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12.04.2006

16:52 Uhr

Ende der Preisschlacht

Hotels wollen teurer werden

VonE. Krummheuer

Die unter extremen Niedrigpreisen leidende Markenhotellerie hofft in Deutschland auf bessere Zeiten. Große Hotelketten möchten die Zeit der Preisschlachten beenden und mit umfassenden Service bei den Kunden punkten.

DÜSSELDORF. „Jahrelang haben wir alle in dem Wahn gelebt, das Geschäft gehe nur über den Preis. Doch der gesellschaftliche Trend, dass es schick ist, stundenlang nach 30 Euro Preisvorteil im Internet zu recherchieren, ist vorbei“, glaubt beispielsweise Gabriele Schulze, Chefin der Best Western Deutschland, zweitgrößter Bettenanbieter in Deutschland.

Das zeigten Marktuntersuchungen der Gruppe, die letztes Jahr mit 15 000 Zimmern in 160 Häusern 400Mill. Euro Umsatz erwirtschaftete. Die Frage des Preises beeinflusste lediglich 18 Prozent der Gäste in ihrer Hotelwahl. Schulze: „Für uns heißt das: Mehr als 80 Prozent unserer Kunden orientieren sich an anderen Kriterien, an Service, Qualität und technischer Ausstattung.“

Fred Hürst, Chef des Grand Hyatt in Berlin und Sprecher der europäischen Hyatt-Hotels, bestätigt: „Nach der durch die Attentate des 11. September 2001 ausgelösten Tourismuskrise waren die Hoteliers zu reinen Preisverkäufern geworden. Das ist vorbei. Wir sind wieder Werteverkäufer.“ Sein Haus am Potsdamer Platz zählt Hürst selbstbewusst zu den „Preisführern“ in der Hauptstadt, in der es 18 Häuser der Fünf-Sterne-Kategorie gibt. Nach Diskussionen mit den Mitarbeitern auf allen Ebenen, sie klar, sagt Hürst, „dass wir nicht einfach nur Zimmer verkaufen, sondern eine umfassende Dienstleistung erbringen. Das ist Mehrwert, für den unsere Kunden erfahrungsgemäß gerne bezahlen.“

Hürst sieht deutschlandweit eine Stabilisierung der Hotelpreise. Besonders gefragt sei zurzeit Hamburg. Dennoch: „Bis die Hoteliers den Mut gefunden haben, den Trend beim Preis auszunutzen, vergeht immer viel Zeit.“ Doch auch in anderen Branchen würden hochwertige Produkte nicht einfach verschleudert.

In Untersuchungen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) spiegelt sich noch wenig Optimismus wider. Lediglich ein Fünftel der Hotels, so eine Dehoga-Umfrage, rechnet mit besseren Preisen; etwa ein Sechstel erwartet eher das Gegenteil. Eine Untersuchung des Hotelverbandes IHA zeigt aber auch, dass Hotels, die unter einer bekannten Marke firmieren, tendenziell besser da stehen.

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