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26.07.2017

14:33 Uhr

Elektronikhändler

Ceconomy greift in Frankreich an

VonFlorian Kolf

Es ist der erste Deal nach der Teilung: Der von Metro abgespaltene Elektronikhändler Ceconomy, zu dem Media Markt und Saturn gehören, steigt beim französischen Konkurrenten FNAC Darty ein. Den Aktionären gefällt es.

Noch hat der Mutter-Konzern von Media Markt und Saturn, Ceconomy, keine Filialen in Frankreich – dafür aber eine neue Beteiligung. dpa

Media Markt

Noch hat der Mutter-Konzern von Media Markt und Saturn, Ceconomy, keine Filialen in Frankreich – dafür aber eine neue Beteiligung.

Nur wenige Tage nach der Trennung von der Metro ist dem Elektronikhandelskonzern Ceconomy ein großer Coup gelungen. Das Unternehmen übernimmt 24,3 Prozent an dem französischen Marktführer FNAC Darty. Damit steigt Ceconomy zugleich in einen neuen Markt ein. Denn in Frankreich hat der Händler bisher noch keine Filialen.

Ceconomy übernimmt den Anteil von der Holding Artemis, die im Besitz des französischen Unternehmers Francois-Henry Pinault ist. Der Kaufpreis liegt bei 452 Millionen Euro. „Durch die Beteiligung erhalten wir Zugang zum äußerst attraktiven französischen Markt und seinem stetig wachsenden Consumer-Electronics-Segement“, begründetet Ceconomy-Chef Pieter Haas den Zukauf. In Frankreich wird mit Produkten aus dem Bereich Konsumelektronik rund 30 Milliarden Euro pro Jahr umgesetzt.

Warum die Metro sich aufspaltet

Warum will sich die Metro überhaupt aufteilen?

Die Geschäfte beim Düsseldorfer Handelsriesen liefen zuletzt nicht gerade berauschend. Die Konkurrenz ist groß und das Unternehmen schrumpft seit Jahren. Immer wieder wurden große Konzernteile verkauft – wie etwa die Warenhäuser Galeria Kaufhof oder das Auslandsgeschäft der Supermarktkette Real. Die Folge: Der Konzern verlor nicht nur den inoffiziellen Titel des größten deutschen Handelskonzerns, er musste auch seinen Platz in der höchsten Börsenliga, dem Dax-30, räumen. Die Aufspaltung soll nun zu neuem Schwung verhelfen.

Was verspricht sich Metro-Chef Olaf Koch von der Aufspaltung?

Mehr Wachstum und mehr Börsenwert. Mehr Wachstum, weil die getrennten Unternehmen sich besser auf ihre jeweilige Kundengruppe konzentrieren und dynamischer agieren können. Mittelfristig soll der bereinigte Umsatz bei beiden Gesellschaften um mindestens drei Prozent pro Jahr steigen. Im zurückliegenden Jahr schaffte die Metro als Ganzes weniger als ein Prozent. Mehr Börsenwert, weil Mischkonzerne wie die Metro an der Börse schlechter bewertet werden als klar fokussierte Unternehmen. Tatsächlich hat die Metro-Aktie seit Bekanntgabe der Aufspaltungspläne rund 25 Prozent an Wert gewonnen.

Sehen das auch Branchenexperten so?

Viele Analysten halten die Teilung für sinnvoll. Laurence Hofmann vom Investmenthaus Oddo sieht mehr Spielraum für Zukäufe und Partnerschaften. Dies hat aus seiner Sicht vor allem Media-Saturn nötig, will die Tochter ihre Stellung als größter Elektronikhändler Europas gegen mächtige Internetriesen wie Amazon auf Dauer verteidigen. Der Lebensmittelteil wiederum dürfte sein Geschäft mit der Belieferung sowie Kooperationen mit Start-Up-Unternehmen für das Hotel- und Restaurantgewerbe ausbauen, erwartet Christian Bruns von der Investmentbank Equinet. Der Experte verspricht sich zudem schnellere Entscheidungen auf Managementebene und insgesamt mehr Transparenz.

Wie funktioniert die Aufspaltung?

Heute vereint die Metro unter ihrem Dach zwei Geschäftsbereiche, die eigentlich wenig gemeinsam haben: die Lebensmittelsparte mit den Metro-Großmärkten und den Real-Supermärkten auf der einen Seite, sowie die Elektroniksparte mit den Ketten Media Markt und Saturn auf der anderen. Nach der Trennung Mitte 2017 sollen diese Sparten als eigenständige Unternehmen getrennte Wege gehen. Dabei behält die Lebensmittelsparte den Traditionsnamen Metro. Die Elektroniksparte erhält den neuen Kunstnamen Ceconomy. Die Elektronikketten selbst werden aber weiter unter den altbewährten Namen Media Markt und Saturn firmieren. Beide Unternehmen werden weiterhin an der Börse notiert sein.

Und was ändert sich für die Verbraucher?

Erst einmal wenig. Denn der Verkauf wird in den Großmärkten ebenso wie bei Real, Media Markt oder Saturn unverändert weitergehen. Auf Dauer würden aber auch die Verbraucher profitieren, meint Koch, weil sich die spezialisierten Gesellschaften besser auf die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse einstellen könnten.

Was spricht gegen eine Aufspaltung?

Wenig, außer vielleicht den hohen Kosten. Denn Gemeinsamkeiten zwischen den Geschäftsbereichen gibt es kaum. Konzernchef-Koch meint sogar, der Zusammenschluss der Metro-Großmärkte, der Real-Supermärkte und der Elektronikketten Media Markt und Saturn unter einem Dach habe zuletzt die Geschäfte eher behindert als gefördert. Die Aufspaltung ist allerdings nicht billig. Der Konzern beziffert die Kosten auf rund 100 Millionen Euro.

Steht schon fest, wer die neuen Unternehmen leiten wird?

Ja. Die Leitung des Lebensmittelgeschäfts übernimmt Koch selbst, Aufsichtsratsvorsitzender soll der bisherige Metro-Chefkontrolleur Jürgen Steinemann werden. An der Spitze der Elektronikkette wird der Media-Saturn-Chef Pieter Haas stehen. Für den Aufsichtsratsvorsitz ist der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vorgesehen.

Ist die Idee einer Aufspaltung ungewöhnlich?

Im Gegenteil. Zurzeit ist das Aufspalten oder Abspalten bei deutschen Konzernen geradezu in Mode. Die Energieriesen Eon und RWE spalteten sich kürzlich jeweils in zwei Teile auf, um das wenig zukunftsfähige Geschäft mit konventionellen Kraftwerken vom lukrativeren Zukunftsgeschäft um Ökostrom, Vertrieb und Netzbetrieb zu trennen. Und der Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer brachte 2015 seine Kunststoffsparte als Covestro an die Börse, um sich stärker auf das lukrativere Geschäft mit der Gesundheit für Mensch, Tier und Pflanze zu konzentrieren.

Quelle: dpa

FNAC Darty, der Marktführer in Frankreich, ist erst im vergangen Jahr durch die Übernahme von Darty durch FNAC entstanden. Er kommt mit 27.000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 7,4 Milliarden Euro und ist mit einer Ebitda-Marge von 4,1 Prozent durchaus profitabel. Zum Vergleich: Ceconomy kommt als größtes europäisches Unternehmen der Branche auf einen Umsatz von knapp 22 Milliarden.

Ceconomy wird den Anteil an FNAC Darty zunächst wie eine Finanzbeteiligung halten. Geprüft werden aber Unternehmenskreisen zufolge Kooperationen im Rahmen dessen, was kartellrechtlich möglich ist, beispielsweise bei Eigenmarken oder im Einkauf. Ob Ceconomy langfristig plant, seinen Anteil am französischen Unternehmen zu erhöhen, dazu gab es keine Aussagen.

Dass Ceconomy aber entschlossen ist, seine Stellung in Europa weiter auszubauen, daran ließ Vorstandschef Haas keinen Zweifel. „Die Beteiligung untermauert unsere Ambition, unsere Position als führende europäische Plattform für Unternehmen, Marken und Konzepte im Bereich Consumer Electronics weiter zu stärken“, sagte er.

Jacques Veyrat, der Vorsitzende des Verwaltungsrates von FNAC Darty sagte: „Unser neuer Anteilseigner Ceconomy wird einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung unseres Konzerns leisten.“

FNAC Darty betreibt zurzeit 660 Filialen und ist neben Frankreich noch in Spanien, Portugal, der Schweiz und den Benelux-Ländern tätig. Das Onlinegeschäft trägt bereits 16 Prozent zum Umsatz des Konzerns bei. Rund die Hälfte des Umsatzes kommt aus dem Geschäft mit Konsumelektronik, den Rest steuern CDs, Bücher, Haushaltsgeräte und der Verkauf von Tickets bei.

Die Anleger begrüßten den Einstieg in Frankreich. Der Kurs der Ceconomy-Aktie legt am Vormittag mehr als vier Prozent zu und lag deutlich über 9,60 Euro. Damit verzeichnet die Aktie, die seit der Trennung von Metro am 13. Juli eher abwärts tendierte, erstmals wieder einen Aufwärtstrend.

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