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15.01.2016

10:42 Uhr

Elektroschocker und Flüchtlingskrise

Waffenhändler berichten von „Kaufrausch“

VonAndreas Dörnfelder, Kathrin Witsch

Nach den Silvesterübergriffen von Köln stürmen die Deutschen die Waffenläden. Elektroschocker sind bundesweit vielfach ausverkauft. Der führende Hersteller sitzt in Tschechien – und will nun auf die Nachfrage reagieren.

„Voller Schlag mit bis zu 500.000 Volt.“ dpa

Elektroschocker

„Voller Schlag mit bis zu 500.000 Volt.“

Düsseldorf/DuisburgDer Unfall passierte hinterm Tresen. Christian Ahlhorn führte seinem Kunden einen Elektroschocker vor – und berührte dabei versehentlich die eigene Hand. Der Verkäufer des Duisburger Waffengeschäfts Dittmar & Brouns erlitt einen starken Muskelkrampf. Er hatte das Gefühl, als reiße ihm jemand den Arm aus. Inzwischen erzählt Ahlhorn die Geschichte im Beratungsgespräch. Und die Kunden sind offenbar begeistert. Elektroschocker sind in dem Laden in der Fußgängerzone restlos ausverkauft.

Nicht nur in Duisburg boomt das Geschäft. Wie das Handelsblatt in einer Umfrage feststellte, sind Elektroschocker bei zahlreichen Waffenhändlern bundesweit ausverkauft. Erhebliche Zuwächse hatte die Branche zuletzt schon bei Pfefferspray sowie bei Gas- und Schreckschusspistolen verzeichnet. Laut Aussagen der Händler fühlten sich viele Kunden nach den sexuellen Übergriffen in mehreren Großstädten in der Silvesternacht nicht mehr sicher.

Nach Paris und Köln: Umsatz mit Pfefferspray verdoppelt sich

Nach Paris und Köln

Umsatz mit Pfefferspray verdoppelt sich

Schon nach den Attentaten von Paris verkauften Waffengeschäfte mehr „Abwehrmittel“ gegen Angreifer. Die Vorfälle von Köln sorgen für weitere Nachfrage. Doch beim Kauf ist einiges zu beachten.

Das Ergebnis lässt sich im ganzen Land beobachten. Ob in Berlin, Stuttgart, München, Dresden oder Düsseldorf: Überall melden die Waffengeschäfte, dass sie alle Elektroschocker verkauft hätten. Ein Händler in Hamburg spricht von einem regelrechten „Kaufrausch“. Weil die Lieferanten nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet hätten, käme es nun zu Engpässen.

Wann die nächste Lieferung kommt, können die meisten Händler derzeit nicht sagen. „Wir bekommen am Montag ein paar rosafarbene Elektroschocker. Aber das war's erstmal“, sagt ein Verkäufer aus Frankfurt. Auch beim größten Online-Waffenhändler „Akah“ sind die batteriebetriebenen Geräte zur Zeit vergriffen. Im Unterschied zu Gas- oder Schreckschusspistolen darf man Elektroschocker auch ohne kleinen Waffenschein mit sich führen.

Welche Waffen in Deutschland frei verkauft werden

Ohne waffenrechtliche Bestimmungen

Pfefferspray (zur Tierabwehr bestimmt)

Erwerb und Besitz erlaubnisfrei ab 14 Jahren

Reizstoffsprühgeräte (zum Beispiel CS-Gas) mit amtlichem Prüfzeichen

Erwerb und Besitz erlaubnisfrei ab 18 Jahren

Reizstoffsprühgeräte (zum Beispiel CS-Gas) mit amtlichem Prüfzeichen

Elektroschockgeräte mit PTB-Prüfzeichen

Hieb- und Stoßwaffen (zum Beispiel (Teleskop-)Schlagstock, Bajonett, Degen, Dolch, Säbel, Schwert)

Messer (zum Beispiel Einhandmesser)

Anscheinswaffen (zum Beispiel Softair-Waffen über 0,5 Joule Bewegungsenergie)

unbrauchbar gemachte Schusswaffen (Dekowaffen mit Zulassungszeichen eines Beschussamtes)

Salutwaffen (auf Schreckschuss umgebaute Langwaffen mit Zulassungszeichen eines Beschussamtes)

Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen (zum Beispiel Schreckschusspistolen, Gaspistolen)

Luftdruck-, Federdruck- und Co2-Waffen mit Prüfzeichen (zum Beispiel Luftgewehr)

Armbrust

Führen erlaubnisfrei ab 18 Jahren

Reizstoffsprühgeräte (zum Bespiel CS-Gas) mit amtlichem Prüfzeichen

Elektroschockgeräte mit PTB-Prüfzeichen

Armbrust

Führen erlaubnispflichtig ab 18 Jahren (kleiner Waffenschein)

Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen (zum Bespiel Schreckschusspistolen, Gaspistolen)

Luftdruck-, Federdruck- und Co2-Waffen mit Prüfzeichen (zum Beispiel Luftgewehr)

Führen verboten

Anscheinswaffen (zum Beispiel Softair-Waffen über 0,5 Joule Bewegungsenergie)

Hieb- und Stoßwaffen (zum Beispiel (Teleskop-)Schlagstock, Bajonett, Degen, Dolch, Säbel, Schwert)

Einhandmesser

Generelles Verbot

Bei öffentlichen Veranstaltungen sowie bei Demonstrationen oder Versammlungen in der Öffentlichkeit verbieten das Versammlungsgesetz und das Waffengesetz ausnahmslos das Mitführen von Waffen.

Quelle: Berliner Polizei

Wer dem Boom nachgeht, landet in einem Gewerbegebiet im Süden von Prag. Hier sitzt Vladimir Kupa mit seiner Firma Euro Security Products. Das Unternehmen stellt den so genannten „Power Max“ her und ist nach eigenen Angaben Marktführer für Elektroschocker in Europa. „Im Moment erhalten wir drei bis vier Mal so viele Bestellungen wie üblich“, sagt Kupa, der sich als Geschäftsführer und Eigentümer vorstellt. Es gebe sogar schon Lieferschwierigkeiten bei Einzelteilen.

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