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28.09.2011

08:16 Uhr

EU-Pläne in der Kritik

Proteststurm der Wirtschaftsprüfer zeigt Wirkung

Die großen Wirtschaftsprüfer gehen auf die Barrikaden: Ihnen gehen die Pläne der EU-Kommission deutlich zu weit. Doch nicht nur ihnen. Auch Abgeordnete aus dem EU-Parlament üben deutliche Kritik.

Wirtschaftsprüfer finden in den Plänen der EU-Kommission viele Fehler. Picture Press/Illustration Sourc

Wirtschaftsprüfer finden in den Plänen der EU-Kommission viele Fehler.

Brüssel, Frankfurt, DüsseldorfDer klassische Eindruck von einem Wirtschaftsprüfer ist ja eher nicht so, dass ihm regelmäßig vor Wut der Kragen platzt. Aber in diesen Tagen hört man doch sehr deutlich, bisweilen vor Wut strotzende Aussagen aus der hochseriösen Branche.

Binnenmarktkommissar Michel Barnier will den Wirtschaftsprüfern unter anderem verbieten, auch in der Unternehmensberatung tätig zu sein. Viele Prüfer empfinden die Fesseln, die ihnen ans Bein gebunden werden sollen, als zu streng: "Die EU-Kommission geht mit ihren Gesetzesvorschlägen zu weit, da sie alle Argumente aus vorangegangenen Diskussionen mit der Wirtschaft, den Prüfern und den Parlamentariern unberücksichtigt lässt", wettert Norbert Winkeljohann, Deutschlandchef von Pricewaterhouse Coopers (PwC). Experten gehen davon aus, dass das EU-Parlament die Pläne so nicht akzeptieren wird.

Wirtschaftsprüfer unter Druck

„The Big Four“

„The Big Four“ werden sie genannt, die vier großen Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmen, wie man sie exakt bezeichnet. Nun will die EU ihre Macht beschränken. Die vier großen Wirtschaftsprüfer beschäftigen allein in Deutschland über 30.000 Mitarbeiter.

PwC

Pricewaterhouse Coopers ist in Deutschland Marktführer. 1,34 Milliarden Euro macht der US-Konzern 2010 hierzulande an Umsatz – und das mit 8.637 Mitarbeitern.

PwC

PwC wurde 1848 in London gegründet, hat heute aber seinen Hauptsitz in New York. 2010 machte der Konzern weltweit einen Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar und beschäftigte rund 160.000 Mitarbeiter.

KPMG

Auf Rang zwei liegt in Deutschland KPMG mit einem Umsatz von 1,19 Milliarden Euro. 8.270 Mitarbeiter beschäftigt KPMG hierzulande.

KPMG

KMPGs Sitz ist in der Schweiz, die Hauptverwaltung liegt allerdings im kanadischen Toronto. Weltweit gesehen liegt der Konzern mit 140.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 20,6 Milliarden Dollar auf Rang drei.

Ernst & Young

Denn Ernst & Young ist mit einem Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar etwas größer. Die Mitarbeiterzahl liegt mit 141.000 praktisch gleichauf mit dem Konkurrenten KPMG. Ernst & Young hat seinen Hauptsitz in New York.

Ernst & Young

In Deutschland macht Ernst & Young einen Umsatz von 1,06 Milliarden Euro und liegt damit auf dem dritten Platz. 6.776 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen hierzulande.

Deloitte

Die Nummer vier folgt mit einigem Abstand: Deloitte kommt in Deutschland „nur“ auf einen Umsatz von 577 Millionen Euro und beschäftigt 4.602 Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wollte Deloitte Roland Berger kaufen, um das Beratungsgeschäft auszubauen. Aber der Deal scheitere am Widerstand der Berger-Partner.

Deloitte

Im weltweiten Vergleich ist Deloitte aber die Nummer zwei mit einem Umsatz von 26,6 Milliarden Dollar. 170.000 Mitarbeiter beschäftigt das US-Unternehmen.

BDO

Auf Platz fünf liegt in Deutschland BDO. Doch der Abstand ist enorm: BDO macht hierzulande einen Umsatz von 180 Millionen Euro.

Rödl & Partner

Auf Rang sechs folgt Rödl & Partner mit einem Umsatz von 135,5 Millionen Euro. Immerbin sind das acht Prozent mehr als 2009.

Ecovis

Ecovis konnte zulegen, und zwar um rund vier Prozent und kommt nun auf einen Umsatz von 107 Millionen Euro.

Ebner Stolz Mönning Bachem

Langer Name, großer Zuwachs: Ebner Stolz Mönning Bachem hat seinen Umsatz im Jahr 2010 um über zwölf Prozent auf 106 Millionen Euro gesteigert.

Rölfs

Auf Platz neun liegt Rölfs mit einem Deutschland-Umsatz von 84 Millionen Euro. Das bedeutet ein Minus von sieben Prozent im Vergleich zu 2009.

PKF Fasselt Schlage

In die Top Ten hat es auch PKF Fasselt Schlage. Das Unternehmen kommt in Deutschland auf einen Umsatz von 56 Millionen Euro.

Auch das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) nimmt die Pläne mit Unverständnis zur Kenntnis: "Es geht dem Kommissar augenscheinlich nicht mehr darum, die Abschlussprüfung auf der Grundlage der Erfahrungen der Finanzkrise qualitativ weiterzuentwickeln, sondern den Prüfungsmarkt nach seinen Vorstellungen und auf Kosten der prüfungspflichtigen Unternehmen umzugestalten", kritisiert IDW-Chef Klaus-Peter Naumann. Die Vorschläge griffen ohne ausreichende Rechtfertigung in die Autonomie der Gesellschaften ein.

Kommentare (18)

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Prueferle

28.09.2011, 08:45 Uhr

Es wundert nicht, dass das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) die Pläne der Politik kritisiert.

In Fachkreisen ist es ein offenes Geheimnis, dass das IdW sehr stark von den Big-Four-Gesellschaften dominiert wird und von Ihnen finanziell abhängig ist. Aus Kreisen der Wirtschaftsprüfer wird deshalb kritisiert, dass das IdW sich in erster Linie zu einem Lobby-Verein der BigFour gewandelt hat.

Es wird berichtet, dass die vier großen Gesellschaften im politischen Raum massiv Lobbyarbeit betreiben, um ihr Oligopol zu sichern. Das IdW sei wohl kaum noch ein Berufsverband der Deutschen Wirtschaftsprüfer sondern eine Interessensvertretung der BigFour.

Interessante Einblicke in dieses Thema bieten die Broschüre WP-Magazin 2011 des neuen deutschen Wirtschaftsprüfer-Verbandes oder die regelmäßigen Newsletter von Herrn WP Hildebrandt. Insbesondere diese Newsletter - auch die alten Ausgaben sind noch einsehbar - vermitteln interessante Einblicke in die reale Welt der Wirtschaftsprüfer.



http://wp.net-verband.de/index.php/downloads/wp-magazin-2011

http://primus-fachseminare.de/default5.php?lang=0&rubrick=114138683916&fnum=114138684446

pendler

28.09.2011, 08:55 Uhr

Nur ein Narr glaubt daran, dass es noch objektive Informationen gibt. ALLE Medien sind mehr oder minder gekauft und wehe dem Journalisten,d er es bei brisanten Themen wagen, eine ungeliebte Wahrheit zu berichten.

Lustig finde iche s schon, wenn der aufgeklärete und bewußte Bürger möglichst vieel verschiedne Zeitschriften und Infoquellen nutzt, nur um sich eine objektive Meinung zu bilden.

1. kommt es eh alles aus einer zentsierten Quelle udn wir nur "eingefärbt". Egal ob BILD ider FAZ, inhaltlich sind sie gleich.

2. was hat man von dem Wissen um die Zusammenhänge??? Ändern kann man als Bürger eh nix dran. Schade um die abgelaufenen schuhsohlen, wenn man zur Wahl läuft.

Attention

28.09.2011, 09:09 Uhr

Ein großes Problem – und letztendlich Auslöser der Finanzkrise – ist die Manipulation der Finanzmärkte durch Analysten und (interessierte) Wirtschaftsprüfer. Who analyzes the analysts?

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