde, sei im Sortiment eher nicht denkbar, sagte Carnio. Salziges sei auch eher in Spanien beliebt, während Deutsche und Italiener eher Süßes bevorzugten.

Doch während die handwerkliche Konkurrenz in den Eisdielen immer frische Ware produzieren muss, läuft in der Industrie in den Monaten mit einer schwächeren Nachfrage bereits die Produktion für die kommende Saison vom Band. Die rund 5000 Mitarbeiter bei den 13 deutschen Speiseeisherstellern können so das ganze Jahr über mit einer durchgehenden Beschäftigung rechnen – auch wenn rund 80 Prozent des Umsatzes in den Monaten März bis Oktober erwirtschaftet werden.

Für die Eisdielen lohne sich dagegen eine Untervermietung ihrer Ladenlokale in den Wintermonaten trotz der laufenden Kosten oft nicht mehr, berichtete Carnio. Vor allem in den größeren Städten werden zugesperrte Eisdielen zur Mangelware. Auch sei das handwerklich produzierte Speiseeis mit Preisen ab etwa 70 Cent je Kugel in Deutschland so günstig wie nirgendwo sonst in Europa.

Hinzu kommt eine wachsende Konkurrenz immer neuer Eisdielen. Mittlerweile können angehende „Fachkräfte für Speiseeis“ an der Justus-von-Liebig-Schule in Mannheim auch in Deutschland ihre Ausbildung machen. Nur noch etwa jeder Zweite hat dabei italienische Wurzeln, berichtet Ausbilderin Ursula Wormer. Auch wenn auf internationalen Eismessen Kreationen wie Parmesaneis mit Birne vorgestellt werden, so sieht die Expertin die Zukunftschancen der Branche bei den traditionellen Eissorten. „Gegessen wird Vanille, Schokolade, Erdbeere oder Zitrone“, sagt sie.

Von

dpa

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