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17.09.2016

15:44 Uhr

Ernährung

Der erste Metzger für Vegetarier

Seit einer Weile bieten auch Supermärkte immer mehr Produkte wie Tofu-Würste und Veggie-Schnitzel an. Nun will in Berlin ein vegetarischer Metzger für altbekanntes Einkaufs- und Essgefühl sorgen.

Fleisch ohne Fleisch ist gefragt. dpa

Veganes Hühnchen in der vegetarischen Metzgerei in Berlin

Fleisch ohne Fleisch ist gefragt.

BerlinMit großen Augen bleiben die Passanten vor dem Laden stehen. Auf den ersten Blick scheint es eine neue Fleischerei zu sein - weiße Kacheln an der Wand, Wurst in der Vitrine, eine Retro-Waage auf dem Tresen. Doch über dem Schaufenster in der Kreuzberger Bergmannstraße steht: „Der vegetarische Metzger“. Für manche ist da die Verwirrung erst einmal groß.

Drinnen wird Veganes und Vegetarisches aufgetischt, bevor an diesem Freitagabend die Eröffnung ansteht: Es gibt Hähnchengeschnetzeltes, Burger, Wurst. Sieht aus wie Fleisch, riecht wie Fleisch, ist aber keins. Auch zerlegt oder verwurstet wird hier nichts: Die Fleischimitate stammen aus industrieller Produktion, in den Glasschränken liegt Abgepacktes.

Fleischersatzprodukte finden immer mehr Einzug in den Supermärkten. Wäre ein fleischloser Metzger der nächste Schritt? dpa

Vegetarische Lebensmittel

Fleischersatzprodukte finden immer mehr Einzug in den Supermärkten. Wäre ein fleischloser Metzger der nächste Schritt?

Die Geschäftsführer David Meyer, Florian Tenfelde und Martin Koltermann sprechen von einem Premium-Produkt, mit dem sie den deutschen Markt von Berlin aus erobern wollen: Vegetarier, Veganer - aber vor allem jene, die es werden wollen. Die drei vertreiben exklusiv das Sortiment der holländischen Firma „The Vegetarian Butcher“, wollen es auch in Supermärkten platzieren und noch diesen Herbst ein Restaurant in der Revaler Straße in Berlin-Friedrichshain eröffnen.

Auch wenn etwa ein Veggie-Metzger in Frankfurt laut Medienberichten nur 15 Monate existierte - die Zahlen sprechen für die Berliner: Bundesweit hat sich der Umsatz mit veganen und vegetarischen Lebensmitteln zwischen 2010 und 2015 mehr als verdoppelt, nach Angaben des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) auf 454 Millionen Euro. Veganismus ist längst ein Lifestyle-Trend. Berlin bietet von der Pizzeria bis zur Crêperie die gesamte kulinarische Bandbreite in vegan.

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Die Wursthersteller haben den Fleischlos-Boom mit einer beispiellosen Werbe-Offensive angefeuert. Wie viel Geld sie tatsächlich für Veggie-Werbung ausgeben, zeigt eine exklusive Studie. Die Kampagnen zeigen Wirkung.

Neben einem Veggie-Metzger in der Schweiz bietet auch der ein oder andere Berliner Laden selbst gemachte Wurst, Burger-Patties oder Braten an. Bisher grenzen sie sich aber meist klar von der echten Fleischbranche ab und beschreiben sich zum Beispiel als „Seitanmanufaktur“ - Seitan ist Fleischersatz aus Gluten. In Kreuzberg dagegen verschwimmen die Grenzen. „Schmeckt normal“, sagt eine Nicht-Vegetarierin beim Kosten und scheint überzeugt. Ein veganer Passant beißt ins sehnige „Hähnchen“ und fühlt sich an Hähnchenhaut erinnert. Das Grinsen der Geschäftsführer wird breiter.

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