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10.07.2014

10:50 Uhr

Fahrdienst-App Uber

Der Taxistreit von New York

VonAxel Postinett

Die Taxi-App Uber macht alteingesessenen Bürger-Chauffeuren das Geschäft streitig. Auch in Deutschland will sich der Dienst mit neuen Unterstützern weiter ausbreiten. In New York ist der Taxi-Kampf längst ausgebrochen.

Europaweite Demonstrationen

Verkehrschaos: Taxifahrer bekämpfen Online-App

Europaweite Demonstrationen: Verkehrschaos: Taxifahrer bekämpfen Online-App

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San FranciscoRyan Simonetti ist ein ausgemachter Fan des Taxidienstes Uber, aber das hat sein Vertrauen in das Start-Up-Unternehmen doch erschüttert. „Gerade von Uber-Fahrer in Washington gekidnappt worden. Gegen meinen Willen festgehalten, Verfolgungsjagd mit der Polizei“, sendete er via Kurznachrichtendienst Twitter fassungslos. Sein Fahrer war in eine Kontrolle geraten und gab Gas – die Passagiere im Auto. Er hatte offenbar Angst vor einer hohen Geldstrafe. Schließlich ließ er die Fahrgäste aus dem Auto entkommen, fuhr gegen die Fahrtrichtung auf den Highway und verschwand. Uber teilte später mit, der Fahrer sei nicht mehr bei dem Dienst, und man werde voll mit den Behörden kooperieren. Simonetti erklärte der „Washington Post“, er werde zwar weiter mit Uber fahren, aber er frage sich schon, wie der Auswahlprozess der Fahrer von statten gehe.

Seit 2012 gibt es den Taxidienst in New York, auch in rund 20 europäischen Städten ist er aktiv. Mit der App können Nutzer Autos samt Chauffeur ordern und bezahlen. Die Fahrer sind meist selbstständige Kleinunternehmer.

Die heißen Smartphone-Dienste

Snapchat

Mit der Snapchat-App können Nutzer Textnachrichten, Fotos und Videos verschicken, die sich nach einem kurzen Zeitraum selbst löschen. Gerade unter Jugendlichen ist die Anwendung beliebt – vermutlich nicht selten für Anzüglichkeiten. Die Gründer lehnten mehrere milliardenschwere Übernahmeangebote ab, auch Facebook ließen sie abblitzen.

Instagram

Ein Produkt des Smartphone-Zeitalters ist der Foto-Dienst Instagram: Er war von vornherein nur für mobile Geräte ausgelegt. Nutzer können Fotos und Videos aufnehmen, mit Filtern aufpeppen und hochladen. Das Prinzip von Instagram erinnert an Twitter, nur dass es hier ausschließlich um Bilder geht. Facebook übernahm den Dienst 2012 für umgerechnet eine Milliarde Dollar.

Pinterest

Beim Fotodienst Pinterest sammeln die Nutzer Bilder von verschiedenen Websites in digitalen Notizbüchern – meistens mit dem Smartphone. Die Entwicklung von Pinterest wird von Urheberrechtssorgen begleitet: Die öffentlichen Sammlungen könnten nach Ansicht einiger Experten als Urheberrechtsverletzung ausgelegt werden. Das Unternehmen hat inzwischen eine Milliardenbewertung.

Whatsapp

In immer mehr Ländern wird Whatsapp zum SMS-Ersatz. Der Dienst erlaubt es, Kurznachrichten, Bilder und Videos über Internet zu verschicken. Die App läuft auf sämtlichen Betriebssystemen. Trotz etlicher Sicherheitspannen gehört Whatsapp zu den beliebtesten Smartphone-Anwendungen, sie hat nach Unternehmensangaben 500 Millionen Nutzer. Facebook hat das Start-up für 22 Milliarden Dollar übernommen.

Line

Ähnliche wie Whatsapp funktioniert Line, eine App mit asiatischem Ursprung. Sie bietet Instant Messaging für Smartphone und PC. Nutzer können nicht nur Textnachrichten, Fotos und Videos tauschen, sondern auch Telefonate führen. Eine Besonderheit sind virtuelle Sticker, die man in einem Shop kaufen kann.

Vine

Mit dem Dienst Vine können Nutzer bei Twitter sechs Sekunden kurze Videoschnappschüsse hochladen, die in einer Endlosschleife laufen. Der Zwitscherdienst übernahm das Start-up nur wenige Monate nach dessen Gründung im Sommer 2012. Vine hat nach Angaben vom Sommer 40 Millionen Nutzer.

Periscope

Videoübertragungen in Echtzeit ermöglicht der Dienst Periscope, der zu Twitter gehört. Die Bedienung ist bewusst einfach gehalten: App öffnen, „Broadcast“ klicken – schon beginnt der Live-Stream. Ein konkurrierendes Angebot ist Meerkat.

Tumblr

Twitter ist kurzatmige Internet-Kommunikation, Blogs lassen sich mehr Zeit. Irgendwo dazwischen befindet sich Tumblr, ein 2007 gegründeter Web-Dienst für das unkomplizierte Veröffentlichen im Netz. Ähnlich wie bei Twitter kann man bei Tumblr anderen Nutzern folgen und sieht dann deren Beiträge im sogenannten Dashboard, einer Übersichtsseite. 2013 übernahm Yahoo das Start-up für 1,1 Milliarden Dollar.

Die Reaktion auf den neuen Dienst ist überall die gleiche: Die etablierten Taxifahrer fühlen sich bedroht. Im Juni protestieren in ganz Europa Taxifahrer gegen die App – auch in Berlin. In Brüssel wurde Uber der Betrieb bereits behördlich untersagt, in Frankreich gibt es Einschränkungen. In Deutschland arbeiten derzeit laut Vertriebschef Emil Michael „ein paar Hundert“ Fahrer, aber es sollen schnell Tausende werden. Als nächstes auf dem deutschen Expansionsplan steht Frankfurt am Main. Unterstützung bekam die Taxi-App am Mittwoch von der Monopolkommission: Der Wettbewerb sei durch den Markteintritt von Unternehmen, die Mietwagen per Smartphone vermittelten, „intensiviert“ worden. Um die positive Entwicklung nicht zu gefährden, solle die Regulierung des Mietwagenverkehrs angepasst werden, lautete die Empfehlung.

In New York kann man sehen, wohin die Liberalisierung des Geschäfts mit dem Personentransport führen könnte, denn Uber ist offenbar nicht zimperlich, wenn es um die Bezahlung seiner Fahrer geht. Am 17. Juni demonstrierten Ramzi Regullii und dutzende andere Uber-Fahrer vor dem Firmensitz in San Francisco, um ihrem Unmut über den Taxi- und Chauffeurdienst Luft zu machen. Sie fühlen sich unterbezahlt und durch die 20 Prozent Gebühr, die Uber von jeder Fahrt einstreicht, ausgebeutet, schlicht nicht ernst genommen. Die ungebremste Einstellungspolitik führe Regulliis Meinung nach zu ernsten Problemen. Irgendwann würde „jeder mit einem Führerschein genommen“, was zu mehr Unfällen und Haftungsproblemen führen könnte. 1420 Fahrer haben sich bislang auf www.driversnetwork.org organisiert.

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