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27.04.2016

15:50 Uhr

Etihad

Air-Berlin-Geldgeber mit Gewinnsprung

Die Zahl der Fluggäste von Etihad wächst rasant. Der Air-Berlin-Großaktionär konnte seinen Überschuss im vorigen Jahr so deutlich steigern. Europäischen und amerikanischen Fluglinien ist das ein Dorn im Auge.

Die Konkurrenz wirft Etihad vor, dank staatlicher Unterstützung unfaire Vorteile zu haben. AP

Dorn im Auge

Die Konkurrenz wirft Etihad vor, dank staatlicher Unterstützung unfaire Vorteile zu haben.

Abu Dhabi/DubaiAir-Berlin -Großaktionär Etihad Airways steigert dank schnell wachsender Passagierzahlen den Gewinn. Unter dem Strich habe die Airline aus den Vereinigten Arabischen Emiraten den Überschuss voriges Jahr um gut 40 Prozent auf 103 Millionen Dollar gesteigert, teilte Etihad am Mittwoch in Abu Dhabi mit. Die Zahl der Fluggäste habe um ein Fünftel auf 17,6 Millionen zugenommen.

Im Vergleich zur Lufthansa ist Etihad klein: Mit der Kranich-Linie und ihren Töchtern wie Austrian Airlines oder Swiss flogen vergangenes Jahr 108 Millionen Passagiere.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Europäischen und amerikanischen Fluglinien ist das rasante Wachstum von Etihad oder Emirates aus Dubai ein Dorn im Auge. Sie werfen den Rivalen vom Persischen Golf vor, dank staatlicher Unterstützung unfaire Vorteile zu haben. Die Fluglinien bestreiten das. Etihad besitzt seit fünf Jahren 30 Prozent der Anteile an Air Berlin und hält die chronisch-defizitäre Linie mit direkten und indirekten Hilfen in der Luft. Air Berlin will am Donnerstag die Jahreszahlen vorstellen.

Gleichzeitig baute der dritte im Bunde der schnell expandierenden arabischen Fluglinien Qatar Airways seine Position in Europa aus. Qatar erhöhte den Anteil am IAG -Konzern, hinter dem British Airways und Iberia stehen, auf unter zwölf Prozent von zuvor knapp zehn Prozent hochgeschraubt.

Von

rtr

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