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17.01.2005

12:32 Uhr

Essener Konzern verfolgt Umbau auf neue Kerngeschäfte

Deutsche Bahn erhält Zuschlag für die Logistik-Sparte der RAG

Im Wettbewerb mit der staatlichen polnischen Güterbahn PKP Cargo hat sich das deutsche Unternehmen nach monatelangem Ringen durchgesetzt. Nun schließt der RAG-Konzern im Zuge der weiteren Konzentration auf die Geschäftsfelder Bergbau, Energie, Spezialchemie und Immobilien auch den Verkauf des Rests der Tochter Rütgers nicht mehr aus.

HB DÜSSELDORF. Die zur Bahn-Tochter Stinnes gehörende Railion Deutschland habe die RAG Bahn und Hafen GmbH sowie die 55-prozentige Beteiligung an der niederländischen DAP Barging BV rückwirkend zum 1. Januar erworben, teilte die RAG am Montag in Essen mit. Über den Kaufpreis wurde nach Angaben einer Unternehmenssprecherin Stillschweigen vereinbart. In Kreisen der RAG war von einer Summe in der Größenordnung von 90 Mill. Euro die Rede. Der Verkauf muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Bahn-Vorstand Bernd Malmström wertete den Zukauf des RAG-Logistikgeschäfts als Stärkung des Schienengüterverkehrs in Deutschland. „Mit dem Erwerb der beiden RAG-Gesellschaften wird die Railion-Gruppe ihre Position in der europaweiten Massengutlogistik ausbauen und das Verhältnis zu einem unserer wichtigsten Kunden vertiefen“, erklärte er.

Die Logistik-Sparte der RAG beschäftigt den Angaben zufolge 950 Mitarbeiter. Mit 110 Loks und 2 300 Waggons transportiert RAG Bahn und Hafen vor allem Rohstoffe wie Kohle und Koks, aber auch Chemieprodukte und Mineralöl.

Polen zogen den Kürzeren

Die Bahn hat mit dem Kauf ein Konsortium um die staatliche polnische Güterbahn PKP Cargo ausgestochen. Unternehmenskreisen zufolge hatte die Deutsche Bahn allerdings von Anfang an die besseren Karten. RAG-Chef Werner Müller sitzt im Aufsichtsrat der Bahn. Um einen Interessenkonflikt zu vermeiden, habe sich der RAG-Chef bei der Abstimmung über das RAG Logistikgeschäft der Stimme enthalten, hieß es im Unternehmen.

Mit dem Verkauf setzt die RAG den Umbau auf die neu definierten Kerngeschäfte fort. Vor diesem Hintergrund erwägt das Unternehmen auch die endgültige Trennung von seinem Chemiegeschäft der Tochter Rütgers, um sich künftig auf die Spezialchemie der Tochter Degussa zu konzentrieren. „Wir prüfen alle Optionen“, kommentierte die RAG-Sprecherin einen Bericht der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Mit Ausnahme des Aromaten-Herstellers Rütgers Chemicals hatte RAG alle anderen Rütgers-Geschäftsbereiche zum Verkauf gestellt und sie inzwischen bereits zum größten Teil abgegeben.

Beim Ausbau der Kerngeschäfte steht der Steinkohleverstromer Steag im Vordergrund. Schon in diesem Jahr soll die Entscheidung über ein neues Steinkohlekraftwerk in Walsum am Niederrhein fallen. Steag hatte ursprünglich ebenfalls auf der Verkaufsliste gestanden. Weil er für diese lukrative Beteiligung aber nicht den erhofften Ertrag bekam, überlegte es sich Konzernchef Müller anders. Nun soll Steag an die „Energiesäule“ im RAG-Konzern in Deutschland werden. Mit 2,2 Mrd. € Umsatz und einem Anteil an der Stromerzeugung von rund acht Prozent rangiert Steag dann auf Platz fünf unter den deutschen Stromerzeugern.

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