Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.09.2013

16:20 Uhr

Endgültiges Aus

Praktiker-Aktie: Minus 40 Prozent auf alles!

VonCarina Kontio

Der Kampf ist verloren: Die insolvente Baumarktkette Praktiker wird nun endgültig zerschlagen, denn der Insolvenzverwalter hat keinen Käufer gefunden. An der Börse sind die Anleger entsetzt – die Aktie geht auf Talfahrt.

Insolvenzverwalter bestätigt

Baumarktkette Praktiker vor dem Aus

Insolvenzverwalter bestätigt: Baumarktkette Praktiker vor dem Aus

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfDie Baumarktkette Praktiker, 1978 im Saarland gegründet, ist am Ende. Das Unternehmen, das inzwischen auf eine Historie von 35 Jahren zurückblicken kann, steht nun endgültig vor dem Aus. Dem vorläufigen Insolvenzverwalter Christopher Seagon ist es nicht gelungen, einen Käufer zu finden. In 130 Märkten beginnt Ende nächster Woche der Ausverkauf, teilten die vorläufigen Insolvenzverwalter am Mittwoch in Hamburg mit.

Die Anleger an der Börse reagieren geschockt: Bis zum Nachmittag verliert die Aktie rund 40 Prozent an Wert und notiert aktuell bei 0,05 Euro – ein Trauerspiel. Damit unterbietet der SDax-Titel das bisherige Allzeittief bei 0,075 Euro deutlich. Das Erstaunliche daran ist eigentlich, dass es noch Anleger gibt, für die das endgültige Aus eine Überraschung darstellt.

Am Abend dürfte die Deutsche Börse die Praktiker-Aktie aus dem SDax werfen. Dass die Papiere nach der Sitzung des Arbeitskreises Aktienindizes ihren Platz räumen müssen, gilt als sicher.

Von dem Ende der Baumarktkette sind wohl 5300 Mitarbeiter, davon 1780 geringfügig Beschäftigte, betroffen. Ihnen werde zunächst nicht gekündigt. Erst am Ende des Investorenprozesses, der bis Oktober abgeschlossen sein soll, werde sich absehen lassen, was aus den einzelnen Standorten werde. Die Gewerkschaft Verdi erklärte, der Ausverkauf der Praktiker-Filialen sei eine „verheerende Katastrophe“ für tausende von Beschäftigten und mahnte die Übernahme von sozialer Verantwortung aller Beteiligten an. „Es glaubt niemand wirklich, dass die Praktiker-Beschäftigten nach dem Leerverkauf von den neuen Betreibern auch tatsächlich übernommen werden“, sagte Verdi-Vorstand Stefanie Nutzenberger. „Es wird Standorte geben, die so interessant sind, dass es vermutlich Übernehmer geben wird - aber es ist notwendig, dass es ein Konzept und Transparenz darüber gibt, wie die Fortführung nach dem Leerverkauf sichergestellt werden kann.“

Einige davon könnten sowohl von Branchenkonkurrenten als auch von anderen Einzelhändlern wie Textilunternehmen und Elektronikketten übernommen werden. Besser sehe es für die ebenfalls insolvente Konzerntochter Max Bahr aus, für die mehrere Angebote aus dem In- und Ausland vorlägen. Es bestehe nicht nur Interesse an den 132 Max-Bahr-Märkten, sondern darüber hinaus auch an weiteren 42 Praktiker-Filialen, die auf die Marke Max Bahr umgeflaggt werden sollten, heißt es in einem Bericht der „Welt“. Dazu war es durch die Insolvenz im Juli nicht mehr gekommen.

Welche Rechte haben die Kunden noch?

Wenn der Betrieb komplett eingestellt wird

Kommt es infolge der Insolvenz zur vollständigen Geschäftsaufgabe, können Sie ihre Ansprüche weiter beim Insolvenzverwalter geltend machen. Da der Händler seinen Betrieb eingestellt hat, wird eine Reparatur oder ein Austausch über ihn nicht mehr erfolgen. Sie könnten die mangelhafte Ware also auf Ihre Kosten reparieren lassen und diese Kosten im Wege des Schadensersatzes vom Insolvenzverwalter verlangen. Allerdings sind Ihre Erfolgsaussichten, Reparaturkosten erstattet zu bekommen, wegen der Vielzahl der Forderungen gering. Im Fall der Insolvenz wird es daher schwierig werden, Ansprüche auf Gewährleistung durchzusetzen.

(Quelle: Verbraucherzentrale NRW)

Was passiert mit angezahlter Ware?

Im schlimmsten Fall gehen Ihre Anzahlungen oder Vorauszahlungen in die Insolvenzmasse über. Der Insolvenzverwalter kann entscheiden, ob solche teilweise bereits erfüllten Geschäfte noch abgewickelt werden. Winkt er ab, bleibt Ihnen noch der Versuch, aus der Insolvenzmasse befriedigt zu werden. Allerdings zeigen alle Erfahrungen, dass die Kunden nur einen sehr bescheidenen Anteil erwarten können.

Was passiert beim Ratenkauf?

Die Raten für gelieferte Ware müssen Sie auf jeden Fall weiter bezahlen. Nennt der Insolvenzverwalter eine neue Bankverbindung, sind Sie verpflichtet, die Rate auf dieses Konto zu überweisen. Achtung: Es ist ratsam, die Echtheit der Angaben zu überprüfen, etwa durch telefonische Nachfrage, um nicht auf eventuelle Trittbrettfahrer reinzufallen. Werden trotz regelmäßiger Zahlungen angeblich offene Forderungen geltend gemacht, empfiehlt es sich, dem Inkassobüro die Vereinbarung über die Ratenzahlung sowie die Nachweise der gezahlten Raten vorzulegen. Die Vereinbarungen zur Ratenzahlung mit Verweis auf die Insolvenz zu kündigen, ist unzulässig. Hingegen ist grundsätzlich eine ordentliche Kündigung der Vereinbarung möglich, soweit dies vorgesehen ist. Ein außerordentlicher Kündigungsgrund besteht jedoch nicht, ebenfalls keine Anfechtungsmöglichkeit im Rahmen des Insolvenzrechts.

Bestellte Ware

Haben Sie auf Rechnung gekauft, gilt stets: Erhaltene Ware muss bezahlt werden. Auf Vorkasse sollten Sie sich bei einem insolventen Unternehmen auf keinen Fall einlassen, da Sie das Risiko tragen, dass Ihre Zahlung bei ausbleibender Lieferung in die Insolvenzmasse fällt.

Was ist mit Gutscheinen?

Problematisch wird die Einlösung von Gutscheinen ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dann können Sie Ihre Forderungen aus dem Gutschein nur noch beim Insolvenzverwalter anmelden. Soweit dann noch Geld vorhanden sein sollte, erhalten Verbraucher eine entsprechende Quote ausgezahlt. Meist gehen derartige Forderungen aber wegen der geringen Insolvenzmasse ins Leere.

Ebenso könnte auch jetzt schon der vorläufige Insolvenzverwalter die Nichteinlösung von Gutscheinen anordnen, da es sich um Verbindlichkeiten des Unternehmens handelt und er die Insolvenzmasse zusammenhalten muss.

Die Verbraucherzentrale rät den Besitzern von Gutscheinen, sich nochmals in die nächstgelegene Filiale zu begeben, um den Gutschein einzulösen. Falls dies nicht möglich ist, steht es Ihnen offen, sich an den vorläufigen Insolvenzverwalter zu wenden. Ob sich der Aufwand lohnt, hängt nicht zuletzt von der Höhe des Gutscheinbetrags ab.

Was passiert mit Kundendaten?

Bislang ist völlig unklar, was mit Kundendaten geschieht. Die Verbraucherzentrale hält einen Verkauf an Dritte nicht durch das Bundesdatenschutzgesetz gedeckt. Ihrer Auffassung nach muss der Insolvenzverwalter dafür sorgen, dass Kundendaten nach Abwicklung aller Vertragsbeziehungen gelöscht werden. Das Ende eines Unternehmens darf nicht zu einem Datenschlussverkauf führen.

Fehlerhafte Ware

Die gesetzliche Pflicht zur Gewährleistung hat der Händler; das bedeutet: Er muss im Fall der Gewährleistung die Ware kostenlos reparieren oder austauschen. Für die Beurteilung im Falle der Insolvenz kommt es darauf an, ob der Anspruch vor oder nach Eröffnung der Insolvenz entsteht: Alle Gläubiger mit Ansprüchen aus der Zeit vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens müssen ihre Forderungen nur zur Insolvenztabelle anmelden.

Ob in diesem Fall Ansprüche auf Gewährleistung erfüllt werden, hängt vom Insolvenzverwalter ab. Denn er kann entscheiden, diese Ansprüche trotzdem zu erfüllen, zum Beispiel um den zufriedenen Kunden an den Betrieb zu binden. Bei Ansprüchen, die erst nach dem schon eröffneten Verfahren entstanden sind, kann der Insolvenzverwalter wählen, ob er den Anspruch auf Reparatur oder Ersatzlieferung erfüllt oder nicht.

Reparaturkosten

Haben Sie die Ware noch nicht vollständig bezahlt, bietet es sich an, die Reparaturkosten mit den noch ausstehenden Zahlungen zu verrechnen. Dies sollten Sie mit dem Insolvenzverwalter abstimmen. Ausstehende Raten sollten Sie bis zu einer Einigung in Höhe der Reparaturkosten zurückbehalten.

Von der Insolvenz unberührt bleiben jedoch die Ansprüche, die sich aus den freiwilligen Garantien der Hersteller ergeben. Hat der Produzent eine Garantie gegeben, können Sie mangelhafte Ware im Rahmen der Garantie direkt dort beanstanden.

So hatte etwa die Baumarktkette Hornbach ein Auge auf einzelne Märkte geworfen. „Auch wir prüfen, ob wir Baumärkte von den insolventen Konkurrenten übernehmen, wenn sie konzeptionell zu uns passen“, hatte Hornbach-Finanzvorstand Roman Pelka der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gesagt. Man befinde sich „aber noch in der Prüfphase“.

Im Juli war der lange Überlebenskampf von Praktiker gescheitert, die Baumarktkette meldete Insolvenz an. Zwei Wochen später scheiterte auch die Tochter Max Bahr, die als Hoffnungsträger des Konzern gegolten hatte. Zum Verhängnis war Praktiker auch das Billigkonzept geworden, das unter dem Slogan „20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“ beworben wurde. Mit jahrelangen Preisschlachten hat sich der Konzern selbst in die Krise manövriert. Zuletzt versuchte der Praktiker-Chef Thomas Fox noch den Kurs zu korrigieren - vergeblich. Der 55-jährige Fox galt in der Branche auch nicht als Handelsstratege, den Praktiker dringend gebraucht hätte. Seine Spezialität, so schrieb es das "manager magazin" im März, ist es, in der Insolvenz Kosten zu kappen. So soll er es zuvor schon bei der Warenhausfirma Karstadt, beim Möbelhersteller Schieder und bei der Drogeriekette Ihr Platz praktiziert haben. Schon vor Monaten kursierten Gerüchte, das Fox bei Praktiker eine Planinsolvenz angestrebt habe, damit er sich von teuren Mietverpflichtungen losreißen kann. Praktiker dementierte.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.09.2013, 11:43 Uhr

Nicht schade drum.

Qualitativ absoluter Mist was dort verkauft wurde.

Account gelöscht!

04.09.2013, 12:12 Uhr

Was lernen wir daraus:
Willst Du pleite gehen, engagiere einen Unternehmensberater

Account gelöscht!

04.09.2013, 12:31 Uhr

Quatsch, dort wuirde der gleiche "Mist" verkauft, wie überall. Ich danke Praktiker! Nirgends habe ich meine Gardena-Ausrüstung so günstig bekommen, wie dort.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×