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27.10.2016

12:00 Uhr

Eurowings und Germanwings

Lufthansa prüft rechtliche Schritte gegen Streik

Hunderte Flüge gestrichen, fast 40.000 betroffene Passagiere. Der 24-Stunden-Streik der Gewerkschaft Ufo hat die Fluglinie Eurowings kalt erwischt. Das Klima ist frostig, die Lufthansa prüft nun rechtliche Schritte.

Eurowings und Germanwings

Zwischen Verständnis und Verärgerung: 380 Flüge gestrichen

Eurowings und Germanwings: Zwischen Verständnis und Verärgerung: 380 Flüge gestrichen

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Köln/Düsseldorf Der Streik beim Billigflieger Eurowings hat am Donnerstag einen großen Teil des Flugbetriebs der Lufthansa-Tochter lahmgelegt. Nach Angaben der Airline fielen nahezu alle innerdeutschen Flüge aus. Auch im Europa-Verkehr sollte es erhebliche Behinderungen geben. Insgesamt wurden 393 von 551 geplanten Eurowings-Flügen vor allem in Düsseldorf, Köln/Bonn, Stuttgart, Hamburg und Berlin gestrichen.

Von den insgesamt betroffenen knapp 40.000 Passagieren seien allerdings fast alle noch in der Nacht rechtzeitig informiert worden, sagte der Eurowings-Sprecher. Nur etwa 1000 seien am Vormittag noch zu den Flughäfen gekommen, um auf andere Linien oder die Bahn umzubuchen. Grund ist ein ganztägiger Streik der Kabinengewerkschaft Ufo bei den Teilgesellschaften Eurowings GmbH und der größeren Germanwings. Sie betreiben zusammen 81 der insgesamt 92 Flugzeuge, die unter dem Markennamen Eurowings beworben werden.

Streiks bei Eurowings: Der Schachzug des Nicoley Baublies

Streiks bei Eurowings

Der Schachzug des Nicoley Baublies

Das Kabinenpersonal von Eurowings streikt am Donnerstag ganztägig. Die Ausweitung des Streiks auf Germanwings ist ein taktischer Schachzug der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo, der die gesamte Lufthansa-Tochter lähmt.

Die Lufthansa-Tochter prüft wegen des 24-Stunden-Streiks auch den Gang zum Arbeitsgericht. „Wir werden jetzt juristisch untersuchen, wer für diesen Streik die Verantwortung trägt und behalten uns entsprechende rechtliche Schritte vor“, sagte ein Eurowings-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Der Streik sei unverhältnismäßig.

Ufo habe einen scheinbaren Konflikt um Teilzeitmodelle genutzt, um neben der kleineren Eurowings GmbH (23 Jets) auch die größere Teilgesellschaft Germanwings (58 Maschinen) „über Nacht und ohne jede Vorwarnung streikfähig zu machen“, sagte der Sprecher. In der Praxis würden aber fast alle Teilzeitwünsche von Mitarbeitern ohnehin erfüllt. Ende 2015 hatte die Eurowings-Mutter Lufthansa vor dem Arbeitsgericht einen Flugbegleiter-Streik teilweise stoppen können. Das Gericht hatte die Streikmaßnahmen vorübergehend untersagt - in dem Fall, weil die Tarifziele nicht klar benannt waren.

Rechte von Fluggästen bei Streiks

Ansprechpartner/Informationsquellen

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch der jeweilige Flughafen bietet auf seiner Internetseite ausführliche Informationen über die aktuellen Abflug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Stornierung, Umbuchung, Umsteigen

Einen streikbedingt gestrichenen Flug kann der Kunde stornieren, er bekommt dann sein Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will, hat Anspruch auf einen späteren Flug. Das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist – und auch länger, da ein Rückstau entstehen kann. Bei langen Ausständen muss die Fluggesellschaft eine Ersatzbeförderung organisieren, zum Beispiel mit der Bahn oder Bussen.

Verspätung

Verspätet sich der Flug wegen des Streiks, stehen Betroffenen bestimmte Leistungen zu. Bei einer Flugstrecke bis 1500 Kilometer haben die Passagiere ab einer Verspätung von zwei Stunden Anspruch auf Leistungen wie Telefonate, Getränke und Mahlzeiten. Ist der Flug zwischen 1500 und 3500 Kilometer lang, greift die Vorschrift ab einer Verspätung von drei Stunden, bei Langstreckenflügen ab vier Stunden. Auch eine Übernachtung im Hotel muss ggf. bezahlt werden. Ist eine Verspätung absehbar, sollten Passagiere trotzdem zur ursprünglichen Abflugzeit am Flughafen sein, da der Reisende sonst möglicherweise einen kurzfristig organisierten Ersatzflug verpasst.

Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro – aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks, wie zum Beispiel auch miserables Wetter, als außergewöhnlichen Umstand. Eine Entschädigung gibt es daher nicht.

Ufo-Vorstand Nicoley Baublies reagierte gelassen auf die Ankündigung. Die Arbeitsgerichte hätten ständig mit solchen einstweiligen Verfügungen zu tun, sagte er dem SWR: „Das machen Arbeitgeber heutzutage leider standardmäßig, statt sich inhaltlich auseinanderzusetzen.“ Ufo sei gut vorbereitet, „wir haben uns nichts vorzuwerfen“. Im ZDF verteidigte Baublies den Streik. „Am Ende stehen bei beiden die gleichen Ziele und das gleiche Management dahinter“, sagte Baublies. Sollte die Fluggesellschaft kein Entgegenkommen zeigen, könne es zu weiteren Streiks kommen.

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