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03.01.2007

07:35 Uhr

Erster Verkaufstag 2007

Satte Rabatte statt steigender Steuer

VonChristoph Schlautmann

Stell Dir vor: Die Mehrwertsteuer wird erhöht und keiner merkt's. So war es am ersten Verkaufstag im neuen Jahr. Statt ein paar Prozente auf die Waren draufzuschlagen, locken Händler mit Rabatten oder halten ihre Preise zumindest stabil. Das fällt leicht, haben sie die höhere Mehrwertsteuer doch längst eingepreist. Die Schnäppchen-Welle dürfte aber schon bald abebben.

Auch Tchibo lockt wie hier in Hamburg mit Rabatt - allerdings nur auf ohnehin schon reduzierte Artikel. Foto: ap ap

Auch Tchibo lockt wie hier in Hamburg mit Rabatt - allerdings nur auf ohnehin schon reduzierte Artikel. Foto: ap

DÜSSELDORF. Die blau-orange Preisliste, die der junge Verkäufer im Elektrofachmarkt Saturn mit einem Lächeln über die Theke reicht, hat es in sich. „Vorher“ und „Jetzt“ steht auf dem übersichtlichen Blatt Papier gedruckt, darunter in zwei Kolumnen mehr als ein Dutzend Preisbeispiele. Wer eine praktische Umrechnungshilfe für die zum Jahreswechsel erhöhte Mehrwertsteuer erwartet hatte, dürfte enttäuscht sein, der geübte Schnäppchenjäger dagegen kaum: Statt Preisaufschlägen präsentiert Saturn auf seiner Rechentabelle einen Sonderrabatt von 19 Prozent auf alle CDs, DVDs und Videospiele.

Noch überboten wird die Rotstiftaktion von Karstadts Elektroniktochter Wom, wo CDs und DVDs bis zum Samstag um 20 Prozent günstiger sind. Kaufhof gegenüber reduziert seine Ware wegen der aktuellen „Saison-Räumung“ sogar „bis zu 50 Prozent“. Und wer bei Roland zwei Paar Schuhe kauft, erhält das dritte Paar jetzt umsonst.

Selbst der Rewe-Discounter Penny, der wegen des hohen Anteils an Lebensmitteln im Sortiment von der Mehrwertsteuererhöhung kaum betroffen ist, verspricht seinen Kunden bis zum 6. Januar einen Drei-Prozent-Rabatt auf den gesamten Einkauf. Scheinbar paradox: Ausgerechnet die Mehrwertsteuererhöhung lässt die Preise im deutschen Einzelhandel purzeln.

Händler garantieren stabile Preise

Eine Stichprobe des Handelsblatts, die 21 Artikel vor und nach dem Jahreswechsel vergleicht, belegt den Befund. Von einer Ausnahme abgesehen gingen am Dienstag sämtliche beobachteten Markenartikel zum selben Preis über die Ladentheke wie vor Silvester – darunter Davidoff-Parfüm, Kitchenaid-Standmixer, Mont-Blanc-Füller und Lloyd-Schuhe. Sogar die Luxusherrenuhr „Reverso Squadra“ war an Düsseldorfs Königsallee weiterhin für 6 500 Euro zu haben, obwohl der Juwelier dafür seit Jahresbeginn 169 Euro zusätzlich an den Fiskus abführen muss.

C&A, Deichmann und Aldi hatten bereits vor dem Jahreswechsel Garantien geben, denen zufolge sie in den kommenden Monaten darauf verzichten, die Mehrwertsteuer weiterzugeben. Nach ersten Stichproben des Handelsblatts haben aber auch Karstadt, Kaufhof und Douglas ihrer Kundschaft zum Jahreswechsel die höheren Preise erspart.

Allein ein Leuchtengeschäft im noblen Düsseldorfer Stilwerk verlangte bei den Testkäufen am Dienstag den erhöhten Mehrwertsteuersatz. Dort hatte der Shopbetreiber sämtliche Preise durchgestrichen und erklärte auf Anfrage, man wolle nun drei Prozent mehr verlangen. Das quittierten die Kunden prompt: Kurz vor Mittag war der vor Silvester noch gut besuchte Laden menschenleer.

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