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25.10.2015

08:15 Uhr

Eurowings statt Germanwings

Lufthansa startet das große Experiment

VonJens Koenen

Mit Beginn des Winterflugplans hat Eurowings das Geschäft von Germanwings übernommen. Carsten Spohr will die Tochter zu einer tragenden Säule der Lufthansa machen. Doch die Herausforderungen sind groß.

Billig sein, ohne die Topkunden zu verschrecken. Imago

Eurowings in der Luft

Billig sein, ohne die Topkunden zu verschrecken.

FrankfurtEs ist wohl nur ein Zufall, kein schlechtes Omen. Am Dienstag dieser Woche verlor ein Airbus A330 von Germanwings beim Flug von Köln nach Mallorca eine Triebwerksabdeckung. Zwar habe laut Airline keine Gefahr für die Passagiere bestanden. Die Maschine landete ohne Probleme auf der spanischen Insel. Doch das Flugzeug ist ausgerechnet eines der ersten, das in wenigen Tagen für die neue Billigplattform Eurowings starten sollen. An Bord befanden sich bereits Piloten von Sunexpress, dem Partner für die geplanten Langstrecken-Flüge von Eurowings.

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Der Lufthanseat stieg mit Konzernchef Spohr auf – und muss Eurowings zum Fliegen bringen. Der Plan ist tollkühn: Mit einer Flotte von 100 Flugzeugen soll er es unter die ersten drei Billig-Airlines in Europa schaffen.

Doch auch der unruhige Auftakt wird an der Überzeugung von Carsten Spohr nicht rütteln. Trotz des teils heftigen Widerstands der eigenen Piloten ist der Lufthansa-Chef fest davon überzeugt, dass die nach Passagieren und Umsatz größte europäische Fluggesellschaft nur mit einer eigenen Billigplattform gegen Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet und Golf-Carrier wie Emirates, Etihad oder Qatar bestehen kann.

Seit Sonntag soll nun seine „Antwort“ auf die Rivalen endgültig durchstarten. Zwar ist eine A330-200 bereits seit Mitte Oktober für Eurowings im Langstreckeneinsatz. Doch mit Beginn des Winterflugplans am 25. Oktober geht das gesamte Geschäft der bisherigen Billigtochter Germanwings komplett auf Eurowings über.

Es ist der Beginn eines großen Experiments. Mit einer Flotte von rund 100 Flugzeugen soll Eurowings auf Dauer zu einer der führenden Billig-Airlines in Europa werden und gleichzeitig zur zweiten tragenden Säule neben der klassischen „Hansa“. Das Billigkonzept soll dabei nicht nur für Kurz- und Mittelstreckenflüge genutzt werden, sondern auch für die Langstrecke zu touristischen Zielen. 

Die Tarifbaustellen der Lufthansa

Es ist kompliziert

Die Lufthansa führt mit mehreren Gewerkschaften getrennte Tarifverhandlungen für unterschiedliche Berufsgruppen. Das komplizierteste Thema sind die vom Unternehmen zum Jahresende 2013 gekündigten Betriebs- und Übergangsrenten. Lufthansa will künftig nur noch feste Arbeitgeberbeiträge zahlen, aber nicht mehr für die endgültige Rentenhöhe garantieren.

Piloten

Im Tarifstreit der rund 5400 Piloten im Lufthansa-Konzerntarifvertrag (KTV) geht es nicht nur um Gehalt oder Betriebsrenten, wenn letztere auch der offizielle Anlass für bislang 13 Streikrunden waren. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) will den ungebremsten Ausbau der Lufthansa-Billigschiene „Eurowings“ verhindern, unter deren Dach etliche Fluggesellschaften mit weit geringer bezahlten Piloten agieren können.

Bodenpersonal

Die Gewerkschaft Verdi hatte zum Verhandlungsauftakt für rund 33.000 Bodenbeschäftigte der Lufthansa versucht, das Rententhema herauszuhalten. Nach vier Runden will die Airline aber immer noch die Gehaltsverhandlungen mit der Frage künftiger Betriebsrenten verknüpfen. Die Parteien haben sich bis Ende September vertagt und wollen die Rentenfrage in Arbeitsgruppen besprechen. Von Streiks war noch nicht die Rede.

Flugbegleiter

Die Kabinengewerkschaft Ufo war nach der gescheiterten Schlichtung zu den Rentenfragen schon bereit zu einem Streik, der Ende Juni erst in letzter Minute abgesagt wurde. Lufthansa hatte ihr Angebot zur Neuregelung der Betriebsrenten von rund 19.000 Flugbegleitern der Kernmarke Lufthansa aufgestockt. Anders als Cockpit ist Ufo zu einem Systemwechsel bei den Renten bereit und lehnt auch den geplanten Unternehmensumbau nicht kategorisch ab. Für die Gespräche hat man sich bis zum 1. November Zeit genommen.

Quelle: dpa

Dazu hat Lufthansa eine Kooperation mit Sunexpress Deutschland geschlossen, einem Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines. Der Partner stellt die Crews für die Langstrecke.

Vor allem die Fernverbindungen sind eine Art Wette. Bislang hat es weltweit noch keine Fluggesellschaft geschafft, das Billig-Konzept erfolgreich auf die Langstrecke zu übertragen.

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