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02.08.2013

16:00 Uhr

Europas Airlines

Ruhe im Sturm

VonLukas Bay

Lufthansa, Air France und British Airways rüsten sich mit Sparprogrammen für den Wettbewerb mit den arabischen Airlines. Trotz massiver Gewinneinbrüche geben die neuesten Quartalszahlen aber Anlass zur Hoffnung.

Lufthansa-Maschine: Bald nicht mehr in der Luft, sondern am Boden. dpa

Lufthansa-Maschine: Bald nicht mehr in der Luft, sondern am Boden.

DüsseldorfChristoph Franz will sich den Optimismus nicht nehmen lassen. „Mitarbeiter und Management leisten viel und sehen die Fortschritte“, kommentierte der Lufthansa-Chef den Einbruch des operativen Ergebnisses im zweiten Quartal um 27 Prozent auf 431 Millionen Euro. Die Lufthansa-Aktionäre sahen das am Morgen anders. Zeitweise sackte die Aktie über fünf Prozent ab. Den Aktionären gehen die Fortschritte offenbar nicht schnell genug.

Der größte Umbau in der Geschichte der führenden deutschen Airline hat Spuren in der Bilanz hinterlassen. Ein genauer Blick gibt allerdings Anlass zur Hoffnung. Ohne Sondereffekte wäre das operative Ergebnis der Lufthansa im zweiten Quartal nämlich um gut 60 Prozent gestiegen. Denn im Vorjahresquartal hatte der Verkauf der britischen Tochter BMI und die Umstellung des Flugbetriebs von Austrian auf die Billigtochter Tyrolean einmalig rund 300 Millionen Euro in die Kassen gespült.

Bei Konkurrent International Airlines Group (IAG), dem Mutterkonzern von British Airways und der spanischen Iberia, zeigt der Sparkurs hingegen bereits Wirkung: Dank erster Sanierungserfolge bei der zuletzt mit hohen Verlusten kämpfenden Tochter Iberia konnte die Airline-Gruppe im zweiten Quartal einen überraschend hohen operativen Gewinn von 245 Millionen Euro ausweisen. Vor einem Jahr hatte IAG noch einen Verlust von vier Millionen Euro verbucht. „Dies ist der erste Schritt der Restrukturierung, aber er trägt bereits Früchte, der Verlust wird eingedämmt“, teilte IAG mit. Die Gruppe hat bereits rund 700 Millionen Euro in die Sanierung der spanischen Tochter gesteckt.

Die größten Fluggesellschaften der Welt

Platz 10

US Airways (USA) - 66 Millionen Passagiere

Durch die Fusion mit American Airlines steigt die Fluggesellschaft ab Herbst 2013 zur größten der Welt auf. Im vergangenen Jahr schaffte die Airline nur knapp den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

China Eastern Airlines (China) - 73 Millionen Passagiere

Mitte 2011 wurde die chinesische Airline ins SkyTeam aufgenommen. Die 285 Flugzeuge steuern im wesentlichen Ziele im Inland an, aber auch Flughäfen in Nordamerika, Europa und Australien. Größter Anteilseigner der Fluggesellschaft ist die chinesische Regierung.

Platz 8

Air France-KLM (Frankreich) - 77 Millionen Passagiere

Die Franzosen leiden unter dem schwachen Geschäft in Europa. Billig-Airlines und Kerosinpreise verhageln das Geschäft. Darum wurde zuletzt sogar eine Kooperation mit dem aufstrebenden arabischen Konkurrenten Etihad eingegangen, um der Lufthansa ihren Spitzenplatz abzujagen.

Platz 7

Ryanair (Irland) - 79 Millionen Passagiere

Ryanair-Chef Michael O'Leary ist berühmt für seine ausgeflippten Auftritte. Durch seine Billigstrategie sind die Iren mittlerweile die größte Fluggesellschaft Europas. Zuletzt wollten die Iren erneut den heimischen Konkurrenten Aer Lingus übernehmen.

Platz 6

China Southern Airlines (China) - 87 Millionen Passagiere

Asiens größte Fluggesellschaft verfügt über eine Flotte von 360 Maschinen - darunter auch ein Airbus A380. Damit soll die Expansion noch lange nicht abgeschlossen sein, die Flotte soll in den kommenden Jahren um 121 Flugzeuge ausgebaut werden.

Platz 5

Lufthansa (Deutschland) - 103 Millionen Passagiere

Die größte deutsche Fluggesellschaft macht rund 75 Prozent ihrer Umsätze im Passagiergeschäft. Besonders das Geschäft in Europa sorgte zuletzt aber für Millionenverluste. Viele europäische Strecken wurden darum auf die Billigtochter Germanwings umgestellt.

Platz 4

American Airlines (USA) - 108 Millionen Passagiere

Ende 2011 musste die Fluggesellschaft noch Insolvenz anmelden - bald könnte sie durch die Fusion mit US Airways zur größten der Welt aufsteigen.

Platz 3

Southwest Airlines (USA) - 109 Millionen Passagiere

Die bunten Texaner sind die größte Inlandsfluggesellschaft der Welt. Nachdem die Passagierzahl in der Finanzkrise zuletzt heftig gesunken war, erreichte sie 2012 wieder ein Rekordniveau weit über der 100-Millionen-Marke.

Platz 2

United Continental (USA) - 140 Millionen Passagiere

Die Airline aus Chicago verpasst den Spitzenplatz nur knapp. Als Mitglied der Star Alliance ist United auch ein wichtiger Partner der Lufthansa.

Platz 1

Delta Airlines (USA) - 165 Millionen Passagiere

Die Amerikaner sind noch die größte Fluggesellschaft der Welt - müssen ihren Titel aber bald abgeben. Durch die Fusion von American Airlines und US Airways dürfte Delta als größte Fluggesellschaft abgelöst werden. 752 Flugzeuge gehören zur Flotte, weitere 125 sind bestellt.

Offen bleibt, ob die Anstrengungen der europäischen Airlines ausreichen, um sich aus einem Dilemma zu befreien: In Europa drücken Billig-Airlines wie Ryanair und Easyjet die Preise und damit die Rendite. Auf der lukrativen Langstrecke greifen arabische Airlines wie Etihad und Emirates mit massiven Investitionen nach der Weltspitze – und strecken mittlerweile auch ihre Fühler nach Europa aus.

Die Araber halten gleich drei Trümpfe in ihren Händen: Zunächst haben die Fluggesellschaften im Vergleich deutlich jüngeren Flotten – und sind damit attraktiver für die Kunden. Während Air France (Flottenalter im Schnitt: 10,2 Jahre), IAG (13,4 Jahre) und Lufthansa (12,6 Jahre) sparen, haben die arabischen Airlines Emirates (6,4 Jahre) und Etihad (5,1 Jahre) massiv investiert. 

Zudem verfolgen die Anteilseigner der Araber in erster Linie politische und zunächst keine wirtschaftlichen Ziele. Statt nervöser Aktionäre stehen hinter den arabischen Airlines die neureichen Emirate Abu Dhabi, Dubai und Katar, die mit ihren Ölmilliarden das internationale Zentrum der Luftfahrt in den mittleren Osten verlegen wollen. Außerdem haben die Araber Zugang zu billigem Treibstoff und günstigen Arbeitskräften an ihren Heimatflughäfen.

Kommentare (11)

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pool

02.08.2013, 16:19 Uhr

Was Kohl gesagt haben soll und was er getan hat, sind zwei paar Schuhe. Vor allem die Ratifizierung des Schengener Abkommens hat zur Völkerwanderung nach Deutschland geführt. Schilys Asylgesetze haben dem Ganzen noch eins drauf gesetzt. Europa, das ist ein Sieb. Die andere Frage ist, ob dieses vermeintliche Geheimprotokoll nicht eine Erfindung ist, um politischen Zwecken zu dienen. Denn unter seiner Regierung hat die Zuwanderung der Türken erst richtig Fahrt aufgenommen. (...)
(...)

Araber, Rumänen, Italiener, Polen, Chinesen, Afrikaner - die sind den Deutschen kulturell viel fremder als die Türken. Man kann gegen Zuwanderung sein und trotzdem erkennen, dass die Deutschen mit den Türken am besten klar kommen. Es geht aber nicht ums klar kommen. Man kann auch mit seinem Nachbarn klarkommen, trotzdem zieht man deshalb nicht mit ihm zusammen.
Türken sind übrigens Asiaten.

(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Deutsche-BC

02.08.2013, 16:39 Uhr

Einen Einblick in das Einsparprogramm "Score" der LH bietet dieser Artikel: https://www.deutsche-bc.com/index.php/de/presse/news-2013

Sehr interessant und für uns spannend zu sehen, wie die Maßnahmen tatsächlich durchgeführt werden.

Zu hoffen ist, dass die erhofften Ergebnisse dann auch im Interesse der Mitarbeiter, der Führungskräfte und der Aktionäre eintreffen.

Vielflieger

02.08.2013, 16:52 Uhr

Ihre Aussage zu den Gehältern ist unvollständig.

In Deutschland ist ein Angestellter kranken-, renten- und unfallversichert. In anderen Ländern muss das "extra" bezahlt werden.

Ein Pilot bei der LH muss seine Ausbildung nur teileweise bezahlen. Im Falle der Berufsunfähigkeit ist er abgesichert.

Ich bin Aktionär der LH. Dann muss man hat mal ein paar Jahre auf Gewinne verzichten. Aktionäre als "gierig" dazustellen, ist out. Macht Amazon Gewinn oder warum ist der Kurs so hoch...

Klar, die überbezahlte Kraft am Empfang der Lounge brauche ich bei LH nicht. Die Arbeit machen die "Fremdfirmen" in der Lounge. Klar, die ständige Entwertung von versprochenen Privilegien brauche ich auch nicht. Oder klage ich sofort bei einer Kleinigkeit.....

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