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09.01.2012

16:11 Uhr

Factoring auf dem Friedhof

Werhahn setzt auf das Geschäft mit der Beerdigung

VonChristoph Schlautmann

Douglas-Patriarch Jörn Kreke ist mit seiner Factoring-Firma gescheitert. Die Neusser Milliardärsfamilie Werhahn ergriff die Chance und schlug zu. Nun sorgt das Unternehmen dafür, dass Trauernde ihre Rechnungen zahlen.

Grabfigur auf einem Friedhof: Beerdigungsfinanzierung als lukratives Geschäft. dpa

Grabfigur auf einem Friedhof: Beerdigungsfinanzierung als lukratives Geschäft.

DüsseldorfSie gehören neben den Haniels, Henkels und Brenninkmeijers zu den wohlhabendsten Großfamilien Deutschlands: 2,6 Milliarden Euro soll die Neusser Familie Werhahn auf der hohen Kante haben, wie das „Manager Magazin“ ermittelte und ihr noch vor der Familie Vaillant den siebten Rang zuwies.

Einst waren es neben dem Holzhandel die Beteiligungen am Stromkonzern RWE, der Wicküler-Brauerei und dem damaligen Stahlkocher Hoesch, die die Neusser reich machten. Inzwischen verdient die rheinische Dynastie ihr Geld mit „Zwilling“-Messern, „Diamant“-Mehl, Baustoffen und Immobilien.

Jetzt soll ein Einsatzgebiet den Reichtum mehren, das selbst für die wechselhafte Familiengruppe exotisch ist: Die Werhahn KG setzt auf Gewinne aus dem Geschäft mit Bestattungen.

Der Familienkonzern Werhahn

Firmengeflecht

Bekannteste Marke des vor 170 Jahren gegründeten Mischkonzerns Werhahn ist die Solinger Schneidwarenfabrik Zwilling. Doch Werhahns Umsatz von zuletzt 2,43 Milliarden Euro kommt aus einer ganzen Reihe kleiner Unternehmen wie der Basalt-Actien-Gesellschaft in Linz/Rhein, dem Schieferanbieter Rathscheck, dem Mehlproduzenten Diamant und zahlreichen Gewerbeimmobilien, die Werhahn in Düsseldorf, Köln, dem Rhein-Main-Gebiet und in Berlin besitzt. Die Kommanditgesellschaft, die über 8600 Mitarbeiter beschäftigt, wird unter anderem geführt von den Vettern Anton und Michael Werhahn.

Bankgeschäfte

Seit Jahren steht das Bankgeschäft im Mittelpunkt der Werhahn-Gruppe. 2011 investierten die Neusser hier kräftiger als sonst. Mit der „Bank 11“ starteten sie zum Jahresbeginn einen Anbieter für Absatzfinanzierung, sechs Monate später erwarben sie das niederländische Leasing-Unternehmen Universal Leasing Benelux. Bevor sie die BF Bestattungsfinanz vor Weihnachten übernahmen, kauften sie in Dortmund zudem mehrheitlich die ETL Leasing.

Ertragsdruck

Mit dem Ausbau des Finanzgeschäfts reagiert Werhahn auf das schleppende Geschäft in anderen Sparten. So ging der Umsatz 2010 um 2,4 Prozent zurück, der Konzernüberschuss halbierte sich nahezu auf 65 Millionen Euro. Für 2011 versprach Vorstandssprecher Anton Werhahn aber Besserung.

Nicht an Beerdigungskaffees, Grabsteinen und Kränzen plant das Unternehmen, das zuletzt 2,43 Milliarden Euro umsetzte, zu verdienen. Werhahn will vielmehr an der seit einiger Zeit schwächelnden Zahlungsmoral vieler Hinterbliebenen teilhaben. Gegen einen Abschlag kauft das Unternehmen Beerdigungsfirmen unbezahlte Rechnungen ab, um das Geld bei den Trauernden dann selbst einzutreiben. Den Bestattern bringt das Liquidität, mit der sie Mitarbeiter und Lieferanten auszahlen.

Factoring nennen das die Fachleute. Der Markt boomt. Seitdem Deutschlands Krankenkassen 2004 ihre Sterbegeld-Zahlungen einstellten, müssen die 6000 Beerdigungsfirmen häufig ihren Rechnungen hinterherlaufen. Schließlich gibt es für enge Angehörige selbst dann eine gesetzliche Bestattungspflicht, wenn sie kein Geld besitzen.

Nahezu unbemerkt hatten die Neusser, wie das Handelsblatt jetzt erfuhr, kurz vor Weihnachten über ihre Banktochter ABC-Finance nach der Hagener BF Bestattungsfinanz gegriffen. „Wir haben die Firma erworben, um unser Factoringangebot für mittelständische Kunden zu erweitern“, bestätigte ein Werhahn-Sprecher. Damit beerben sie eine andere prominente Unternehmerfamilie: die Douglas-Mitinhaber rund um das Clan-Oberhaupt Jörn Kreke, 71.

Für Kreke, dessen Familienvermögen auf eine halbe Milliarde Euro geschätzt wird, hatte sich das Engagement in der Factoringbranche als Desaster erwiesen. Seit 2004 betrieb er mit einem Geschäftspartner in Hagen die Finanzfirma ADI, der als Tochter die BF Bestattungsfinanz unterstand. Anfang August musste Kreke sein Investment abschreiben, als ADI einen Insolvenzantrag einreichte.

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