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23.08.2016

12:14 Uhr

Elektrofahrzeuge der Post

Der Logistikriese zeigt Autobauern den Weg

Der gelbe Flitzer der Post kommt immer besser in Fahrt. Auf dem Gelände einer ehemaligen Waggonfabrik in Aachen soll die Produktion massiv ausgebaut werden. Ob die Fahrzeuge an Dritte verkauft werden, ist noch offen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (rechts) sieht die Post auf dem richtigen Weg. Ihr Ministerium übernimmt mit 9,5 Millionen Euro ein Drittel der Entwicklungskosten von 2016 bis 2018. dpa

Streetscooter der Deutschen Post

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (rechts) sieht die Post auf dem richtigen Weg. Ihr Ministerium übernimmt mit 9,5 Millionen Euro ein Drittel der Entwicklungskosten von 2016 bis 2018.

AachenEr kommt auf leisen Sohlen daher, ist flink, wendig, umweltfreundlich und ein Zusteller der besonderen Art: Der elektrogetriebene Transporter der Deutschen Post, kurz Streetscooter genannt, gehört zu den Lieblingsprojekten von Jürgen Gerdes. Der umtriebige Manager aus dem Unternehmensvorstand der Post, verantwortlich für Briefe, eCommerce und Pakete, hat Großes vor.

Der gesamte Fuhrpark des gelben Riesen um Paket- und Briefzustellung soll mittelfristig auf E-Transporter umgestellt werden. Bis zu 70 000 Fahrzeuge könnten das einmal werden. „Wir sind Betreiber einer der größten Fahrzeugflotten in Deutschland“, erklärt Gerdes. Und die müssten mehr und mehr emissionsfrei werden.

Die Konkurrenten der Deutschen Post

DPD

DPD Deutschland gehört zur DPD Group, nach eigenen Angaben das zweitgrößte Netzwerk von Paketdiensten in Europa. Die Zentrale des Unternehmens mit 7500 Mitarbeitern ist in Aschaffenburg (Bayern). Im März 2015 kündigte der Paketdienst an, die Deutsche Post DHL mit einer einheitlichen europäischen Marke herauszufordern. So soll das Paketnetz europaweit auf 22.000 Stationen erweitern werden.

Quelle: dpa

Pin Mail AG

Bei dem Postdienstleister mit Sitz in Berlin dominiert die Farbe Grün - statt Post-Gelb. Die Firma hat rund 1150 Mitarbeiter und beförderte 1999 in der Hauptstadt die ersten Briefsendungen.

Hermes

Der international tätige Handels- und Logistikdienstleister ist ein Tochterunternehmen der Otto Group und beschäftigt rund 9000 Mitarbeiter in Deutschland. In Europa bewegte die Hamburger Firma im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 530 Millionen Sendungen im Paket- und Logistikgeschäft. Deutschland gehört zu den Kernmärkten.

TNT

Das niederländische Unternehmen ist nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Anbieter von Expressdienstleistungen für Geschäftskunden. Dazu gehört die deutsche TNT Express GmbH mit Sitz in Troisdorf (Nordrhein-Westfalen) mit etwa 3700 Mitarbeitern. Im Jahr 2013 hatten die EU-Wettbewerbshüter eine Fusion mit dem US-Paketdienst UPS untersagt.

UPS

Der US-Paketdienstleister bezeichnet sich als der größte Express- und Paketzustelldienst weltweit mit rund 435 000 Mitarbeitern. Im April 2015 kündigte UPS-Deutschland-Chef Frank Sportolari in der „Wirtschaftswoche“ an, dass der Konzern eine Milliarde Euro in Europa investieren wolle - unter anderem in den Ausbau seiner Sortierzentren und in neue Paketshops.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks sieht die Deutsche Post mit dem Aufbau einer eigenen Flotte von Elektroautos auf dem richtigen Weg. „Gerade der Wirtschaftsverkehr findet in den Städten statt und wird sich in Zukunft noch ausweiten“, sagte die SPD-Politikerin am Dienstag in Aachen, wo sie den 1000. Streetscooter enthüllte. „Und gerade brauchen wir die Entlastung unter dem Gesichtspunkt von Umwelt und Gesundheit.“

Die Lieferwagen, die die Post in dem inzwischen unternehmenseigenen Start-up entwickeln ließ, hätten „das berühmte Henne-und-Ei-Problem“ gelöst. „Wir wussten, man braucht sowas im Wirtschaftsverkehr, aber die Automobilhersteller fanden es einfach noch nicht interessant genug.“ Das Umweltministerium übernimmt mit 9,5 Millionen Euro ein Drittel der Entwicklungskosten von 2016 bis 2018.

Elektroauto Streetscooter: Deutsche Post auf Teslas Spuren

Elektroauto Streetscooter

Premium Deutsche Post auf Teslas Spuren

Die Deutsche Post produziert seit Jahresbeginn Hunderte Elektrofahrzeuge in Eigenregie. Warum die gelben Kastenwagen sich mehr und mehr als gutes Geschäft entpuppen – und sogar die Kanzlerin ein Fan ist.

Die Deutsche Post - jetzt auch ein Autobauer? Konzernchef Frank Appel winkt ab: Ein Automobilkonzern wolle die Post nicht werden. Aber er sei überzeugt von dem Produkt, sagte er vor wenigen Wochen, als der Streetscooter als Vorreiter für den Klimaschutz mit dem ersten Preis der „Klima-Expo NRW“ ausgezeichnet wurde.

Noch ist das Fertigungsvolumen überschaubar, aber das Unternehmen will schon bald ein größeres Rad drehen. Nach dem Start der Serienfertigung folgt die Massenproduktion. Dort, wo einst Schienenfahrzeuge der Firma Talbot hergestellt wurden, laufen heute Streetscooter vom Band. Derzeit baut die Post die Kapazität aus - eine Stückzahl 10.000 Autos pro Jahr soll bald möglich werden.

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