Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.04.2015

17:22 Uhr

Erfolg für Gerd Müller

Modeverbände schließen sich deutschem Textilbündnis an

Was sich Entwicklungsminister Müller in den Kopf setzt, davon lässt er sich nur schwer wieder abbringen. Beim Textilbündnis hat sich die Beharrlichkeit gelohnt. Industrie und Handel springen jetzt doch mit ins Boot.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kann einen Erfolg für das von ihm gegründete Textilbündnis verbuchen. dpa

Deutsche Verbände mit im Boot

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller kann einen Erfolg für das von ihm gegründete Textilbündnis verbuchen.

Berlin„Schlecht vorbereitet, zu ambitioniert, weltfremd“, die Attribute, mit denen das Textilbündnis von Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) im vergangenen Oktober bedacht wurde, sind wenig schmeichelhaft. Dass viele deutsche Modehersteller und Handelsketten dem Bündnis nun kurz vor dem zweiten Jahrestag des Einsturzes der Textilfabrik Rana-Plaza doch beitreten wollen, ist das Ergebnis ebenso zäher wie diskreter Verhandlungen.

Das Unglück in Bangladesch, durch das damals mehr als 1100 Menschen ihr Leben verloren hatten, war nicht nur ein Weckruf für die Branche. Es ließ hierzulande auch den Ruf nach gesetzlichen Regelungen für die Produktion deutscher Firmen im Ausland laut werden. Statt eines Gesetzes kam: das Textilbündnis.

An den Gesprächen, die nach dem etwas glücklosen Start des Bündnisses im Oktober geführt wurden, waren nicht nur Müllers Ministerialbeamte und die wichtigsten Verbänden der Branche beteiligt. Auch Vertreter unabhängiger Organisationen, die sich für faire Arbeitsbedingungen in Entwicklungsländern einsetzen, saßen mit am Tisch. Das Plazet der Menschenrechtler und Umweltaktivisten ist für Müller wichtig. Er will sich nicht dem Vorwurf aussetzen, er habe seinen „Aktionsplan“ für öko-faire Standards in der Lieferkette nun auf Druck von Industrie und Handel so verwässert, dass nichts mehr davon übrig sei. Müller betont: „Wir haben einen hohen Anspruch formuliert mit dem Aktionsplan und der bleibt.“ Wer sich nicht an die Ziele des Bündnisses halte, „der fliegt raus“.

Entgegengekommen ist das Bündnis den Textilhändlern und -herstellern vor allem bei Grundsätzen, die nach Ansicht der Wirtschaftsvertreter Haftungsrisiken bedeutet hätten. Zudem wurde eine „Mittelstandsklausel“ eingebaut.

Warum Primark so erfolgreich ist

Masseneinkauf

Primark kauft seine Kleidungsstücke in sehr hohen Stückzahlen und nur in gängigen Größen ein. Das bringt Mengenrabatte.

Verzicht auf Marge

T-Shirts für 2,50 Euro und die Jeans für 8 Euro: Um die Kunden in den Laden zu locken, setzt Primark auf Kampfpreise. Das Motto: „Look good, pay less“. Konsequent versuchen die Iren, die Konkurrenten von H&M oder Zara zu unterbieten, und dennoch modisch aktuell zu sein. Damit verbindet Primark Eigenschaften der Premiumkonkurrenz mit Discountern wie Kik oder Takko.

Schlanke Organisation

Das Unternehmen versucht, unnötigen Verwaltungsaufwand zu sparen. Es gibt wenige Hierarchiestufen und die Manager organisieren vieles selbst, wofür andere Unternehmen zusätzliche Mitarbeiter einstellen. Der Chef für Deutschland und Österreich, Wolfgang Krogmann, hat keine Sekretärin. Auf Werbung verzichtet das Unternehmen weitestgehend – abgesehen von Plakatwerbung vor der Neueröffnung von Filialen.

Erfolgreiches Nicht-Marketing

Trotz eines quasi nicht vorhandenen Werbebudgets wird über Primark gesprochen: Vor allem im Internet, in den sozialen Netzwerken und auf Youtube. Durch den hohen Faktor der Mund-zu-Mund-Propaganda verschafft sich Primark Coolness, auch ohne Hochglanzplakate.

Darin zeigt das Bündnis Verständnis dafür, dass es für kleinere Firmen schwieriger ist, die Einhaltung von Mindeststandards bei ausländischen Zulieferern durchzusetzen als für Weltkonzerne. Denn die großen Player der Branche haben mit ihrer Marktmacht und eigenen Nachhaltigkeits-Abteilungen schon eine andere Ausgangsposition.

Außerdem verpflichtet sich das Textilbündnis, „den Anschluss an europäische und internationale Initiativen und Institutionen zu verfolgen, um über nationale Grenzen hinweg für gleiche Wettbewerbsbedingungen und einen breiten Bündnisbeitritt zu sorgen“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×