Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.06.2015

14:08 Uhr

Erster Sanierungserfolg

Karstadt-Mitarbeiter bekommen wieder Urlaubsgeld

Karstadt ging beim Kaufhof-Verkauf leer aus. Die Mitarbeiter der Warenhauskette hingegen sollen nicht dasselbe erleiden. Im Zuge der ersten Sanierungserfolge sollen sie im laufenden Jahr wieder Urlaubsgeld erhalten.

Die Warenhauskette nimmt wieder Fahrt auf. Im Zuge der Sanierung will sie ihren Mitarbeitern wieder Urlaubsgeld ausbezahlen. dpa

Karstadt

Die Warenhauskette nimmt wieder Fahrt auf. Im Zuge der Sanierung will sie ihren Mitarbeitern wieder Urlaubsgeld ausbezahlen.

DüsseldorfDie angeschlagene Warenhauskette Karstadt stellt nach der Schlappe im Rennen um einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Kaufhof erste Erfolge ihrer Sanierung heraus. Die Karstadt-Beschäftigten sollen nun doch noch Urlaubsgeld für 2015 bekommen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Die zunächst im Zuge der Sanierung gestundeten Zahlungen sollen nun im Juli fließen. Darauf hätten sich Karstadt-Chef Stephan Fanderl, der neue Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl sowie Verdi-Verhandlungsleiter Arno Peukes verständigt. Einem Insider zufolge macht Karstadt für die Zahlung rund 13 Millionen Euro locker. Darüber berichtete auch die „Welt“. Karstadt wollte sich nicht äußern. Fanderl habe zudem vor Betriebsräten bekräftigt, dass der Warenhausriese im Geschäftsjahr 2014/15 der Gewinnschwelle nahe kommen wolle, hieß es weiter.

Karstadt-Eigner Rene Benko hatte für Kaufhof geboten, um die beiden Ketten zu einer „Deutschen Warenhaus Holding“ zusammenführen zu können. Der Plan scheiterte aber – der Kaufhof-Mutterkonzern Metro gab dem nordamerikanischen Handelsriesen Hudson's Bay den Zuschlag. Karstadt muss sich nun auf einen scharfen Wettbewerb einstellen.

„Wir haben weiter einen harten Weg vor uns, bis Karstadt vollständig gesund ist und über die modernsten Einzelhandelsprozesse des Marktes verfügt“, sagte Fanderl laut Karstadt weiter. „Aber wir sehen bereits in den Büchern, das wir das Ruder herumgerissen haben.“ Die Tarifverhandlungen sollten baldmöglichst fortgeführt werden. „Wir tun im Hinblick auf das Urlaubsgeld 2015 und weitere Forderungen unseres Sozialpartners genau das, was für Karstadt auch leistbar ist und uns weiterbringt.“

Karstadt und Kaufhof - Zwei Warenhäuser mit Tradition

Keine Deutsche Warenhaus AG

Das Rennen um die größte deutsche Warenhauskette Galeria Kaufhof ist gelaufen. Der Metro-Konzern hat im Juni 2015 seine Tochter für 2,8 Milliarden Euro an den kanadischen Handelskonzern Hudson's Bay verkauft. Das Nachsehen hat damit der Eigner der Konkurrenz-Kette Karstadt, Rene Benko, der ebenfalls an Kaufhof interessiert war. Für den angeschlagenen Karstadt-Konzern könnte es nun noch schwieriger werden, im Wettbewerb zu bestehen. Hudson's Bay will Kaufhof als Sprungbrett für eine weitere Expansion in Europa nutzen.

Galeria Kaufhof

Kaufhof erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2013/2014 mit rund 21.500 Mitarbeiter gut drei Milliarden Euro Umsatz und verdiente operativ fast 200 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Kunden besuchen täglich eines der 104 Waren- und 16 Sporthäuser in mehr als 80 Städten in ganz Deutschland. In Belgien betreibt Kaufhof zudem 16 Filialen unter dem Namen „Galeria Inno“. Kaufhof mit Sitz in Köln blickt auf eine fast 140-jährige Geschichte zurück: 1879 eröffnete der Kaufmann Leonhard Tietz in Stralsund ein kleines Textilgeschäft und legte damit den Grundstein für das Warenhaus. Metro-Chef Olaf Koch hatte Kaufhof zum Verkauf gestellt, weil er für das Warenhaus-Konzept unter dem Dach der Metro keine ausreichenden Expansionschancen sieht.

Karstadt

Eine fast ebensolange Tradition wie Kaufhof hat Karstadt. 1881 gründete Rudolph Karstadt sein erstes Ladengeschäft in Wismar. Das Filialnetz wuchs schnell. Karstadt verleibte sich den Neckermann Versand mehrheitlich ein, übernahm Hertie und fusionierte Ende der 1990er Jahre mit dem Versandhaus Quelle zu KarstadtQuelle. Doch das Geschäftsmodell begann zu kriseln. Karstadt schloss Häuser, verkaufte seine Immobilien, schlidderte aber dennoch 2009 zusammen mit seinem damaligen Mutterkonzern Arcandor in die Insolvenz. 2010 übernahm dann der Milliardär Nicolas Berggruen Karstadt aus der Insolvenz heraus. Vier Jahre später reichte er Karstadt dann komplett an den österreichischen Immobilien-Investor Rene Benko weiter. Der Essener Konzern betreibt heute mit etwa 16.000 Mitarbeitern noch 81 Warenhäuser, bis spätestens 2016 sollen fünf weitere geschlossen werden. 2012/2013 häufte Karstadt einen Verlust von 131 Millionen Euro an, der Umsatz sank um neun Prozent auf 2,67 Milliarden Euro.

Hudson's Bay

Hudson's Bay wurde 1670 gegründet und gilt als ältestes Unternehmen Nordamerikas. Bislang operiert der in Toronto ansässige und einst durch den Pelzhandel groß gewordene Konzern nur in Kanada und den Vereinigten Staaten. Das börsennotierte Unternehmen bietet unter seinen Marken Hudson Bay, Lord & Taylor und Saks Fifth Avenue Bekleidung, Accessoires, Schuhe, Schönheitsprodukte und Haushaltswaren an. In Kanada und den USA betreibt Hudson's Bay über 300 Geschäfte. 2014 betrug der Umsatz des Konzerns 8,2 Milliarden Kanadische Dollar (etwa 5,8 Milliarden Euro), der Gewinn erreichte unter dem Strich beinahe 240 Millionen Dollar.

Konkurrenz in Europa

Kaufhof soll für die Kanadier Sprungbrett sein für eine Expansion in Europa. Hier müssen sie sich vorrangig mit der italienischen Traditionskette La Rinascente sowie der größten europäischen Warenhauskette, der spanischen El Corte Ingles, auseinandersetzen. La Rinascente war 2011 mehrheitlich von der thailändischen Central Group übernommen worden. Die übernahm jüngst zudem 50,1 Prozent des operativen Geschäftes der Karstadt-Luxushäuser von Benko: das KaDeWe in Berlin, das Hamburger Alsterhaus und das Warenhaus Oberpollinger in München.

Die Karstadt-Führung hatte im Mai 2013 eine „Tarifpause“ für die damals noch rund 17.000 Beschäftigten ausgerufen – der Warenhausriese sparte sich so Lohnerhöhungen. Bislang sollen nur die drei Luxushäuser um das Berliner KaDeWe in die Tarifbindung zurückkehren. Fanderl pocht für die übrigen Teile auf tiefe Einschnitte. Verdi fordert hingegen eine Standort- und Beschäftigungssicherung sowie die zügige Rückkehr in die Tarifbindung.

Fanderl zufolge kommt Karstadt beim Umbau voran. Der Warenhauskonzern werde "kundennäher". Auch das Management müsse den Weg vorgeben und mehr Aufgaben übernehmen, um die Wege im Unternehmen kürzer zu machen. "Verkäuferinnen und Verkäufer haben nur noch eine Aufgabe: verkaufen, verkaufen und nochmals verkaufen", sagte der Karstadt-Chef vor Betriebsräten.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×