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13.06.2017

10:02 Uhr

Eyes+More

„Ein Mensch sollte mindestens so viele Brillen haben wie Schuhe“

VonChristoph Kapalschinski

Eyes+More-Chef Tammo Bruns will Brillen zum reinen Mode-Objekt machen – und verzichtet daher auf die übliche Glasberatung. Damit greift er die selbstständigen Optiker an, die ohnehin unter Fielmann und Apollo leiden.

Designer der Kette sollen die Brillen zum modischen Accessoire machen. PR

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Designer der Kette sollen die Brillen zum modischen Accessoire machen.

HamburgWenn es nach Tammo Bruns geht, gibt es beim Shopping-Bummel durch die Fußgängerzone oder das Einkaufszentrum eine neue Pflichtstation: den Optiker. „Ein Mensch sollte mindestens so viele Brillen haben wie Schuhe“, meint er. Kein Wunder: So spricht der Chef einer Optiker-Kette, die rasant wachsen will. Bruns selbst, das ist angesichts seiner Aussage ebenso wenig verwunderlich, ist kein Optiker-Meister, sondern ein Betriebswirt mit Wurzeln in der Mode-Branche.

Und so will der 45-Jährige die Optiker-Welt umkrempeln. Modische Brillen von einer Eigenmarke zu Festpreisen – damit erinnert sein Geschäftsmodell an preisaggressive Online-Optiker. Zugleich aber will Bruns nicht der günstigste Anbieter am Markt sein. Denn schließlich muss er dem Haupteigentümer von Eyes+More – einem belgischen Finanzinvestor – Renditeaussichten liefern.

Bruns hat den Chefposten bei Eyes+More 2013 als Sanierer übernommen – knapp drei Jahre nachdem der Investor Vendis die Mehrheit von den Gründern der niederländischen Kette übernommen hatte. Bruns verlegte die Zentrale nach Hamburg und baute das Konzept um. Vorbild ist auch sein alter Arbeitgeber, die Schmuckmarke Pandora. Designer sollen die Brillen noch stärker zum modischen Accessoire machen, als dies bereits der Fall ist.

Dafür fährt Bruns schwere rhetorische Geschütze gegen die etablierten Optiker auf. „Die Glasberatung dient mehr dem Umsatz des Optikers als dem Wohl des Kunden“, sagt er. Soll heißen: Die Kunden würden mit Lockangeboten ins Geschäft geködert, ihnen anschließend aber teure Glas-Upgrades aufdrängt. „Damit ein Einkaufsbummel inspirierend wirken kann, muss nicht nur die Atmosphäre stimmen – auch die Preistransparenz spielt eine wichtige Rolle für ein entspanntes Shopping-Erlebnis des Kunden“, meint Bruns.

Optikerkette: Nachfolge? Fielmann.

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Günther Fielmann könnte bis 80 Chef von Europas größter Optikerkette bleiben. Er will den Vorstandsvorsitz des MDax-Unternehmens direkt an seinen 27-jährigen Sohn übergeben. Der bereitet sich schon lange darauf vor.

Für den Festpreis von Eyes+More bekämen die Kunden stets die beste Ausstattung, wirbt er. Die Festpreise sollen zudem die Kunden an Eyes+More binden. „Um Kundenloyalität zu erzielen, brauchen wir ein emotionales Produkt, kein medizinisches Hilfsmittel“, fordert Bruns. Auf Sehtests kann allerdings auch er nicht verzichten – inklusive der daraus zu Stoßzeiten resultierenden Wartezeiten im Laden. Gefertigt werden die Fassungen und die Gläser in Fernost – wie auch bei vielen Online-Optiker üblich. Zusammengesetzt werden Fassungen und Gläser anschließend in den Niederlanden. Branchenprimus Fielmann dagegen betreibt eine Glasfertigung in Brandenburg.

Mit seinem Konzept will Bruns das Wachstum vorantreiben. Nach einer Konsolidierungsphase wachse die Kette seit dem vergangenen Jahr deutlich: 2016 kamen 24 Läden dazu, im ersten Halbjahr 2017 acht weitere. Inzwischen stehen 143 Läden, davon 103 in Deutschland. Damit liegt er weiter hinter den beiden börsennotierten Marktführern Fielmann und Apollo (GrandVision), die in Deutschland rund 600 beziehungsweise 800 Filialen betreiben. Die mittelständische Kette Pro-Optik liegt auf Platz drei, gleich dahinter kommt Eyes+More.

Ein limitierender Faktor für das Wachstum sei der Mangel an ausgebildeten Optikern, sagt Bruns. Über Franchise will er daher Optiker an sich binden, die sich selbständig machen. 19 solche von Partnern betriebenen Filialen gibt es bereits in Deutschland, zudem zwei weitere in Belgien.

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