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08.09.2011

19:45 Uhr

Engpässe

Bahn rechnet mit Verspätungen im Winter

Ein Ende der Engpässe bei der Bahn ist nicht in Sicht. Das Chaos im kommenden Winter scheint programmiert zu sein. Bahnchef Grube will nun die Zughersteller stärker in die Pflicht nehmen.

Bahnchef Grube rechnet mit den Zugherstellern ab. dapd

Bahnchef Grube rechnet mit den Zugherstellern ab.

DüsseldorfDie Deutsche Bahn hat auch nach einem Spitzentreffen mit Regierung und Industrie vor Zugausfällen und Verspätungen im Winter gewarnt. „Ich kann mich hier nicht hinstellen und sagen, im Winter läuft alles wie geschmiert“, sagte Bahnchef Rüdiger Grube am Donnerstagabend nach dem Treffen unter Leitung von Verkehrsminister Peter Ramsauer. „Die Zugverfügbarkeit und Robustheit und Liefertreue muss wesentlich verbessert werden“, sagte er mit Blick auf Verspätungen bei der Auslieferung von Regional- und Fernzügen. „Ich sehe es nicht mehr ein, dass sich unsere Mitarbeiter dafür beschimpfen lassen müssen.“ Grube betonte, die Bahn werde wegen der Verzögerungen Vertragsstrafen bei den Herstellern geltend machen. 

Mit Vertragsstrafen in noch ungenannter Höhe will der Bahnchef die Bahnindustrie wegen der teils um Jahre verzögerten Auslieferung zur Kasse bitten. Er sei sehr verärgert, dass die vereinbarten Lieferzeiten nicht eingehalten würden und die Bahn deshalb ihr Leistungsversprechen gegenüber den Kunden nicht einhalten könne, sagte der Vorstandsvorsitzende nach dem Spitzentreffen.

Die Bahn hatte im Personenverkehr im vergangenen Winter erhebliche Probleme, da es ihr unter anderem bei schwierigen Wetterbedingungen an Reserven mangelt. So warten rund 100 neue Regionalzüge seit Jahren auf eine Zulassung vom Eisenbahn-Bundesamt. Zudem wird sich auch die Auslieferung von 17 ICE-Zügen, einer Velaro genannten modernisierten Form des ICE 3, verzögern. ersteller Siemens erklärte dazu: „Wir bedauern die Lieferverzögerung beim neuen ICE sehr und arbeiten mit Hochdruck an dem Projekt.“ Der Bahn macht zu schaffen, dass sie Achsen von ICE-Zügen deutlich häufiger in der Werkstatt prüfen lassen muss, nachdem ein ICE im Kölner Hauptbahnhof einen Achsenbruch hatte. Ab November sollen nun Zug um Zug die Achsen durch neue getauscht werden, um die Prüfintervalle wieder zu verlängern.

Verkehrsminister Ramsauer kündigte an, Industrie, Bahn und Eisenbahn-Bundesamt würden sich nun alle vier Wochen über Fortschritte bei der Fahrzeugzulassung austauschen. Bei den Regionalzügen vom Typ Talent stehe in Aussicht, dass immerhin 60 zum Winterbeginn einsatzfähig sein könnten, sagte der Minister. Der Hersteller Bombardier müsse bis dahin aber noch einige Arbeiten leisten. 

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Bahnindustrie in Deutschland, Ronald Pörner, verwies darauf, dass häufig während des Produktionsprozesses noch weitere Anforderungen der Behörden kämen. Künftig sollen aber nur noch solle Bestimmungen gelten, die vor dem Beginn des Produktionsprozesses in Kraft waren.

Zusammen mit der Industrie hatten sich Bahn und Behörden erst im Mai auf ein „Handbuch Eisenbahnfahrzeuge“ geeinigt, in dem Fristen und Qualitätsstandards festgelegt sind. Dieses Standardwerk soll vor allem bei der anstehenden sechs Milliarden Euro schweren Fertigung und Auslieferung des ICx-Pakets zum Tragen kommen, mit dem die Bahn in den nächsten Jahren den Fernverkehr grundlegend modernisieren will.

Bereits jetzt ist die Industrie aber mit zahlreichen Auslieferungen im Rückstand. Vielfach erfüllen die Züge die von der Bahn und vom Eisenbahnbundesamt gestellten Anforderungen nicht. Am spektakulärsten sind dabei mehr als 60 von der Bahn nicht abgenommene Nahverkehrszüge des Herstellers Bombardier, die teils seit zweieinhalb Jahren auf dem Abstellgleis stehen. Die Bahn drohte bereits damit, sie überhaupt nicht mehr abzunehmen.

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

08.09.2011, 14:44 Uhr

Wer war ds noch, der die Bahn an die Börse bringen wollte???
Ach so, der ruiniert nun airberlin..

Account gelöscht!

08.09.2011, 15:19 Uhr

Das sind ja Probleme wie in einer "Planwirtschaft" !
Vielleicht sollte man mal mehr Marktwirtschaft wagen und die Firmen Siemens und Bombardier außen vor lassen und wenigstens teilweise auf TGV oder Shinkansen umrüsten.
Der geplante Börsengang der DB hat mit dem Versagen der Zulieferfirmen eher gar nichts zu tun.

MaWo

08.09.2011, 15:53 Uhr

@ ihr,
nein, das war nur einer der Ausführenden. An die Börse zu gehen war eine Vorgabe aus der Politik.

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