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07.11.2011

11:32 Uhr

Elektro-Leasing

Full-Service ist bei E-Autos Mangelware

VonAnke Brillen

Elektromobilität gilt als das Thema der Zukunft. Doch viele Leasingfirmen sind bei der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle nach wie vor zurückhaltend. Besonders der Wandel zum Rundum-Service-Angebot läuft schleppend.

Bei der Elektromobilität sind die Leasing-Unternehmen noch weit entfernt vom Rundum-Service. dapd

Bei der Elektromobilität sind die Leasing-Unternehmen noch weit entfernt vom Rundum-Service.

BielefeldIm badischen Sulzburg pendelt ein Auto lautlos durch die Straßen zwischen Gewerbegebiet und Bahnhof. Für den Fahrservice werden keine Schadstoffe in die Luft gepustet, denn die Hekatron GmbH hat zwei Elektroautos geleast.

Die Fahrzeuge stehen allen Mitarbeitern als Poolfahrzeug zur Verfügung - für Kurierdienste in der Region oder als "grünes Taxi", um Kunden von den nahe gelegenen Bahnhöfen in Freiburg, Heitersheim oder Bad Krozingen abzuholen. Werkstattwartung und Pannendienst sind inklusive. Ist das überall so? Nein, erstaunlicherweise nicht. Vom so genannten Full-Service-Leasing sind die meisten Gesellschaften noch immer weit entfernt.

Sprung zurück zu den Anfängen

Zurück auf Start lautet die Devise in der Branche, die in Sachen Elektromobilität nun wieder wie am Anfang, vor fast 50 Jahren, dasteht. 1962 war es, als mit der Deutschen Leasing hierzulande die erste Leasinggesellschaft gegründet wurde. Von Full-Service-Leasing war damals keine Spur - das amerikanisch klingende Wort "Leasing" war neu und musste sich erst einmal im deutschen Sprachgebrauch etablieren.

Wer dann - gegen Ende der 1970er Jahre - als Erster die Idee hatte, neben der Finanzierung auch weitere Dienstleistungen wie Reifenersatz, GEZ-Anmeldung, Tankkarte, Reparatur und Inspektionen pauschal in die Leasingrate einzurechnen, ist nicht überliefert. Fakt ist, dass diese so genannte "geschlossene Kalkulation" für Leasingnehmer mit keinerlei finanziellen Risiken verbunden war, bei konstanten Leasingraten. Eine nicht ganz billige Versicherung für alle Fälle, die aber den Unternehmen Überraschungen und mögliche Mehrkosten ersparte.

Für die Leasinggeber ist Full-Service-Leasing dagegen eine Wette auf Gewinn mit einem gewissen Einsatzrisiko. Um die pauschale Leasingrate berechnen zu können, treffen die Leasinggeber lauter Annahmen: wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Motorschaden ist, wie hoch die durchschnittlichen Reparaturkosten bei welcher Fahrzeugmarke und Werkstatt angesetzt werden müssen und wie hoch der Reifenverschleiß - um nur einige Beispiele zu nennen. Und am Ende: mit welchem Restwert nach Rückgabe des Fahrzeugs gerechnet und welcher Erlös erwirtschaftet werden kann.

Kommentare (4)

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16nullzwo

07.11.2011, 10:45 Uhr

Der Hamburger Mittelständler Karabag bietet einen Fiat-500-Umbau für 299 Euro monatliche Leasingrate an: http://www.elektroauto.karabag.de. Inklusive vier Jahren Garantie und folgenden Leistungen: sämtliche Regelwartungsdienste • TÜV- und AU&HU Gebühren • Verschleißreparaturen (ausgenommen Reifen und Wischblätter) • verschleißbedingte Motorschäden

Porschefahrer

07.11.2011, 19:45 Uhr

Die 299 Euro sind ohne Mehrwertsteuer. Der Restwert auch. Also wird es doch noch ein bisschen teurer. Aber noch läuft das Ganze als Förderprojekt. Wenn erstmal genug am Fliegenfänger hängen, dann kostet die kWh Strom plötzlich 2,50 Euro. Denn die entgangene Mineralölsteuer holt sich Schäuble wieder. Weil das intelligente Menschen wissen, gibt es für die E-Mobilität nicht so viele Interessenten. Dieselfahrer sind bereits auf ihre Regierung reingefallen. Irgendwann war Diesel auch mal richtig günstig. Aber wenn alle E-Mobile fahren, wird Benzin billiger. Da freue ich mich schon drauf. Und auf den Anruf der armen Menschen bei der Feuerwehr oder beim Rettungswagen: "Tut uns leid. Unsere Autos hängen gerade alle am Ladegerät. Löschen sie ihr Haus selbst." Der öffentliche Dienst soll als Vorreiter möglichst viele Fahrzeugflotten auf E-Mobile umstellen. Ich bin jetzt 39 Jahre alt und ich verwette meinen Porsche darauf, dass im Jahr 2030 noch nicht die gewünschten 1Mio E-Mobile in Deutschland fahren.

Account gelöscht!

07.11.2011, 20:15 Uhr

Die Wette hört sich spektakulär an, ist aber relativ risikolos. In 30 Jahren dürfte der Porsche einen relativ überschaubaren Restwert haben. Zudem wird es schwierig werden an den nötigen Treibstoff zu kommen und an die Sondergenehmigung für die weiter verschärften Umweltzonen zu kommen. Ich setze einen 10 Liter Kanister feinstes Superbenzin dagegen und behaupte dass die 1 Mio Elektrofahrzeuge schon vor 2020 auf deutschen Strassen unterwegs sind.
Grüße von einem (bald) Elektroautofahrer

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