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31.01.2014

19:14 Uhr

Fährunternehmen

Scandlines bekommt Zuschlag für P+S-Fähren

Scandlines hat den Zuschlag für die Großfähren auf der insolventen P+S-Werft erhalten. Der ursprüngliche Interessent ist damit der neue Käufer. Die Zukunft der Werft ist noch ungewiss – einen Interessenten gibt es aber.

Ein Scandlines-Fährschiff am Ausrüstungskai auf der P+S-Werft am Standort Volkswerft Stralsund. dpa

Ein Scandlines-Fährschiff am Ausrüstungskai auf der P+S-Werft am Standort Volkswerft Stralsund.

Schwerin/StralsundDie Großfähren auf der insolventen P+S-Werft in Stralsund gehen an die deutsch-dänische Reederei Scandlines. Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann erteilte am Freitag in Abstimmung mit den Sicherungsgläubigern den Zuschlag an die zu Scandlines gehörende Scandferries Chartering A/S. Scandlines habe das höchste Gebot abgegeben, begründete Brinkmann die Entscheidung.

Scandlines kauft die bislang nicht fertiggestellten Fähren nach dpa-Informationen für 31,6 Millionen Euro und damit zu einem deutlich niedrigeren Preis als die ursprünglich veranschlagten 184 Millionen Euro. Der Kaufvertrag soll nächste Woche unterzeichnet werden und steht noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung des Scandlines-Aufsichtsrates. Scandlines will die 169 Meter langen Fähren auf einer anderen Werft – möglicherweise in Hamburg oder Bremerhaven – umbauen lassen. Bereits Ende 2014 soll die erste Fähre zwischen Rostock und Gedser in Dänemark fahren.

Das Auf und Ab der P+S-Werften

1948

Die Volkswerft Stralsund und die Peene-Werft Wolgast werden gegründet.

1992

Die Bremer Hegemann-Gruppe übernimmt die Peene-Werft in Wolgast. Jahrelang hat sie volle Auftragsbücher.

Juli 2007

Die Hegemann-Gruppe übernimmt auch die Volkswerft Stralsund. Sie will in die Produktion besonders großer Containerschiffe einsteigen.

Frühjahr 2009

In beiden Werften werden die Aufträge knapp. Hegemann kündigt die Umstellung auf den Spezialschiffbau an.

Juni 2009

Finanz-und Wirtschaftsministerium geben grünes Licht für eine Bürgschaft über9 Millionen Euro.

Juni 2010

Die beiden Werften stellen sich unter dem Namen P+S- Werften neu auf. Die Hegemann-Gruppe hält einen Anteil von 7 Prozent, die HSW Treuhand- und Beteiligungsgesellschaft ist mit 93 Prozent beteiligt.

August 2010

Die Belegschaften erklären sich zu kostenloser Mehrarbeit bereit, um die weitere Sanierung der Werften zusichern.

August 2011

Die P+S-Werften erhalten einen Millionenauftrag über den Bau von zwei Offshore-Installationsschiffen.

März 2012

Land, Bund und Banken einigen sich auf Unterstützung bei der Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Grund sind die teureren Spezialschiffe.

Mai 2012

Ein Finanzloch von 200 Millionen Euro gefährdet den Fortbestand. Das Land ist grundsätzlich zu erneuter Hilfe bereit, braucht aber die Zustimmung der EU und sieht auch Bund, Banken, das Unternehmen und die Belegschaft mit in der Verantwortung.

Juni 2012

Es stellt sich heraus, dass fast 300 Millionen Euro Umstrukturierungsbeihilfe nötig sind. Die Mitarbeiter erklären sich bereit, sich an der Rettung mit 68 Millionen Euro zu beteiligen. Schwerin sagt ein Darlehen von bis zu 152,4 Millionen Euro zu.

Juli 2012

Die EU-Kommission genehmigt die staatliche Garantie für die P+S Werften unter Vorbehalt.

August 2012

Der frühere Airbus-Manager und Sietas-Werftsanierer Rüdiger Fuchs wechselt als Unternehmenschef an die Spitze der P+S-Werften. Er deckt größere Probleme als bisher bekannt auf, darunter Lieferverzögerungen für Scandlines-Fähren und zwei Spezialfrachter.

20. August

Das Land stoppt die Hilfen.

29. August

Die Werftengruppe reicht den Insolvenzantrag ein.

Neben der Reederei, die 2010 die Fähren in Auftrag gegeben hatte und nach der Werften-Insolvenz im Jahr 2012 wegen Baumängeln an den Schiffen vom Vertrag zurückgetreten war, hatten die Nordic Yards in Wismar und Rostock ein Angebot abgegeben. Das Nordic-Angebot lag nach Angaben der Werft bei 30,5 Millionen Euro und war zudem verbunden mit einem Kaufangebot für die insolvente Volkswerft.

Nordic-Geschäftsführer Jürgen Wollny ließ am Freitag offen, ob es nach dem Verkauf der Fähren an einen anderen Bieter ein separates Angebot für die Werft geben wird. Die Situation ohne Fähren müsse neu bewertet werden, sagte Wollny. Nordic will die Stralsunder Volkswerft als strategischen Standort für Offshore-Projekte im Wind-, Öl- und Gasbereich erwerben und bietet dafür drei Millionen Euro.

In Stralsund demonstrierten am Freitag rund 250 wütende Schiffbauer. Sie befürchten eine Zerschlagung des Schiffbaustandortes.

Von

dpa

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