Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2014

09:22 Uhr

Express-Zustellung

Der Online-Handel will schneller werden

Die Warenzustellung noch am Tag der Bestellung gilt für viele Online-Händler als das nächste große Ding im eCommerce. Doch die Sparsamkeit der Deutschen könnte ihnen einen Strich durch die Rechnung machen.

Die Warenzustellung noch am Tag der Bestellung gilt vielen Internethändlern inzwischen als das nächste große Ding im eCommerce. Händler wie Marktführer Amazon versuchen sich als Vorreiter. dpa

Die Warenzustellung noch am Tag der Bestellung gilt vielen Internethändlern inzwischen als das nächste große Ding im eCommerce. Händler wie Marktführer Amazon versuchen sich als Vorreiter.

DüsseldorfDas Einkaufen im Internet ist bequem, doch es hat einen großen Nachteil. In der Regel dauert es einen Tag oder länger, bis der Käufer die bestellten Produkte in Händen hält. Das könnte sich bald ändern. Die Warenzustellung noch am Tag der Bestellung gilt vielen Internethändlern inzwischen als das nächste große Ding im eCommerce. Die Unternehmensberatung McKinsey prognostiziert in einer aktuellen Studie, dass der Markt dafür bis 2020 regelrecht explodieren wird.

Noch ist die Zahl solcher Express-Angebot allerdings überschaubar. Nach einer aktuellen Studie des auf den Online-Handel spezialisierten Kölner Forschungsinstituts ECC bieten zur Zeit nicht einmal 3 Prozent der Händler die sogenannte „Same-day Delivery“ an. Doch mehr als ein Drittel spiele mit dem Gedanken, sie einzuführen.

Und unter den Vorreitern sind einige große Namen. Marktführer Amazon etwa bietet Kunden in ausgewählten Städten schon seit einiger Zeit den „Evening Express“. Wer am Vormittag früh genug bestellt, kann noch am selben Abend die Ware geliefert bekommen. Auch Deutschlands größte Elektronikketten Media und Saturn, offerieren seit Mitte Mai in sieben Städten versuchsweise die Lieferung online-bestellter Produkte innerhalb von nur drei Stunden. Bis zum Jahresende soll das Angebot in weiteren 18 Ballungszentren an den Start gehen.

Wo Pakete am Wunschtermin kommen

Deutsche Post DHL

Die Deutsche Post will künftig allen Paketempfängern den Lieferzeitpunkt auf vier Stunden genau mitteilen. Kunden erhalten am Vortag der Zustellung eine E-Mail, in der das Zeitfenster genannt wird. Dafür gibt der Absender des Pakets, zum Beispiel ein Onlineshop die E-Mail-Adresse des Empfängers an DHL weiter. Über das Portal Paket.de können Empfänger auch Wunschtag und Wunschort für die Lieferung festlegen, müssen sich hierfür allerdings registrieren. DHL bietet Versendern außerdem kostenpflichtig an, Pakete per Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit zu liefern. Bei den Selbstbedienungs-Packstationen des Konzerns können Kunden rund um die Uhr ihre Lieferungen abholen.

GLS

Der Paketlieferant kann den Zustellzeitpunkt für Empfänger zwischen einer und vier Stunden eingrenzen - je nachdem, wie dicht besiedelt das Liefergebiet ist. Meist kann das Unternehmen nach eigenen Angaben den Liefertermin auf zwei Stunden genau vorhersagen. Das Angebot ist für den Versender kostenfrei. Kann ein Paket weder dem Empfänger direkt zugestellt, noch einem Nachbarn übergeben werden, geht es zur Abholung durch den Kunden in einen Paketshop.

DPD

DPD bietet Versendern die kostenpflichtige Möglichkeit, ein Zeitfenster für Paketlieferungen festzulegen. Dieses Zeitfenster beläuft sich nach Angaben des Unternehmens „auf bis zu drei Stunden“, soll aber künftig nur noch 30 Minuten betragen. Empfänger werden am Zustelltag per SMS oder E-Mail über den erwartbaren Zustellzeitpunkt informiert. Alternativ bietet DPD Empfängern an, sich Pakete in einen DPD-Paketshop in der Nähe schicken zu lassen anstatt an die eigene Adresse.

UPS

Der Paketdienst UPS nennt Empfängern bei Standardsendungen kein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung. Die Zustellung erfolgt demnach "üblicherweise zwischen 09.00 und 17.00 Uhr (und manchmal später) an Privathaushalte". Bis zu drei Zustellversuche würden unternommen, Wochenenden und Feiertage sind bei der Zustellung ausgeschlossen. Als Service können Versender die Expresszustellung vor einer bestimmten Uhrzeit hinzu buchen, wie etwa vor 09.00 Uhr oder vor 10.30 Uhr, ebenso wie teils auch die Samstagszustellung.

Hermes

Der Zustelldienst des Versandhändlers Otto will Empfängern ab kommendem Jahr auf ein bis zwei Stunden genau mitteilen, wann sie beliefert werden. Auch will das Unternehmen künftig verstärkt nach Feierabend liefern, wie Hermes-Chef Hanjo Schneider dem "Handelsblatt" im Februar sagte. Bislang liefert Hermes nach eigenen Angaben von montags bis samstags zwischen acht und 20.00 Uhr. Ein bestimmtes Zeitfenster für die Lieferung ist nach Firmenangaben bislang nicht möglich. Auch Hermes leitet Sendungen auf Wunsch der Empfänger in Paketshops weiter.

Und in München macht das Traditionsunternehmen Loden Frey vor, dass auch kleinere Spieler beim schnellen Lieferservice dabei sein können. Allerdings ist der Service nicht umsonst: Zwischen 9,90 Euro und 13 Euro Aufschlag kassieren die Unternehmen für die Expresslieferung.

„Sehr viele Händler erhoffen sich davon Wettbewerbsvorteile“, erklärt ECC-Geschäftsführer Kai Hudetz den Trend. Dennoch beurteilt der Branchenkenner die Wachstumsaussichten eher vorsichtig. „Auf der Konsumentenseite ist der Bedarf bislang gar nicht so groß.“ Für die Verbraucher sei im Moment Verlässlichkeit und Bequemlichkeit eigentlich von größerer Bedeutung als Geschwindigkeit. „Für die meisten von ihnen wäre es wichtiger, ein für sie passendes Zeitfenster wählen zu können, in dem die Ware geliefert wird. Dann müssten sie nicht mehr hinter dem Nachbarn herrennen oder das Paket bei der Post abholen“, fasst Hudetz seine Eindrücke zusammen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×