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01.12.2014

17:28 Uhr

EVG-Chef Kirchner

„Bahn zwingt uns in ein Verhandlungskorsett“

ExklusivEVG-Chef Alexander Kirchner wirft der Bahn vor, seine Eisenbahnergewerkschaft unter dem Druck der GDL in ein Verhandlungskorsett zu zwingen, dass nicht passe. Im schlimmsten Fall stehen auch hier die Zeichen auf Streik.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner. dpa

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Alexander Kirchner.

DüsseldorfDer Vorsitzende der großen Eisenbahnergewerkschaft EVG, Alexander Kirchner, wirft der Deutschen Bahn vor, vor den Lokführergewerkschaft GDL einzuknicken und die EVG bei den laufenden Tarifverhandlungen „in ein Korsett zu zwingen, das uns nicht passt.“

Wie Kirchner in einem Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe) weiter sagte, sei die EVG zwar grundsätzlich bereit, „Macht mit der GDL fair zu teilen“. Wenn sich aber die GDL Kooperationen verweigere und der Arbeitgeber Bahn auch noch diesem Druck nachgebe, dann bleibe auch der EVG nichts anderes übrig, als zu streiken. Die Lokführer haben bereits mehrfach in diesem Jahr die Arbeit niedergelegt.

Die EVG vertritt bisher alle anderen Berufsgruppen bei der Deutschen Bahn. In der laufenden Tarifrunde ist diese Aufteilung zwischen den Gewerkschaften allerdings umstritten. Die GDL will nun auch für das restliche Zugpersonal Tarifverträge aushandeln.

Wer fordert was im Bahn-Tarifkonflikt?

GDL

Die Lokführergewerkschaft fordert unter anderem fünf Prozent mehr Geld für das Zugpersonal für zwölf Monate und eine von 39 auf 37 Stunden reduzierte Wochenarbeitszeit ab Januar 2015. Der Knackpunkt: Die GDL will für ihre Mitglieder beim gesamten Zugpersonal verhandeln, nicht nur für die Lokführer unter ihnen. Die Zugbegleiter werden aber auch von der EVG vertreten, die bislang in diesem Bereich alleine die Tarifverträge ausgehandelt hat.

EVG

Die Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft fordert für ihre 100.000 Mitglieder bei der Bahn sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro mehr im Monat. Die EVG pocht darauf, dass es keine konkurrierenden Tarifregelungen für eine Berufsgruppe gibt.

Deutsche Bahn

Sie bietet den Lokführer 2,1 Prozent mehr Geld ab 1. Dezember 2014, dann 1,5 Prozent im Juli 2015 und 1,4 Prozent im Juli 2016. Außerdem soll es für die fünf Monate nach Auslaufen des bisherigen Tarifvertrags im Juni 2014 einen Einmalbetrag von 325 Euro geben. Der EVG hat sie bislang kein Angebot unterbreitet. Die Bahn will ebenfalls verschiedene Regelungen für eine Berufsgruppe vermeiden.

An diesem Mittwoch will die Tarifkommission der EVG darüber entscheiden, ob sie am 12. Dezember mit der Bahn weiterverhandelt oder ob nun auch die EVG-Mitglieder in den Ausstand treten. Kirchner betonte zwar, dass seine Gewerkschaft nicht um die Macht bei der Bahn streiken würde, sondern „für Forderungen nach besserer Bezahlung und einer sozialen Komponente“.

Der EVG-Vorsitzende wehrt sich aber dagegen, dass einzelne Berufsgruppen ihre Interessen durchsetzen. Dann würden auf Dauer nicht einmal mehr große Gewerkschaften wie Verdi oder IG Metall in der Lage sein, „in Krisenzeiten mit Tarifpolitik Beschäftigungssicherung zu gestalten“.

Von

fo

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