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11.01.2007

10:28 Uhr

Experten warnen vor „Verzettelung“

LTU pokert um Flugrechte nach Südamerika

VonS. Müller und E. Krummheuer

Nach der Pleite der spanischen Fluggesellschaft Air Madrid im Dezember 2006 pokert die Düsseldorfer Airline LTU nun mit der spanischen Regierung um die Hinterlassenschaften.

MADRID/DÜSSELDORF. Während das spanische Transportministerium bereits den bevorstehenden Abschluss einer Vereinbarung zur Übernahme des Personals durch die LTU signalisiert hat, wiegelt die deutsche Airline ab. Sie sei nur an den als lukrativ geltenden hochpreisigen Südamerika-Strecken interessiert.

Es gebe intensive Verhandlungen mit spanischen Co-Investoren und den Behörden zur Gründung einer neuen spanischen Fluggesellschaft, die die Luftverkehrsrechte für diese Dienste übernehmen könne, sagte LTU-Geschäftsführer und Mitgesellschafter Jürgen Marbach. Weitere Einzelheiten wollte ein Unternehmenssprecher nicht nennen; ein Sprecher von Air Madrid erklärte jedoch, LTU verhandele mit dem spanischen Bauunternehmen San José über die Gründung einer neuen Airline.

Das Verkehrsministerium in Madrid erklärte, nur mit LTU und nicht mit einem Investoren-Konsortium zu verhandeln. Die Regierung möchte einen schnellen Vertragsabschluss, um für die rund 1 000 Beschäftigten der Air Madrid neue Arbeitsplätze zu schaffen. Aus Unternehmenskreisen von LTU hieß es dazu nur, eine neue Fluggesellschaft zu gründen ginge nun einmal nicht so schnell.

Bei deutschen Luftfahrtexperten wird das Interesse der LTU an einem Engagement in Spanien eher skeptisch aufgenommen. Mit ihrer inzwischen verkauften Tochter LTE habe die LTU schon einmal vergeblich versucht, im spanischen Markt Fuß zu fassen, heißt es bei Wettbewerbern. Berater Christoph Brützel, selbst einige Jahre LTU-Manager, verweist zudem darauf, dass der Gesellschaft für von Madrid aus operierende transatlantische Langstreckenverbindungen ein ausreichendes Passagier-Zubringernetz in Europa fehle. Vergessen dürfe man auch nicht, dass das Geschäft im Kernmarkt des spanischen Staatscarriers Iberia auf erbitterte Konkurrenz treffen würde.

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