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08.01.2007

10:28 Uhr

Exportschlager Andenrosen

Wenn die Damen Stacheln tragen

VonRainer Nahrendorf

Die Rosen aus Ecuador duften zwar nicht, vermögen aber durch ihre Ausstrahlung zu überzeugen. Auf Züchterfarmen gibt es wahre Blütenträume zu besichtigen. Das Geschäft lohnt sich: 288 Millionen US-Dollar werden pro Jahr durch den Export der Blumen umgesetzt.

QUITO. „Prima Donna“, „Black Magic“, „Latin Lady“ oder „Forever Young“: mit verheißungsvollen Namen wetteifern die hoch gewachsenen Schönheiten aus Südamerika um die Gunst der Kunden. Ihre Maße, die sie auf dem Düsseldorfer Karlsplatz zur Schau stellen, sind traumhaft: 60, 70 oder 100 Zentimeter, dazu eine kräftige Statur und tief gesättigte leuchtende Farben verleihen den duftlosen Wesen eine faszinierende Ausstrahlung.

Mit 1,50 und 1,80 Euro pro Stück wirft auch der Preis die Andenrosen nicht aus der Konkurrenz. Allenfalls Rosen aus Kolumbien können den Damen aus Ecuador den Titel der „Miss World“ streitig machen.

Das sieht man auch 16 Flugstunden entfernt nicht anders. „Die schönsten Rosen der Welt kommen aus Ecuador“, sagt Francisco Vallejo stolz. Soeben ist die deutsche Besuchergruppe angekommen, nun führt er sie über seine Farm im Andenhochtal von Cayambe. Der dynamische Mittfünfziger mit der hohen Stirn und dem roten Alpaka-Pullover klopft keine billigen Werbesprüche, er ist überzeugt von der Spitzenqualität der Ecuador-Rosen. Zusammen mit seinem Schwager Andrés Moreno leitet er „Rosadex“.

Rosadex ist eine der mehr als 350 Export-Rosenfarmen Ecuadors. Henning Möller, Hauptgeschäftsführer des Verbands des Deutschen Blumen-Groß- und -Importhandels, gibt Vallejo Recht: „An die Rosen aus Ecuador“, sagt Möller, „können die aus Kenia nicht heranreichen.“

Rosen, sie sind zu dem Exportschlager des Landes am Äquator geworden. Sie sind Ecuadors blühendes Geschäft. Möglich macht das die Lage am Äquator. In den bis zu 3 000 Meter hohen Tälern von Cayambe und Cotapaxi mit ihrem ganzjährigen Frühlingsklima gibt es rund um das Jahr zwölf Stunden Tageslicht. Dies sind ideale Standorte für die mit Plastikfolien bespannten Gewächshäuser der Züchter. Die Sonne zaubert in gut 90 Tagen prächtige Blüten aus den Rosenstecklingen.

Rosadex bietet 72 verschiedene Sorten an, andere Farmen 140. Vallejo präsentiert den Farmbesuchern den „showroom“, das Labor. Die Stars, die hier für die Präsentation auf den Blumenmärkten trainiert werden, sind Neuzüchtungen. Sie müssen erst noch beweisen, dass sie das Zeug zu den Favoriten von morgen haben.

250 Beschäftigte arbeiten auf der Plantage, 70 Prozent sind Frauen. Der Grund für den hohen Frauenanteil? Vallejo grinst: „Frauenhände sind geschickter und sanfter. Sie gehen mit den Rosen schonender um als Männer.“ 250 US-Dollar verdienen die Farmarbeiterinnen im Monat plus Leistungsprämien.

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