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30.12.2015

15:18 Uhr

Escada und Strenesse

Die Last mit dem Luxus

VonGeorg Weishaupt

Escada, Strenesse und Rena Lange: Deutschen Luxusmarken geht es schlecht. Warum nur? Wie die Labels trotzdem versuchen, ihren Fortbestand zu sichern. Oft sind Investoren die Retter in der finanziellen Not.

Die Last mit dem Luxus kann groß sein. dpa

Luxuslabels

Die Last mit dem Luxus kann groß sein.

DüsseldorfSie sitzt in der ersten Reihe im weißen Cocktailkleid, während die Models an ihr vorbeiflanieren. Megha Mittal, die 38-jährige Eigentümerin von Escada, will noch einmal durchstarten mit der Luxusmarke. Sie hat dazu einen besonderen Rahmen gewählt, den Saal der Porzellanmanufaktur im Münchener Schloss Nymphenburg. Die Hoffnungen sind groß Anfang dieses Jahres, „das Wachstum und die internationale Expansion weiter voranzutreiben“, wie Mittal sagte. Doch ihre Hoffnungen mussten inzwischen bitteren Tatsachen weichen: Der neue CEO, der Amerikaner Glenn McMahon, ist nach einem halben Jahr schon wieder abgesprungen. Und Mittal musste im Oktober verkünden, dass sie 200 der insgesamt 2000 Stellen in den kommenden zwei Jahren streichen werde.

Escada ist nicht die einzige deutsche Marke der Luxus- und Premiumode, der es derzeit schlecht geht. Strenesse aus dem bayerischen Nördlingen kämpft, um sich in der Insolvenz in Eigenverwaltung zu sanieren, Laurèl kann nur mit Mühe die Zinsen seiner Unternehmensanleihe zahlen. Und das Münchener Modehaus Rena Lange ist pleite. Der Niedergang der deutschen Edelmarken hat viel damit zu tun, dass sie sich übernommen haben.

Escada hat in den guten Zeiten der 80er-Jahre kräftig expandiert. So schufen die Gründer Margaretha und Wolfgang Ley eine ganz Reihe weiterer Marken wie Laurèl und Biba hinzu, um einen noch breiteren Markt abzudecken. Doch der Größenwahn rächte sich bereits Anfang der 90er-Jahre, als die Beteiligungen den Konzern tief in die roten Zahlen rissen. Auch die Familie Strehle stellte sich nach großen Erfolgen in den Anfangsjahren bei Strenesse zu breit auf. So musste der Sanierer Michael Pluta im vorigen Jahr vieles zurückdrehen und vor allem die Kollektion um ein Drittel zusammenzustreichen.

Deutsche Luxusmarken tun sich schwer, mit der internationalen Konkurrenz finanziell mitzuhalten. Das gilt für aufwendige Werbekampagnen, die Digitalisierung des Vertriebs und für Investitionen in neue Kollektionen. Benachteiligt sind die Mittelständler auch, sich beim Wettlauf um die besten Standorte für Ladenlokale durchzusetzen. Dabei müssen sie sich mit milliardenschweren Luxuskonzernen von Armani über Gucci bis hin zu Dior messen.

Die Mieten in Toplagen in deutschen Großstädten sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Nach Berechnungen des Immobilien-Dienstleisters Jones Lang Lasalle (JLL) liegen die Spitzenmieten in der Kaufingerstraße und am Marienplatz in München bei 360 Euro pro Quadratmeter. In der Königsallee in Düsseldorf sind sie in den vergangenen zwei Jahren von 265 auf 290 Euro gestiegen. Und der Trend geht weiter. „Vier von fünf Unternehmen wollen ihre Präsenz in den Spitzenlagen der Innenstädte ausbauen“, sagt Dirk Wichner, Head of Retail Leasing Germany bei JLL. Die Berater hatten Mitarbeiter von 400 Modeunternehmen befragt. Im Schnitt kommen Investitionen im siebenstelligen Bereich für die Einrichtung der Luxusläden hinzu.

Kommentare (10)

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Peter Stein

30.12.2015, 15:50 Uhr

Warum es Deutschen Luxusmarken schlecht geht? Ist die Frage ernst gemeint?
Wenn ja, hier die Antwort:
-Mit Marken werden bestimmte Emotionen angesprochen. Made in Germany stand in der Vergangenheit für Qualität, hergestellt von Deutschen mit den entsprechenden Tugenden. Bei Made in Italy weiss jeder wie und wer produziert. Optimal sieht es bei Made in Japan aus: Hervorragend ausgebildete Fachkräfte legen alles daran ein hervorragendes Produkt herzustellen. Im Zweifel wird immer länger gearbeitet um die hohen Ansprüche noch zu übertreffen.
UND: Man ist sicher das es von Japanern gefertigt wird!
Bei Made in Germany sieht es hingegen schlecht aus! Selbst in der Vorzeigebranche Automobilindustrie werden nur noch 30% der Wertschöpfung in Deutschland erarbeitet. Über 2/3 kommen vom billigsten Lieferanten aus aller Welt. Und wenn es wirklich in Deutschland gefertigt wurde... wie sehen die Leute aus die am Fliessband stehen.... eben.
Das hat sich bei den Reichen der Welt herumgesprochen! Gekauft wird Qualität mit entsprechendem Ruf. Deutschland ist im internationalen Ranking aber schon abgefallen.

Account gelöscht!

30.12.2015, 15:53 Uhr

Rasant wachsender Niedriglohnsektor, finanzielle Repression in Gestalt von Niedrigzinsen, die die Altervorsorge von Millionen von Menschen ruinieren, Steuer- und Abgabenerhöhungen auf breiter Front und seit vielen Jahren stagnierende Einkünfte der abhängig Beschäftigten und Rentner - das ist die Realität in Deutschland. Wer will sich darüber wundern, daß das Luxuswaren in Schwierigkeiten geraten?

Gewiß gibt es immer noch Menschen, die viel oder auch sehr viel Geld haben, aber es werden prozentual weniger. Der Mittelstand sackt ab, und das Prekariat nimmt zu. Wenn dann noch die große Rechnung aufgemacht wird für die Millionen von Zuwanderern, die unsere sozialen Sicherungssysteme in die Luft sprengen, wird alles noch schlimmer werden. Leute, wenn ihr zu den Normalverdienern gehört, gilt der Rat: "Zieht euch warm an!"

Herr Jürgen Dannenberg

30.12.2015, 16:14 Uhr

Ist Luxus nit gleichzusetzen mit gepflegter Langeweile? Wenn Luxus aber gleichzusetzen ist mit Qualität, dann sieht es hierzulande zum Teil sehr erschreckend aus

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