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07.04.2016

13:23 Uhr

Ex-Bahnchef rechnet ab

Mehdorn attackiert Bahn-Politik

VonThomas Tuma

Vor einem Jahr hat sich Hartmut Mehdorn in den Ruhestand verabschiedet, jetzt rechnet der frühere Bahn-Chef ab – mit der Regierung, mit Nieten in Nadelstreifen, Frauenquoten und seinem fast tödlichen Absturz.

Vor einem Jahr hat sich der Ex-Bahnchef in den Ruhestand verabschiedet. Doch sein Berufsleben lässt ihn nicht los. Andreas Chudowski für Handelsblatt Magazin

Hartmut Mehdorn

Vor einem Jahr hat sich der Ex-Bahnchef in den Ruhestand verabschiedet. Doch sein Berufsleben lässt ihn nicht los.

DüsseldorfAls er selbst noch Bahn-Chef war, legte sich Hartmut Mehdorn mit so ziemlich allen an, die seine Strategie kritisierten. Damals sollte der Top-Manager den Schienen-Konzern reif für die Börse machen, scheiterte aber 2008 kurz vor dem Ziel – auch weil dann die Finanzkrise ausbrach.

Doch die Bahn lässt ihn nicht los: Das Thema Privatisierung sei hier zu Lande mittlerweile „ein Tabu geworden. Da schalten alle den Verstand aus, sobald nur der Begriff fällt. Den ursprünglichen Auftrag der Bahn-Reform kennt heute keiner mehr“, klagt er im Interview mit dem am Freitag erscheinenden Handelsblatt Magazin, in dem Mehdorn nicht nur mit der aktuellen Bahn-Politik der Regierung abrechnet.

Vor einem Jahr hat der Manager sich in den Ruhestand verabschiedet – nach letzten CEO-Posten bei Air Berlin und schließlich beim Berliner Pannen-Flughafen BER. Doch die Bahn, die er ein Jahrzehnt lang geführt hat, lässt den 73-Jährigen nicht los.

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„Die Bahnhöfe hätten die Sanierung bis heute dringend nötig. Der Bund kann sich die Bahn schlicht nicht leisten. Ebenso wenig wie seine Straßen“, schimpft Mehdorn, den der kurz vorm Ziel gescheiterte Börsengang noch immer wurmt: „Wenn Lehman Brothers ein paar Monate später pleitegegangen wäre, hätte es gereicht. Am Einfluss des Bundes hätte der Börsengang gar nichts geändert, aber uns hätte er fünf Milliarden Euro gebracht für die Sanierung der Bahnhöfe – und die Bahn weit nach vorn!“, sagt er dem Handelsblatt Magazin.

Als Manager ist Mehdorn immer dahin gegangen, wo’s wehtut. Er sei eben schon früh einer von denen gewesen, die geholt werden, „wenn es irgendwo brannte. Dann muss man eben auch die Hitze aushalten.“ Empfand er sich als Feuerwehrmann? „Ich habe manches Feuer löschen müssen, ja. Leider erlebt man als Krisenmanager in der Regel wenig Dankbarkeit.“

Probleme müsse man aber „sofort lösen, wenn sie entstehen. Sonst werden sie nur größer. Also war meine Devise immer: Nur keinen Streit vermeiden! Wenn es rumste, rumste es eben gleich.“

Hartmut Mehdorn: Vom Flugzeugliebhaber zum Bahnchef

Kindheit in Kriegswirren

Hartmut Mehdorn kam am 31. Juli 1942 als jüngstes von vier Kindern in Warschau zur Welt, wo sein Vater als Soldat stationiert war. Er wuchs zunächst in Berlin auf. Die Familie flüchtete in den Kriegswirren nach Bayern, und der Vater gründete 1948 eine Fabrik für Kunststoff-Spritzgussteile.

Gelernter Ingenieur und Reserveoffizier bei der Bundeswehr

Mehdorn besuchte Schulen in Kipfenberg (Altmühltal), Karlsruhe, Nürnberg und Berlin und absolvierte ab 1961 in Berlin ein Ingenieurstudium der Fachrichtung Maschinenbau. Nebenher arbeitete er im väterlichen Betrieb mit. Als Reserveoffizier stieg er bei der Bundesluftwaffe zum Hauptmann auf.

Wurzeln im Flugzeugbau

Mehdorn startete seine Karriere im Flugzeugbau: Er kam 1965 zum Bremer Flugzeughersteller Focke-Wulf und wirkte dort an der Entwicklung eines ersten deutschen Zivil-Jets mit. Ab 1974 leitete er ein Programm für die Serienfertigung der ersten Airbusse (A 300).

Aufstieg bei Airbus

1979 rückte Mehdorn in den Vorstand der Holding Airbus Industrie in Toulouse ein. Er verantwortete dort bis 1984 Produktion, Einkauf und Qualitätssicherung. Damals erreichten die Flugzeugtypen A 310, A 300-600 und A 320 die Produktionsreife.

Bei der Deutsche Aerospace AG übernahm er im Dezember 1989 den Vorsitz der Geschäftsführung der damaligen Deutsche Airbus GmbH (DA) mit über 17.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3 Milliarden DM. 1993 rückte er als ordentliches Mitglied in den DASA-Vorstand unter Jürgen E. Schrempp auf und übernahm das Ressort Luftfahrt.

Abschied von den Flugzeugen

1995 verabschiedete sich Mehdorn von den Flugzeugen und wechselte als Nachfolger des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Hilmar Dosch zur Heidelberger Druckmaschinen AG.

Die Geburt des „Bahnchef Mehdorn“

Im Dezember 1999 bekam Hartmut Mehdorn einen neuen Vornamen. Nachdem er zum Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn berufen wurde, war er in den Medien nur noch als „Bahnchef Mehdorn“ bekannt. Er trat dabei die Nachfolge von Johannes Ludewig an, der im September 1999 nach zwei engagierten, aber glücklosen Jahren abgetreten war.

Karrieremakel I: Das Unglück mit dem Bahn-Börsengang

Nicht erreichen konnte Mehdorn sein erklärtes Ziel, die Bahn an die Börse zu bringen, obwohl er dieses gegen alle Widerstände vorangetrieben hatte. Nach jahrelangen Debatten waren zwar 2008 von Bundestag und Bahn die Weichen für die umstrittene Teilprivatisierung gestellt worden, knapp 25 % der Anteile an der Verkehrsholding der Bahn sollten verkauft werden. 18 Tage vor dem geplanten Termin am 27. Oktober 2008 scheiterte Mehdorns Vision vom Börsengang dann jedoch kurz vor dem Ziel aufgrund des durch die Weltfinanzkrise generierten schlechten Marktumfeldes und wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Karrieremakel II: Die Datenschutzaffäre der Bahn

Zum Verhängnis wurde Mehdorn, dessen Vertrag bei der Bahn im Juni 2007 bis 2011 verlängert worden war, schließlich die im Januar 2009 öffentlich gewordene Datenschutzaffäre bei der Bahn. Im Rahmen der konzerneigenen Korruptionsbekämpfung hatte das Unternehmen in großem Ausmaß persönliche Daten von Mitarbeitern mit Lieferantendaten verglichen und darüber hinaus täglich bis zu 150.000 E-Mails von Bahnbeschäftigten überwacht.

Laut Mehdorn, der den Vorwurf einer Art Rasterfahndung zurückwies und sich in einem Brief an seine Mitarbeiter für die Überprüfungsaktionen entschuldigte, handelte es sich bei dem Ganzen jedoch „nicht um einen Datenskandal, sondern um eine Kampagne zur Veränderung der Unternehmensführung und der Unternehmenspolitik“.

Rücktritt bei der Bahn

Mit dem Bekanntwerden der Datenaffäre hatte Mehdorn nicht nur das Vertrauen der Gewerkschaften und der Belegschaft, sondern auch den Rückhalt in der Politik verloren. Der scheidende Konzernchef zog dennoch ein positives Fazit über seine Arbeit: „Das, was wir erreicht haben, hat uns keiner zugetraut“, bilanzierte er und nannte seine Zeit im DB-Chefsessel „eine tolle Zeit. Manchmal ein bisschen irre, immer aufregend“.

Kurzes Intermezzo als Berater

Ab Februar 2010 betätigte sich Mehdorn in einer Bürogemeinschaft mit dem langjährigen Bahn-Finanzchef Diethelm Sack und dem früheren Chef der Dresdner Bank, Herbert Walter als Berater. Vermisst habe er nichts in dieser Zeit, sagt er in dem Buch „Macht. Geschichten von Erfolg und Scheitern“ von Katja Kraus. Wenngleich er sich erst daran gewöhnen musste, „dass nicht täglich irgendein Affe meinen Rücktritt gefordert hat.“

Zurück zur Luftfahrt: Start bei Air Berlin

So ganz gewöhnen konnte er sich an die Beschaulichkeit als Berater jedoch nicht. Er war im Aufsichtsrat von Air Berlin, als die Fluglinie Ende 2011 in Turbulenzen geriet. „Dann haben mich alle angeschaut.“ Er hat seine Frau angerufen, diesmal hat sie gesagt: „Tu, was du nicht lassen kannst.“ Er wusste ohnehin, dass sie auch diesmal mitziehen würde. Also legt sie ihm am Morgen wieder die Anzüge raus, „weil sie davon mehr versteht“, heißt es in dem Buch „Macht. Geschichten von Erfolg und Scheitern“ von Katja Kraus.

Rücktritt bei Air Berlin

Am 7. Januar 2013 nahm Mehdorn den Hut bei Air Berlin. „Jetzt ist die richtige Zeit für den Führungswechsel“, kommentierte er seinen Abschied als Chef von Air Berlin. Doch das Loslassen bei der angeschlagenen Fluglinie kam früher als erwartet. Für die weitere Sanierung der Fluggesellschaft wollte vor allem James Hogan, der Chef des Großaktionärs Etihad, wieder einen Luftfahrtmanager.

Pannenflughafen BER – Mehdorns letztes berufliches Kapitel

Nur zwei Monate nach seinem Abgang bei Air Berlin übernimmt Mehdorn am 11. März 2013 den Pannenflughafen BER und wird Chef der Betreibergesellschaft. Mit seinen Äußerungen erregt der Manager des Öfteren den Unmut der Aufsichtsräte aus der Berliner und Brandenburger Landespolitik. Differenzen mit den Aufsehern führten am Ende wohl auch zum Rücktritt. Ende März 2015 tritt Mehdorn beim BER ab. Der Hauptstadtflughafen ist immer noch nicht eröffnet, doch Mehdorn hält sich zugute, das Chaos auf der Baustelle immerhin geordnet zu haben.

Quelle: Munzinger Personenarchiv

Er selbst musste schon als Luftfahrt-Manager bei der einstigen Dasa bisweilen komplette Werke schließen. Wie man das mit Anstand macht? „Indem man mit den Mitarbeitern redet und ihnen die Gründe erklärt. Schön ist das nicht, aber manchmal notwendig, ja: unausweichlich. Sie müssen sagen, was Sache ist. Mit Wattebäuschchen kann man keine Sanierung durchziehen. Die ist aber oft nötig, um das große Ganze zu retten.“

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

07.04.2016, 13:30 Uhr

War nicht Mehdorn auch der erfolglose Manager beim BER...bei der DB und beim BER nur teuren Unsinn verzapft und ein fürstliches Gehalt auf Steuerkosten eingestrichen und jetzt das Maul aufreißen...da könnte er auch als Politiker oder Medienschaffer glatt durchgehen. Danke!

G. Nampf

07.04.2016, 14:02 Uhr

"..... jetzt rechnet der frühere Bahn-Chef ab – mit der Regierung, mit Nieten in Nadelstreifen, ..."


Wenn man es einmal ganz, ganz freundlich formuliert:

Der richtige Burner war Herr Mehdorn als Manager auch nicht.

Account gelöscht!

07.04.2016, 14:14 Uhr

jetzt rechnet der frühere Bahn-Chef ab – mit der Regierung, mit Nieten in Nadelstreifen, Frauenquoten und seinem fast tödlichen Absturz.

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Mit der Regierung abrechnen ?

BALD werden dann Geheimdienste auf Ihn gehetzt werden wie etwa beim " Barschel " !

Da standen plötzlich Männer in Langer Schwarzer Mäntel vor der Tür ?
Nur so zum einschüchtern ?

UND bald werden sich dann geheimdienste als Ohrwurm bei ihm Tag und Nacht seine ruhr stören !

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