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27.06.2014

15:32 Uhr

Externe Prüfer

BER-Eigentümer schicken Mehdorn neue Aufpasser

Sie haben sich lange geziert, jetzt trauen sie sich: Der Bund, Berlin und Brandenburg holen externe Hilfe, um am Hauptstadtflughafen die Abläufe zu überprüfen. Wie lange die Gutachter bleiben, ist offen.

Bereits vor zwei Monaten musste BER-Chef hartmut Mehdorn KPMG-Gutachter in seinem Büro dulden. dpa

Bereits vor zwei Monaten musste BER-Chef hartmut Mehdorn KPMG-Gutachter in seinem Büro dulden.

BerlinDer Chef des neuen Hauptstadtflughafens, Hartmut Mehdorn, muss sich nun von externen Gutachtern auf die Finger blicken lassen. Sie sollen die Abläufe der Flughafengesellschaft unter die Lupe nehmen und im Oktober erste Ergebnisse vorlegen. Nach Kritik des Bundesrechnungshof an Mehdorns Informationsverhalten und einer Korruptionsaffäre kündigten die Flughafen-Eigentümer Bund, Berlin und Brandenburg die Überprüfung am Freitag an.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte, dabei gehe es auch um die Auftragsvergabepraxis und das Kostenmanagement. „Die Gutachter sollen mögliche Schwachstellen aufdecken und den Fortschritt des Großprojekts unterstützen.“

Das sind die größten Probleme des BER

Dauerbaustelle

Bis zu 400 Bauarbeiter sind derzeit im Terminal des neuen Hauptstadtflughafens im Einsatz. Woran sie nach Angaben der Betreiber arbeiten und was darüber hinaus zu tun ist.

Brandschutz

Weil die Anlage nicht funktionierte, platzte die Eröffnung 2012. Zwei Jahre später glauben die Betreiber, die Lösung zu kennen. Sie teilen die Anlage im kritischen Bereich in drei Abschnitte, das soll die Steuerung einfacher machen.

Kabeltrassen

Weil die Firmen zeitweise bauen konnten wie sie wollten, sind viele Kabelbrücken über- oder fehlbelegt. Nun werden Kabel kilometerweise neu gezogen. Zudem ist ein Teil der 4000 Räume im Flughafen falsch nummeriert, was zu Chaos führen könnte, weil die Lüftungsklappen den Nummern folgen. Auch hier wird nachgearbeitet.

Restarbeiten

Von der gerissenen Kachel bis zu handfestem Baupfusch haben die Betreiber 150.000 Mängel gefunden. Hier arbeiten Firmen nach.

Schallschutz

Die Großbaustelle jenseits der Baustelle: Lange bekamen die Anwohner zu schwachen Schallschutz. Ein Gericht schritt 2013 ein, die Arbeit begann weitgehend von vorn. Es geht um Fenster, Dämmungen und Lüfter für bis zu 25.500 Wohnungen.

Sanierung Nordbahn

Der Neubau übernimmt die Piste vom benachbarten Altflughafen Schönefeld. Sie muss saniert werden, doch die Behörden verlangen zunächst den Schallschutz für die Anwohner. Geplanter Baubeginn: März 2015.

Korruptionsaffäre

Wegen des Bestechlichkeitsvorwurfs gegen den bisherigen Technikchef Jochen Großmann werden nun alle Vergabeverfahren überprüft, mit denen dieser zu tun hatte. Unterlegene Bewerber könnten auf Schadenersatz klagen.

Finanzierung

4,3 Milliarden Euro sind bislang bewilligt, doch das Geld geht im Frühjahr aus. Mehdorn fordert mehr als 1,1 Milliarde Euro zusätzlich. Die Flughafeneigentümer Berlin, Brandenburg und der Bund dürfen aber nur Geld nachschießen, wenn die EU-Kommission das genehmigt. Dafür wird die Zeit langsam knapp.

Schon Anfang 2013 hatte der Aufsichtsrat angekündigt, Externe zu Gutachter zu bestellen. Das Kontrollgremium stellte den Beschluss aber zurück, als es Hartmut Mehdorn als Geschäftsführer berief. Die Politiker wollten das Vertrauen zum neuen Chef nicht belasten.

Die Unklarheit über Kosten und Termine des Milliardenprojekts führten nun offensichtlich zu einem Sinneswandel. Um den Bau voranzubringen, seien valide Informationen aus allen Bereichen nötig, betonte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Der Berliner Regierungschef und Aufsichtsratsvorsitzende des Flughafens, Klaus Wowereit (SPD), sagte, Eigentümer und Aufsichtsgremien bräuchten mehr Entscheidungssicherheit. Er hob hervor, der Flughafen müsse „in solide geplanten Schritten“ zu Ende gebaut werden.

Der Rechnungshof hatte vor drei Monaten eine effizientere Kontrolle gefordert. Der Aufsichtsrat müsse Mehdorns Informationsverhalten verbessern und Aufträge an die Geschäftsführung besser nachverfolgen.

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