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16.01.2016

17:49 Uhr

Ernährung und soziale Medien

Wie das Internet das Essen verändert

VonChristoph Kapalschinski, Florian Kolf

Der Ausspruch „Du bist, was du isst“ gilt mehr denn je. Die Arbeitswelt und soziale Netzwerke verändern unsere Essgewohnheiten. Konzerne wie Nestlé oder Ikea wollen davon profitieren – genauso wie die Politik.

Das Essen bei sozialen Netzwerken zu posten, wird immer mehr zum Trend. Dahinter steckt ein Wunsch nach mehr Gesellschaft bei Mahlzeiten. Imago

Die Mahlzeit im Internet

Das Essen bei sozialen Netzwerken zu posten, wird immer mehr zum Trend. Dahinter steckt ein Wunsch nach mehr Gesellschaft bei Mahlzeiten.

Frankfurt/DüsseldorfDer Fotodienst Instagram ist voll davon, ebenso das Kontaktnetz Facebook: Schnappschüsse von Mahlzeiten, egal ob selbstgekocht oder aus dem Sterne-Restaurant. „Die Menschen verleihen über das Essen ihrer Persönlichkeit Ausdruck. Was man früher durch Mode gemacht hat, kann man heute durch Ernährung erreichen“, meint Katja Popanda, Leiterin der Marktforschung bei Nestlé in Frankfurt.

Das Internet verändert die Ernährungsgewohnheiten der Deutschen – und zwar rasant. Konzerne wie Nestlé wollen davon profitieren, selbst die Möbelkette Ikea beschäftigt sich damit – und die Bundesregierung.

Der Lebensmittelbranche macht der Trend Hoffnung. Durch die neue Beschäftigung mit dem Essen hoffen sie, eine alte Gewissheit über Bord werfen zu können: diejenige, dass die Deutschen beim Essen knausern. Nestlé untersucht regelmäßig in Umfragen die Einstellung zum Essen: Während 2003 noch 59 Prozent eher auf den Preis als auf die Qualität achteten, waren es 2015 nur noch 47 Prozent. Stetig wichtiger werden stattdessen ethische Fragen: Wie werden Tiere gehalten? Wie gehen die Produzenten mit ihren Mitarbeitern um?

35 Prozent der Befragten behaupten etwa, für Fair Trade einen Aufpreis zahlen zu wollen – vier Jahre zuvor waren es gerade einmal 19 Prozent. Neben dem Internet hilft hier wohl die gute wirtschaftliche Lage, die das verfügbare Einkommen steigen lässt.

Zugleich steigt der Umsatz mit speziellen Produkten: Der Umsatz mit glutenfreien Lebensmitteln wuchs 2015 um 39 Prozent auf 117 Millionen Euro an, derjenige mit explizit fleischloser Nahrung ebenfalls um 39 Prozent auf 488 Millionen Euro. Offensichtlich greifen vermehrt Menschen zu solchen angeboten, die weder gluten-intolerant noch Vegetarier sind – einfach in der Annahme, sich so besser zu ernähren.

Davon wollen die Konzerne profitieren: Nestlé bringt im Februar vegetarische Wurstsorten unter seinen Marke Herta auf den Markt – wie zuvor schon Wiesenhof und Rügenwalder. Dazu kommt eine glutenfreie Pizza der Nestlé-Marke Wagner. Schließlich, so heißt es im Konzern, verlaufe der Wandel deutlich schneller als etwa der Trend zu zuckerfreien „Light“-Produkten in den 1980er-Jahren.

Bio - öko - fair

Ein Wirrwarr an Siegeln

Fair, bio, öko – und dazu mehrere Dutzend Gütesiegel: Viele Verbraucher verlieren da den Überblick. Dabei gibt es zwischen den Begriffen durchaus Unterschiede.

Fair

Eine faire Produktion soll gewährleisten, dass die Produzenten angemessene Löhne zahlen und die Mitarbeiter nicht unter gesundheitsgefährlichen Bedingungen arbeiten. Der gemeinnützige Verein Transfair verleiht sein Siegel beispielsweise für Produkte wie Kaffee, Bananen oder Blumen, aber auch Kleidung und Fußbälle. Inzwischen berücksichtigt die Organisation allerdings nicht nur ökonomische und soziale, sondern auch ökologische Kriterien – das sei im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

Bio

Bio-Siegel garantieren die ökologische Produktion von Lebensmitteln und anderen Produkten. Dabei dürfen beispielsweise weder Gentechnik noch chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Die Anforderungen der Siegel unterscheiden sich allerdings zum Teil erheblich. Besonders streng sind Demeter, Naturland und Bioland.

Öko

Bio ist jedoch nicht automatisch öko: Auch die Umweltbilanz von Bioprodukten kann schlecht sein, etwa wenn Äpfel aus Südafrika nach Deutschland transportiert werden. Weniger CO2 fällt an, wenn Verbraucher Produkte aus der Region kaufen.

Doch Marken haben es schwer – auch das zeigt die Nestlé-Umfrage. Demnach schreiben zwar 71 Prozent der Konsumenten Marken-Lebensmitteln – wie den Nestlé-Angeboten – eine hohe Qualität zu, 67 Prozent denken dies aber auch von den Handelsmarken.

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