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23.05.2013

14:06 Uhr

EU nimmt umstrittene Verordnung zurück

Drinnen doch wieder Olivenöl-Kännchen

VonCarina Kontio

Es ist keine Woche her, da sorgte die EU für Entrüstung, weil ab 2014 keine Olivenöl-Kännchen mehr auf Restaurant-Tischen stehen sollten. Nach heftigen Protesten werden die Pläne gestoppt - und die Karaffen bleiben.

Panschen, Mischen, Täuschen - in vielen Olivenölen steckt nicht das, was dem Verbraucher versprochen wird. gms

Panschen, Mischen, Täuschen - in vielen Olivenölen steckt nicht das, was dem Verbraucher versprochen wird.

DüsseldorfDie EU-Kommission zieht ihre umstrittenen wie skurrilen Pläne zur Reform der sogenannten „Durchführungsverordnung über die Vermarktungsvorschriften für Olivenöl“ nur eine Woche nach der Ankündigung wieder zurück.

Am vergangenen Freitag hatte man in Brüssel entschieden, dass auf den Tischen von Restaurants am 2014 keine Kännchen mit Olivenöl mehr stehen dürfen. Nach der Neuregelung hätten Gastronomiebetriebe nur noch Einwegflaschen anbieten dürfen, die versiegelt und nicht nachfüllbar sind. Es fehlte eigentlich nur noch der Eintrag ins Amtsblatt der Europäischen Union.

Der EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos begründete den Rückzug am Donnerstag in Brüssel mit der heftigen Kritik, die der Vorstoß in den vergangenen Tagen hervorgerufen hatte. Er wolle sich mit Herstellern, Verbraucherschutzorganisationen und der Gastronomie beraten und dann einen neuen Vorschlag machen.

So finden Sie ein gutes Olivenöl

Wahl des Geschäfts

Suchen Sie sich ein Geschäft, in dem Sie Olivenöle vor dem Kauf verkosten können und dessen Personal ein paar grundsätzliche Fragen dazu beantworten kann, wie, wo und von wem sie hergestellt wurden. Olivenölfachgeschäfte und Ölbars gibt es immer mehr – auch bei Feinkostanbietern, auf Märkten und in Supermärkten.

Wahl anderer Anbieter

Wenn Sie das Öl vor dem Kauf nicht kosten können, wählen Sie einen Anbieter mit strikten Qualitätskontrollen bei Produktion und Auswahl. Dazu gehören Olive Press (www.theolivepress.com), Zingerman's (www.zingermans.com), Beyond the Olive (www.beyondtheolive.com) oder Corti Brothers (www.cortibros.biz).

Frisches Öl

Natives Olivenöl wird nicht im Alter besser wie ein guter Wein. Im Gegenteil, es ist leicht verderblich und verliert nach dem Pressen an Geschmack und Aroma. Das passiert noch schneller, wenn das Öl in Flaschen abgefüllt ist. Deshalb sollten Sie so nah am Produzenten (z.B. einer Olivenmühle) wie möglich kaufen und das Öl in sauberen Edelstahlcontainern lagern.

Behälter

Am besten eignet sich als Behälter dunkles Glas – es schützt vor Licht.

Etiketten

Wenn Sie keinen Verkäufer zu rate ziehen können, vertrauen Sie auf das Etikett. Besonders wichtig ist dabei, dass das Öl als „nativ extra“ ausgezeichnet ist. Bei anderen Bezeichnungen wie zum Beispiel „rein“ oder „Olivenöl“ wurde das Öl noch chemisch raffiniert.

Haltbarkeitsdatum

Um der Frische Ihres Öls sicher zu sein, sollten Sie Produkte mit Haltbarkeitsdatum oder gar Erntetermin kaufen. Nach Möglichkeit sollten Sie Öle aus der diesjährigen Ernte bevorzugen. Wenn ein Öl noch zwei Jahre lang haltbar ist, wird es vermutlich noch frisch sein. Aber Vorsicht: Auch beim Haltbarkeitsdatum kann gepfuscht werden. Statt der Ernte wird dann der Tag der Abfüllung als Ursprung gewählt. Kontrollierbar ist das nicht.

Herkunft

Wenn ein Etikett besagt, das Olivenöl sei in Italien verpackt oder abgefüllt worden, heißt das nicht, dass das Öl auch aus Italien stammt. Italien ist einer der größten Importeure von Olivenölen. Eine italienische Flagge auf der Verpackung heißt aber noch nichts. Öle, bei denen der genaue Herstellungsort nicht auf der Packung steht, sollten Sie daher meiden.

Farbe des Öls

Die Farbe des Öls sollte keine Rolle spielen. Ob Grün oder Gold oder Strohgelb – echte native Olivenöle sind nicht an der Farbe, sondern am fruchtigen Geschmack und Geruch zu erkennen.

Typ des Öls

Der Öltyp sollte zum Essen passen. Kräftiges Öl – oft bezeichnet als „robust“, „frühe Ernte“ oder „körperreich“ – sollten Sie dabei für deftige Speisen wie Pfeffersteak, bruschetta oder aromatisches Gemüse verwenden. Mildere Öle mit Auszeichnungen wie „mild“, „zart fruchtig“ oder „späte Ernte“ eignen sich besser für Fisch, Hühnchen oder Kartoffeln.

Preis

Auch, wenn der Preis eine Rolle spielt: Wer ein gutes Öl kaufen will, sollte sich nicht von Schnäppchenpreisen verführen lassen. Echtes natives Olivenöl ist kostspielig, dafür sollten Sie mindestens acht Euro einplanen. Natürlich ist aber auch ein hoher Preis kein Garant für Qualität.

Zertifizierungen

Zertifizierungen auf Etiketten sind nicht immer eine Qualitätsgarantie. Vertrauen kann man aber nationalen und staatlichen Olivenölverbänden wie Australian Olive Association, California Olive Oil Council und Association 3E. Auch die North American Olive Oil Association und der internationale Olivenölrat zertifizieren Olivenöl.

Informationen

Ausführliche Informationen und aktuelle Ressourcen zum Kauf und Genuss guter Öle finden Sie auf www.extravirginity.com.

Dienen sollte die Entscheidung eigentlich dem Schutz der Konsumenten: Damit werde sichergestellt, dass der Restaurantkunde kein minderwertiges Öl angedreht bekomme, hieß es vor einer Woche. Merkwürdig war allerdings die auch Tatsache, dass es für ebenfalls auf Gasthaustischen zu findende Essigkaraffen, Tabascoflaschen oder Salzstreuer keine Regelung geben sollte.

Die Hauptgeschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) war jedenfalls außer sich. „Wir haben kein Verständnis für diese Regelungswut“, sagte Ingrid Hartges im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Das ist eine Lachnummer. Als ob es in der EU nichts Wichtigeres zu tun geben würde.“

Vor allem das Argument mit dem Verbraucherschutz hielt sie für fadenscheinig. „Uns sind keinerlei Missstände bekannt bei Olivenöl.“ Selbst wenn das der Fall wäre, dürfe man nicht die Gastronomie dafür bestrafen. „Da muss man die Olivenölproduzenten- und Händler härter an die Leine nehmen. Es ist besser, das regelt jedes Land für sich alleine. Die EU soll sich lieber um wichtigere Dinge kümmern.“

Kommentare (21)

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pizzarro53

23.05.2013, 13:13 Uhr

Leider auch wieder viele Halbwahrheiten. Wer wirlich etwas lernen will, möge bitte nachsehen au f
artefakten.net oder hier
http://www.olidivini.de/Was-ist-ein-gutes-Olivenoel:_:31.html

"Extra nativ" sagt leider nichts über die Qualität, 80% aller "extra nativen" Öle sind Schund, da von der EU-Verordnung lediglich verlangt wird, dass das Öl unter 1% freier Ölsäure aufweisen muss. Dazu bite auch das Olivenölkompendium auf der Seite von MERUM anfordern.

Account gelöscht!

23.05.2013, 13:22 Uhr

In Italien ist diese Regel schon seit vielen Jahren in Kraft - nur noch Markenflaschen auf dem Tisch. Was machen die Betrüger, derentwegen man diese Regel einst aufstellte? Sie füllen einfach ihr billiges Öl in leere Flaschen teuren Markenöls statt in Karaffen um. Wirklich bestraft sind nur die ehrlichen Gastronomen.

Account gelöscht!

23.05.2013, 13:27 Uhr

Was soll dieser Olivenöl EU-Quatsch. Das ist doch nur eine Blendgranate zur Täuschung der EU-Bürger. Ganz Europa sieht nun wieder, wie großzügig das EU Regime auf des Volkes Stimme hört; geht ja immerhin um Ölivenöl, welches eventuell minderwertig sein könnte. Wie besorgt Brüssel um seine Geldgeber ist. Ganz davon abgesehen, dass der Restaurantbesucher sicherlich selber entscheiden kann, ob das Olivenöl gut oder schlecht für seinen Salat ist und eine solche Bevormundung dieser Bürokraten ganz bestimmt nicht braucht, frage ich mich: "HABEN DIE IN BRÜSSEL KEINE ANDEREN SORGEN ALS OLIVENÖL" ??

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