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28.02.2004

19:44 Uhr

EU-Kommission will Rechte der Bahnreisenden stärken

Bahn droht mit kräftiger Erhöhung ihrer Preise

Die EU-Kommission will die Bahnreisenden den Flugpassagieren gleichstellen. Sollten Fahrgäste mehr Rechte haben, sieht sich die Bahn einem Bericht zufolge gezwungen, die Fahrpreise deutlich anzuheben.

HB BERLIN. Die Bahn droht mit einer Erhöhung ihrer Fahrpreise, sollte die EU ihre Pläne zur umfangreichen Stärkung der Fahrgastrechte realisieren. «Wenn Brüssel diese Fahrgastcharta umsetzt, wird es eine erhebliche Verteuerung der Fahrpreise geben», sagte ein Bahnsprecher der «Berliner Zeitung» vom Wochenende. Die möglichen Forderungen würden der Kosten der Bahn «so hoch treiben, dass wir gezwungen sein werden, sie an die Kunden weiterzugeben», sagte Meyer.

Nach den Plänen der EU-Kommission soll es bei Europas Eisenbahnen künftig bei Verspätungen und Unfällen eine Entschädigungspflicht gegenüber den Kunden geben. Einen entsprechenden Gesetzesvorschlag will EU-Verkehrskommissarin Loyola de Palacio am Mittwoch vorstellen. Die Bahnen müssen bei von ihnen verschuldeten Unfällen mit Todesfolge oder Verletzungen danach bis zu 310.000 Euro pro Fahrgast zahlen, heißt es in dem Gesetzesentwurf.

Sollten sich Züge im internationalen Reiseverkehr verspäten oder ganz ausfallen, ist neben der Erstattung des Ticketpreises für alle Folgekosten eine Entschädigung von maximal 1900 Euro je Passagier geplant. Die Höchstsumme gelte für besonders schwerwiegende Folgen, wenn zum Beispiel Anschlussverbindungen oder -flüge verpasst werden. Für beschädigtes oder verloren gegangenes Gepäck sollen die Bahnen mit bis zu 1800 Euro aufkommen.

Schadenersatz soll laut der «Berliner Zeitung» auch bei Verspätungen durch Einfluss Dritter fällig werden - etwa bei Schäden durch Selbstmörder auf Gleisen, durch Autounfälle an Bahnübergängen oder unbegründetes Ziehen der Notbremse. Haftungsausschluss gebe es dagegen bei Unwetter, Naturkatastrophen und Terror.

Die dadurch entstehenden Mehrkosten für die europäische Bahngesellschaften beziffert die EU-Kommission auf ungefähr ein Prozent des Gesamtumsatzes. Ziel der Richtlinie ist es nach Angaben eines Kommissions-Sprechers, den Schienenverkehr an die Wettbewerbsbedingungen anderer Verkehrsträger, insbesondere der Fluglinien, anzupassen.

Im Januar hatten sich die Regierungen der EU-Staaten auf Initiative der Brüsseler Kommission auf die Erweiterung der Passagierrechte im Flugverkehr geeinigt. Fluggäste haben bei Überbuchungen oder starken Verzögerungen danach je nach Flugdistanz Anspruch auf Entschädigung bis zu 600 Euro.

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