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31.05.2011

12:41 Uhr

Extra-Gebühren bei Airlines

Mit „Happy Snacks“ gegen hohe Kerosinpreise

VonNils Rüdel

Gebühren für Buchung, Gepäck oder Snacks machen inzwischen bis zu einem Drittel der Einnahmen der Fluglinien aus, wie eine Studie zeigt. Doch nicht nur Billigflieger sind bei den Extras kreativ.

Landendes Flugzeug: "Zusatzeinnahmen sind ein Wachstumsmarkt, und sie werden es bleiben". Quelle: dpa

Landendes Flugzeug: "Zusatzeinnahmen sind ein Wachstumsmarkt, und sie werden es bleiben".

DüsseldorfEin "Happy Snack Plus" für 6,50 Euro für Hungrige an Bord eines Germanwings-Airbus. 40 Euro für den, der mit zu viel Handgepäck eine Ryanair-Maschine betritt. Und 10 Euro zahlt bereits der, der bei Easyjet einen Flug bucht. Zusatzgebühren können einen Billigflug ganz schön teuer machen.

Den Airlines bringen solche Extras eine Menge. Allein 47 der größten Fluggesellschaften der Welt, die zusammen für die Hälfte des gesamten Branchenumsatzes stehen, haben im vergangenen Jahr 11,5 Milliarden Dollar durch Zusatzgeschäfte verdient - 38 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Airline-Technologiedienstleisters Amadeus mit Sitz in Madrid und des US-Beratungsunternehmens Ideaworks, über die das "Wall Street Journal" berichtet.

So viel verlangen die Airlines fürs Gepäck

Lufthansa

Kunden der Economy Class dürfen ab dem 01. Juni drei Kilogramm mehr aufgeben, ohne Gebühren zu zahlen – insgesamt darf ein Koffer am Check-in aufgegeben werden, der bis zu 23 Kilogramm auf die Wage bringen darf. Bisher waren beliebig viele Gepäckstücke erlaubt, die in der Summe bis zu 20 Kilogramm schwer sein durften.

Für Über- und Zusatzgepäck auf innereuropäischen Flügen und Flügen zwischen Drittländern werden je nach Gewicht und Umfang bis zu 300 Euro fällig. 50 Euro kostet das erste zusätzliche Gepäckstück in der Economy Class, wenn es nicht mehr als 23 Kilogramm wiegt. Jedes weitere Stück kostet 50 Euro in Europa und 150 Euro auf Langstreckenflügen. Wiegt ein Zusatzgepäckstück mehr als 33 Kilogramm, können sogar 550 Euro fällig werden.

Air Berlin

Die Freigepäckgrenze für aufgegebenes Gepäck beträgt 20 kg je Passagier auf Kurz- oder Mittelstreckenflügen. Auf Langstreckenflügen beträgt die Freigepäckgrenze ebenfalls 20 kg (Business Class 30 kg).

Auf Flügen von und in die USA sowie von und nach Kanada ist grundsätzlich pro Person in der Economy Class ein Gepäckstück mit einem Gewicht von 23 kg erlaubt. Für Übergepäck verlangt die Airline auf Kurz- und Mittelstrecken 10 Euro/kg pro einfache Strecke und auf Langstrecken 20 Euro/kg pro einfache Strecke.

Auf USA/Kanada-Flügen kostet das erste zusätzliche Gepäckstück, wenn es nicht mehr als 23 Kilogramm wiegt, 40 Euro pro Strecke. Bis 32 Kilogramm werden 65 Euro pro Koffer fällig. Und wer einen dritten Koffer braucht, muss je nach Größe und Reiseziel bis zu 450 Euro pro Strecke zahlen, wenn dieser mehr als 32 Kilogramm wiegt.

Ryanair

Bei Ryanair und anderen Billigfliegern kostet grundsätzlich jeder aufgegebene Koffer extra. Erlaubt sind zwei Koffer. Dafür werden, abhängig vom Gewicht und davon, ob am Schalter oder online gebucht wird, zwischen 15 Euro für das erste und 35 Euro für das zweite Gepäckstück pro Strecke fällig, wenn die Koffer nicht mehr als 15 Kilogramm wiegen – je nach Saison. Bei Ryanair wird neuerdings zwischen Neben- und Hochsaison (1. Juni bis 21. September bzw. 21. Dezember bis 4. Januar) unterschieden.

Pro Kilogramm Übergepäck werden 20 Euro am Flughafenschalter fällig.

Germanwings

Das erste Gepäckstück kostet 8 Euro plus Mehrwertsteuer pro Strecke bis 20 Kilogramm bei Online-Buchung und 20 Euro am Schalter. Jedes weitere Gepäckstück kostet weitere 8 Euro zzgl. 19 Prozent MwSt. In den Tarifen Best und Flex ist Gepäck inklusive.
Für Übergepäck bis 40 Kilogramm werden pro angefangene 5 Kilogramm bei Anmeldung über das Call-Center oder online 20 Euro fällig, am Schalter sind es dann 40 Euro – plus Mehrwertsteuer.
Über 40 Kilogramm kostet jedes angefallene Kilogramm 8 Euro plus Mehrwertsteuer.

Condor

Bei Condor gilt in der Economy Class: Ein Koffer bis zu 20 Kilogramm ist frei. Auf Flügen von und in die USA sowie von und nach Kanada und San Juan beträgt die Freigrenze 23 Kilogramm. Für das zweite Gepäckstück werden 30 Euro bei Online-Buchung und 40 Euro am Schalter fällig. Wenn der Koffer nach Urlaub schwerer geworden ist, müssen Reisende pro Kilogramm Übergepäck 10 Euro (Kurzstrecke) zahlen, 20 Euro werden pro Kilogramm auf Langstreckenflügen fällig.

British Airways

Für Kunden der Economy Class ist das erste Gepäckstück frei, so lange es nicht mehr als 23 Kilogramm wiegt. Das erste zusätzliche Gepäckstück kostet je nach Reiseklasse und abhängig davon, ob man es online oder am Flughafenschalter anmeldet, zwischen 36 und 115 Euro. 

Für Übergepäck bis 32 Kilogramm werden 40 Britische Pfund, also circa 46 Euro, fällig. Gepäck über 32 Kilogramm muss separat als Frachtgut befördert werden.

American Airlines

Für Kunden, die ihr Ticket vor dem 14. September 2009 gekauft haben, sind zwei Koffer mit jeweils 23 Kilogramm kostenlos. Für Tickets, die nach dem 14. September 2009 ausgestellt wurden, werden für das zweite Gepäckstück 50 Dollar fällig, so lange es weniger als 32 Kilogramm wiegt. Nur noch ein Koffer ist kostenlos und alles, was mehr als 32 Kilogramm wiegt, wird von der Airline nicht entgegengenommen.

Air France - KLM

In der Economy Class gilt: Ein Gepäckstück mit maximal 23 Kilogramm bei Flügen innerhalb Europas oder in die USA ist kostenlos. Für das zweite Gepäckstück werden 55 Euro fällig. Dafür erlauben Air France und KLM immerhin 12 Kilo fürs Handgepäck.

Hilfe im Gebühren-Dschungel

Eine ausführliche Liste über die Gepäckbestimmungen der einzelnen Airlines bietet die Internetseite www.freigepaeckgrenze.de

Die Seite ist übersichtlich und anhand der Lettercodes können Flugreisende jede Airline schnell ausfindig machen.

"Zusatzeinnahmen sind ein Wachstumsmarkt, und sie werden es bleiben", sagte Ian Wheeler von Amadeus. Den Airlines bleibe auch kaum etwas anderes übrig: Sie müssten die steigenden Kosten wegen des gestiegenen Ölpreises und neuer Steuern kompensieren. Happy Snacks gegen hohe Kerosinpreise

Fast ein Drittel des Umsatzes (29,2 Prozent) verdiente laut Studie allein die US-Billigfluggesellschaft Allegiant im vergangenen Jahr an dem Geschäft mit den Extras - so viel wie keine andere Fluglinie. Konkurrent Spirit Airlines kam mit 22,6 Prozent auf Rang zwei. Der irische Billigfluglinie Ryanair, die das Konzept des "No-Frills-Carrier" ("Keine Extras") in Europa am konsequentesten umsetzt, erreichte mit 22,1 Prozent Platz drei.

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