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24.11.2015

15:48 Uhr

Expansion der Herrenmoden-Marke

Hugo Boss eröffnet weniger neue Filialen

VonGeorg Weishaupt

Hugo Boss wird in den nächsten Jahren weniger neue eigene Stores eröffnen als bisher. Dennoch bleiben die eigenen Geschäfte wichtig, um die Marke in den Luxusmarkt zu heben. Auch im World Trade Center wird bald eröffnet.

Vor allem chinesische Kunden kaufen deutlich weniger Topmode in ihrem Heimatmarkt. Reuters

Hugo-Boss-Filiale

Vor allem chinesische Kunden kaufen deutlich weniger Topmode in ihrem Heimatmarkt.

DüsseldorfDeutschlands größter Herrenschneider drosselt sein Expansionstempo im eigenen Einzelhandel. Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs sieht künftig nur ein Potenzial von „zehn bis 15 neuen Geschäften pro Jahr“, sagte er am Dienstag bei einer Präsentation auf dem Investors Day in Metzingen. Stattdessen kündigte er an, dass er „mehr als 100 Stores jährlich modernisieren“ werde.

Das ist eine Trendwende bei Hugo Boss. Denn in den vergangenen Jahren eröffnete der Modekonzern einen Laden nach dem anderen. Auf dem Höhepunkt 2012 öffneten 122 neue Hugo-Boss-Filialen zum ersten Mal ihre Türen. In den folgenden Jahren sank zwar die Zahl der zusätzlichen Shops. Aber auch im laufenden Geschäftsjahr gab es noch 60 Neueröffnungen. So gibt es heute weltweit 425 freistehende Läden, 550 sogenannte Shop-in-Shops bei Handelspartnern und 130 Outlets.

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Der Modekonzern Hugo Boss will noch mehr eigene Läden eröffnen. Bis 2020 soll mindestens 75 Prozent des Umsatzes in den neuen Filialen erzielt werden. Doch wie riskant diese hohen Investitionen sind, zeigt sich jetzt.

Lahrs will künftig viel selektiver vorgehen, wo er neue Läden der bekanntesten deutschen Modemarke eröffnet. Er werde sich auf „Schlüsselregionen in den Metropolen fokussieren“. Als Beispiel führte einen neuen Laden in der Londoner Regent Street, im World Trade Center in New York (im Sommer 2016) sowie in der berühmten Galleria Vittorio Emanuele II 2017 in Mailand an.

Die gebremste Expansion ist auch eine Reaktion auf das langsamere Wachstum des Gesamtmarktes. So erwarten der italienische Luxusverband Altagamma und die Unternehmensberatung Bain, dass dieses Jahr der Weltmarkt für Luxusmode nur um zwei Prozent wachsen wird. Das ist weit entfernt von den zwölf Prozent im Jahr 2010 oder den acht Prozent zwei Jahre später. Vor allem chinesische Kunden kaufen deutlich weniger Topmode in ihrem Heimatmarkt.

Hinzu kommt, dass die Preise für Ladenlokale in guten Lagen internationaler Geschäftszentren weiter gestiegen sind. „Es ist ein großes Problem geworden, Ladenlokale zu finden, die sich für eine Marke noch rechnen“, sagt Franz-Maximilian Schmid-Preissler von der gleichnamigen Strategieberatung. Außerdem ist es gefährlich, wenn eine Marke zu viele Verkaufspunkte hat und die Kunden die Anzüge und Hemden quasi an jeder Ecke finden. Das haben Unternehmen wie Esprit erlebt: Die vielen eigenen Läden und die Verkaufsflächen bei Handelspartnern haben sich kannibalisiert und die Marke entwertet.

Nicht nur Hugo Boss ändert sein Wachstumstempo bei den eigenen Stores. Auch die französische Luxusmarke Louis Vuitton hatte vor kurzem angekündigt, drei Läden in China zu schließen. Dort bekommt die gesamte Luxusbranche zu spüren, dass die Chinesen wegen abflauenden Konjunktur in ihrem Heimatmarkt immer weniger Hochpreisiges aus Europa kaufen.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Trotz der Kurskorrektur hält Hugo-Boss-Chef Lahrs daran fest, bis 2020 mindestens 75 Prozent seines Umsatzes in eigenen Filialen zu erzielen. Denn nur so kann er es schaffen, die Kernmarke Boss vom Premium- in den Luxusmarkt zu heben. Und nur so kann er das Geschäft mit der Herren-Luxus-Kollektion Boss Tailored sowie der Maßkonfektion wie gewünscht ausbauen. Dazu setzt er neben der Modernisierung von Geschäften aber auch weiterhin auf Übernahmen. So plant er für nächstes Jahr, Franchise-Läden von Handelspartnern in Russland und Malaysia zu übernehmen.

Aber er wird stärker als bisher auf die Kosten für die Investition in seine Läden achten. Denn sie waren ein Grund dafür, dass Lahrs Anfang November die Öffentlichkeit mit einer Gewinnwarnung aufschrecken musste. Seitdem ist der Kurs der Aktie um über zwölf Prozent auf 81 Euro gefallen.

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