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10.02.2015

14:54 Uhr

Emirates und Co. unter Druck

US-Airlines attackieren arabische Konkurrenten

Die drei großen Fluggesellschaften der USA machen mobil gegen Emirates, Etihad und Qatar. Ihr Vorwurf: Unfairer Wettbewerb durch staatliche Zuschüsse. An die US-Regierung stellen sie eine drastische Forderung.

Die Fluggesellschaft wehrt sich gegen die Vorwürfe der US-Konkurrenten und will niemals Staatshilfe bekommen haben. ap

A380 von Emirates am Flughafen Houston

Die Fluggesellschaft wehrt sich gegen die Vorwürfe der US-Konkurrenten und will niemals Staatshilfe bekommen haben.

DüsseldorfAmerican, Delta und United dominieren den Airline-Markt in den USA. Die Fluggesellschaften sind Konkurrenten und schenken sich nichts – doch jetzt sind sie sich ausnahmsweise einmal einig. Ihre Vorstandschefs Doug Parker, Richard Anderson und Jeff Smisek bemängeln einen unfairen Wettbewerb mit den Airlines vom Persischen Golf. Gemeinsam fordern sie die Politik auf, den US-Markt abzuschotten.

Die drei Staats-Airlines vom Golf – Emirates, Etihad und Qatar Airways – hätten bisher 40 Milliarden Dollar an staatlichen Zuschüssen erhalten, bemängeln die US-Fluggesellschaften. Ende Januar legten Parker, Anderson und Smisek der US-Regierung eine Präsentation vor, in der sie die Wettbewerbsvorteile der Konkurrenten anprangern.

Die drei großen Airlines vom Golf

Newcomer in der Luftfahrt

Vor allem die Golf-Airlines Emirates, Etihad und Qatar Airways mischen das weltweite Luftfahrtgeschäft auf. Sie zählen zu den Großkunden der Flugzeughersteller Airbus und Boeing.

Emirates mit großer Marktmacht

Schlagzeilen macht vor allem Emirates, die rasant wachsende Airline aus dem Golf-Emirat Dubai. Sie schreckt europäische Konkurrenten wie die Lufthansa auf und spielt auch gegenüber den Flugzeugbauern ihre Marktmacht aus. Emirates ist der weltweit größte Betreiber der Großraumjets Airbus A380 und Boeing 777. Erst im vergangenen Jahr hatte die Gesellschaft ihre Bestellungen für den Superjumbo A380 von 90 auf 140 Maschinen aufgestockt.

Dubai soll zum Weltumsteige-Flughafen werden

Geführt wird die Airline vom Briten Tim Clark, das uneingeschränkte Sagen hat jedoch Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum, der zugleich Chef des Flughafens und der Luftfahrtbehörde ist. Er treibt seit Jahren seine Pläne voran, Emirates zur führenden Airline und Dubai zum Weltumsteige-Flughafen zwischen Europa und Asien zu machen. Nach Angaben der Gruppe lag der Jahresumsatz zuletzt bei knapp 24 Milliarden Dollar (rund 18 Milliarden Euro).

Etihad startete auf königlichen Erlass

2003 hob Etihad, die nationale Airline der Vereinigten Arabischen Emirate, erstmals ab – auf königlichen Erlass. Der Rivale der großen Emirates zählt zu den schnell wachsenden Golf-Airlines. Noch ist die Flotte mit Drehkreuz in Abu Dhabi mit 72 Flugzeugen halb so groß wie die der Air Berlin, schon in sechs Jahren sollen es aber 158 Maschinen sein.

Kräftiges Passagierplus

2013 beförderte Etihad knapp 12 Millionen Passagiere, ein Plus von 16 Prozent. Das wirkt gegen die 31,5 Millionen der Beteiligung Air Berlin auch deshalb bescheiden, weil bei Etihad lange Strecken dominieren. Die knapp 11.000 Beschäftigten erwirtschafteten 2013 6,1 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Qatar Airways Erstkunde bei der A350

Qatar Airways aus dem Emirat Katar komplettiert das Trio vom Golf. Die Fluggesellschaft wurde 1993 gegründet, ebenfalls auf Betreiben der Herrscherfamilie. Die Airline ist Großkunde bei Airbus und Boeing und hat nach eigenen Angaben 280 Flugzeuge bestellt. Beim neuen Airbus-Mittelstreckenjet A350 ist Qatar Airways Erstkunde.

Kritik wegen Arbeitsbedingungen

Zuletzt wurde Qatar Airways wegen der Arbeitsbedingungen kritisiert. Unter anderem wird der Arline vorgeworfen, dass seine überwiegend ausländischen Mitarbeiter unter Aufsicht in Gemeinschaftsunterkünften wohnen und eine Sperrstunde einhalten müssen. Außerdem dürfen sie demnach in den ersten fünf Jahren ihrer Firmenzugehörigkeit nicht heiraten, Schwangerschaften sind ein sofortiger Kündigungsgrund.

Gemeinsam fordern sie, das „Open Skies“-Abkommen mit Katar und den Vereinigten Emiraten aufzukündigen. Derartige Abkommen befreien bisher den Luftverkehr von Kapazitäts- und Preiskontrollen. Die USA haben „Open Skies“-Vereinbarungen mit mehr als 100 Staaten.

Im Falle der Airlines vom Persischen Golf solle eine Art „Fair Skies“-Abkommen her – heißt im Klartext: keine staatlichen Subventionen und die Beschränkung auf ein Angebot, das nicht über die lokale Nachfrage in Katar und den Emiraten hinausgeht. Doch dort werden die Flughäfen zu großen Drehkreuzen ausgebaut. Das gesamte Geschäftsprinzip basiert auf Umsteigerverkehr.

Pikant ist die Forderung zudem, weil viele US-Fluggesellschaften unter dem Insolvenzverfahren nach dem sogenannten Chapter 11 milliardenschwere Altlasten loswurden. Also auf gewisse Weise selbst vom Staat profitierten.

Die Reaktion folgte auf dem Fuße. Emirates-Chef Tim Clark erklärte, noch nie staatliche Zuschüsse erhalten zu haben. Die Forderung nach einer Abschottung des US-Marktes nannte Clark eine „Schande“. Von Etihad ist hingegen bekannt, dass die Airline von einem zinslosen Gesellschafterdarlehen des Emirats Abu Dhabi profitiert. Qatar Airways soll ähnliche Hilfe in Anspruch genommen haben.

US-Airlines: Kunden gewinnt man nicht mit Beschwerden

US-Airlines

Premium Kunden gewinnt man nicht mit Beschwerden

Die Attacke der US-Airlines auf die Konkurrenz vom Golf ist frech, findet Thomas Jahn. Statt Konkurrenten Subventionen vorzurechnen, sollten American Co. an ihren Leistungen arbeiten. Der Handelsblatt-Leitartikel.

Über Emirates und Co. beschweren sich aber nicht nur die US-Airlines. In einem gemeinsamen Brief hatten sich nach Handelsblatt-Informationen Lufthansa-Chef Carsten Spohr und der Chairman von Air France-KLM, Alexandre de Juniac, kurz vor Weihnachten an die EU-Kommission gewandt. Den europäischen Institutionen müsse „so schnell wie möglich ein Vorschlag unterbreitet werden, um eine verbesserte und effizientere Verteidigung des fairen Wettbewerbs zu sichern“, heißt es in dem Brief. Die EU solle bei Beteiligungen von Golf-Airlines in Europa sicherstellen, dass eine europäische Airline auch von Europäern geführt wird.

Von

td

Kommentare (2)

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Herr delo delsa

10.02.2015, 15:20 Uhr

Erst wenn nach Iberia, Alitalia, BMI, Olympic, LOT, .....auch Lufthansa und AirFrance pleite gegangen sind, wachen vielleicht die EU_Funktionäre auf !!!!

Herr Wolfgang Trantow

10.02.2015, 19:44 Uhr

Deutschland unterstützt den Islam hemmungslos? Dies hat man vor Jahren schon feststellen können. Spitzenreiter sind hier: Fr. Merkel, Hr. Gauck und Hr. Wulff!!

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