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03.05.2013

06:29 Uhr

Ernährung

Foodwatch zerpflückt Werbung für Dickmacher

Große Nahrungsmittelfirmen haben sich seit Jahren verpflichtet, keine Werbung für gesundheitlich zweifelhafte Produkte an Kinder zu richten. Die Verbraucherschutzorganisation sieht ein Scheitern des Ansatzes.

Hauptversammlung von Nestlé: Auch Werbung der Schweizer steht in der Kritik. Reuters

Hauptversammlung von Nestlé: Auch Werbung der Schweizer steht in der Kritik.

BerlinIm Kampf gegen Übergewicht fordert die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch gesetzliche Regeln zur Einschränkung der Werbung für Kinder-Lebensmittel. Die europaweite freiwillige Selbstbeschränkung, unterschrieben von 19 der größten Hersteller, lasse den Unternehmen zu viele Schlupflöcher - die Selbstverpflichtung entpuppe sich als „reine Werbemasche“, kritisierte Foodwatch am Freitag in Berlin.

Seit 2007 haben sich 19 große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Kellog's oder McDonald's im sogenannten EU Pledge verpflichtet, keine Werbung für unausgewogene Produkte an Kinder unter zwölf Jahren zu richten. Tatsächlich aber laufe die Vermarktung von Frühstücksflocken, Eiscreme oder Kartoffelchips direkt an Kinder einfach weiter, erklärte Foodwatch.

Als Beispiel nannte die Organisation zwei Werbekampagnen, die derzeit auch beim Negativ-Wettbewerb „Goldener Windbeutel“ als „dreisteste Werbemasche“ des Jahres für Kinder-Lebensmittel nominiert sind: die für den Snack „Pom-Bär“ von Intersnack und für „Kosmostars“ von Nestlé.

„Pom-Bär“-Chips enthielten doppelt so viel Fett und mehr als fünf Mal so viel Salz wie Pommes frites von McDonald's, würden aber dennoch weiter an Kinder beworben. Die Rechtfertigung laute nicht, dass das Produkt ausgewogen sei, sondern dass es vor einer Rezepturänderung noch unausgewogener gewesen sei. Nestlé werbe weiter für seine Frühstücksflocken „Kosmostars“, obwohl diese 25 Prozent Zucker enthielten. Das Produkt erfüllt laut Foodwatch die von Nestlé selbst festgelegten Nährwertanforderungen der freiwilligen Selbstverpflichtung.

Nestlé erklärte dazu auf Anfrage, das Unternehmen sehe die Selbstverpflichtung als wichtige Grundlage für eine verantwortungsbewusste Werbung gegenüber Kindern. Seit Ende 2012 gebe es unternehmensübergreifende Nährwertkriterien für verschiedene Produktkategorien, die Vergleichbarkeit und Transparenz ermöglichten. Der Pom-Bär-Hersteller Intersnack erklärte auf Anfrage, der Gehalt an gesättigten Fettsäuren sei bereits um rund 80 Prozent reduziert worden. Bis Ende des Jahres werde auch der Salzgehalt bei allen Pom-Bär-Produkten um weitere 15 Prozent verringert.

Die größten Schokoladenhersteller weltweit (nach Umsatz 2012)

Platz 10

Yildiz Holding (Türkei)

Jahresumsatz im Jahr 2012: 2,2 Milliarden Dollar

Platz 9

August Storck KG (Deutschland)

Jahresumsatz: 2,27 Milliarden Dollar

Platz 8

Chocoladenfabriken Lindt & Sprüngli AG (Schweiz)

Jahresumsatz: 2,79 Milliarden Dollar

Platz 7

Ferrero Group (Italien)

Jahresumsatz: 5,63 Milliarden Dollar

Platz 6

Hershey Foods Corp. (USA)

Jahresumsatz: 6,46 Milliarden Dollar

Platz 5

Meiji Co Ltd. (Japan)

Jahresumsatz: 12,43 Milliarden Dollar

Platz 4

Nestlé SA (Schweiz)

Jahresumsatz: 12,81 Milliarden Dollar

Platz 3

Barcel SA, division of Grupo Bimbo (Mexiko)

Jahresumsatz: 14,1 Milliarden Dollar

Platz 2

Mondeléz International Inc. (USA)

Jahresumsatz: 15,48 Milliarden Dollar

Platz 1

Mars Inc. (USA)

Jahresumsatz: 16,8 Milliarden Dollar

Quelle: Fachzeitschrift Candy Industry

Foodwatch monierte auch, dass sich die Selbstverpflichtung der Unternehmen nur auf TV-Werbung, Printmedien und firmeneigene Webseiten bezieht. Verpackungen - etwa in Form von Comicfiguren - und auch Marketingmaßnahmen im Supermarkt wie Gewinnspiele sind ausgenommen. Auch das Sponsoring - etwa von Fußballturnieren oder Schulwettbewerben - falle nicht darunter.

Als Werbung gegenüber Unter-Zwölf-Jährigen gilt laut EU Pledge, wenn mindestens 35 Prozent der Fernsehzuschauer unter zwölf Jahre alt sind. Viele Sendungen, die Kinder gerne sehen, sind laut Foodwatch damit nicht betroffen. Schauten Vater, Mutter und Kind zu, stelle das Kind rein rechnerisch nur 33 Prozent des Publikums. Auch Werbung mit Sportstars, die sich nicht an Kinder richtet, erreiche Kinder „problemlos“.

„Der EU Pledge ist scheinheilig“, erklärte Foodwatch-Experte Oliver Huizinga. Nach wie vor vermarkte die Industrie fast ausschließlich Junkfood an Kinder. „Es muss Schluss damit sein, dass die Hersteller Verantwortung nur vortäuschen und mit wirkungslosen freiwilligen Maßnahmen Regulierung abwehren.“ Die Politik müsse die Eltern dabei unterstützen, Kinder gesund zu ernähren.

Von

afp

Kommentare (12)

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Account gelöscht!

03.05.2013, 07:44 Uhr

"Seit 2007 haben sich 19 große Lebensmittelkonzerne wie Nestlé, Kellog's oder McDonald's im sogenannten EU Pledge verpflichtet, keine Werbung für unausgewogene Produkte an Kinder unter zwölf Jahren zu richten. "

Ist ja auch schon mal Unsinn. Das gehört denselben Restriktionen unterworfen wie Werbung für Alkohol und Tabak. Zucker ist ein Suchtmittel, und die ungesunde Ernährungsfalle schlägt gerade in der Pubertät, also nach dem 12. Lebensjahr zu.
Der Mensch ist ja über den Preis erpreßbar, gesundes Essen ist billiger als der ganze Industriemist, und schont auch noch die Umwelt.
Vielleicht sollte man dafür mal Vergleichsportale bauen, aber das macht Nestle dann wahrscheinlich auch selbst, weil alles schon so träge und sinnlos erscheint, und die Gehirnzellen mit Zucker verklebt sind.

vandale

03.05.2013, 08:10 Uhr

Einige Oekokonzerne haben sich mittlerweile auf grosse Unternehmen eingeschossen. Die Geschäftsmodelle ähneln denen bekannter süditalienischer Organisationen. Gem. der Kritiker gibt es seitens einiger Oekoorganisationen das Geschäftsmodell Klagen gegen Bauvorhaben, z.B. Kraftwerke, zu erheben und diese dann gegen Zahlung einer Spende einzustellen. Andere Oekoorganisationen freuen sich über Fördermitgliedschaften und andere Spenden. In der WiWo Online vom 04.04 findet man einen interessanten Artikel zum Thema: Unternehmen kontern Ökoaktivisten aus. In dem Artikel wird auch auf die Organisation Foodwatch eingegangen. Interessant ist auch das Schwarzbuch WWF.

Nestle hat meines Wissens bislang kein Schutzgeld an Oekoorganisationen bezahlt. Nestle hat sich sachlich gesehen auch nichts vorzuwerfen.

Ich hoffe, dass die Medien und das HB aufhört das Geschäft der Oekokonzerne zu betreiben. Beispielsweise könnte man anstatt Greenpeace, Vertreter von Fachverbänden zu Umweltthemen befragen. Anstelle von Foodwatch hätte man Fachleute aus dem Verbraucherschutzministerium fragen können.

Vandale

Account gelöscht!

03.05.2013, 08:26 Uhr

"Anstelle von Foodwatch hätte man Fachleute aus dem Verbraucherschutzministerium fragen können. "

Hehe, echt jetzt?

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