Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.12.2015

08:49 Uhr

Fahrdienst-Vermittler

Uber ist jetzt mehr als 60 Milliarden Dollar wert

In vielen Ländern ist der Fahrdienst-Vermittler Uber umstritten. Bei Investoren ist das Start-up aber weiter heiß begehrt. Eine weitere Finanzierungsrunde bringt Uber jetzt eine Bewertung von über 60 Milliarden Dollar.

Das Start-up ist nun mehr als 60 Milliarden Dollar wert. dpa

Uber-Fahrer in Australien

Das Start-up ist nun mehr als 60 Milliarden Dollar wert.

San FranciscoDer umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber hat seine Firmenbewertung bei einer neuen Finanzierungsrunde laut Medienberichten auf über 60 Milliarden Dollar hochgeschraubt. Das Startup aus San Francisco erhält demnach weitere gut zwei Milliarden Dollar von Investoren.

Das gesamte Unternehmen werde dabei mit bis zu 62,5 Milliarden Dollar bewertet, schrieben die „New York Times“ und der Finanzdienst Bloomberg in der Nacht zum Freitag unter Berufung auf informierte Personen. Bei der vorherigen Geldspritze soll die Bewertung noch bei rund 50 Milliarden Dollar gelegen haben.

Die Bewertung entscheidet darüber, welchen Anteil am Unternehmen ein Investor für sein Geld bekommt. Bei einem Gesamtwert von 62,5 Milliarden Dollar könnten 2,1 Milliarden Dollar entsprechend rund 3,3 Prozent bringen.

Der Kampf der Taxibranche gegen Mytaxi

Worum geht es?

Die Daimler-Tochter Mytaxi hatte im Frühjahr in Deutschland und anderen Staaten mit Rabatten von bis zu 50 Prozent für Fahrten geworben, die über die App vermittelt und bezahlt werden. Die Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale setzte dem mit einer einstweiligen Verfügung ein Ende. Die Begründung: Das Personenbeförderungsgesetz ist dazu da, Taxifahrer vor ruinösem Wettbewerb zu schützen. Demnach dürfen nur die Behörden, also die Kommunen, die Taxipreise festlegen. Diese dürfen weder über- noch unterschritten werden.

Quelle: dpa

Welche Meinung vertritt das Gericht in Stuttgart?

Das Stuttgarter Landgericht entschied im Sinne der Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale - und erklärte die Rabatte für rechtswidrig (Az.: 44 O 23/15 KfH). Der Richter am Oberlandesgericht war aber schon anderer Meinung. Die Rabatte seien nicht grundsätzlich zu verbieten - unter anderem, weil Mytaxi nicht unter das Personenbeförderungsgesetz falle und den Taxifahrern die 50 Prozent erstatte. Der konkrete über zwei Wochen gewährte Rabatt von 50 Prozent könne allerdings als unlauterer Wettbewerb gesehen werden, denen die Taxifahrer ausgesetzt sind. Schon eine zweiwöchige Rabattaktion könne in einem fragilen Markt wie dem Taxi-Geschäft ausreichen, die Verhältnisse zu ändern, so der Richter. Denn durch die Rabattaktionen werde Druck auf die Taxifahrer ausgeübt, sich Mytaxi anzuschließen.

Welche Konsequenz könnte eine Entscheidung nun haben?

Das Oberlandesgericht bot den beiden Parteien einen Vergleich an. Sie hätten sich über die Frage einer tolerierbaren Höhe und Dauer von Rabatten einigen müssen. Das ist nicht gelungen. Es könnte also durchaus sein, dass das Gericht eine solche Grenze zieht – und Mytaxi anders gestaltete Rabatte in Stuttgart gewähren darf.

Warum kann trotzdem bundesweit mit Rabatten geworben werden?

Das Hamburger Landgericht, dass über ein bundesweites Verbot entschieden hatte, hatte wie Mytaxi argumentiert: Das Gesetz gelte eben nicht für die App, da sie nur ein Vermittler sei. Außerdem erhielten die Fahrer, die durch das Gesetz geschützt werden sollen, ja den vollen Fahrpreis (Az: 312 O 225/15).

Welche Entscheidungen stehen noch aus?

In Frankfurt hat die Servicegesellschaft Taxi Deutschland vor dem Landgericht Klage gegen die bundesweit laufenden Rabattaktionen eingereicht. Die Taxi-Zentralen sehen sich einem ruinösem Wettbewerb ausgeliefert. Vor dem Landgericht Frankfurt war schon der Mitfahrerdienst Uber Pop, bei dem Privatleute Fahrten in ihren Autos anbieten, nach einer Klage des deutschen Taxigewerbes für wettbewerbswidrig erklärt worden.

Könnte Mytaxi auch grundsätzlich verboten werden?

Nein. Das machte zumindest der Richter am Stuttgarter Oberlandesgericht sehr klar. Es gehe nicht um die Zulässigkeit des Geschäftsmodells. Mytaxi nutzte die Gunst der Stunde und kündigte eine neue Rabattaktion in mehreren deutschen Großstädten bis 26. November an – Stuttgart gehört selbstverständlich nicht dazu.

Uber hatte sich bereits rund zehn Milliarden Dollar bei Investoren geholt. Die Plattform für Transportdienste betreibt eine rasante weltweite Expansion, stößt aber vielerorts auf massiven Gegenwind von Taxi-Branche und Behörden, die Uber unfairen Wettbewerb vorwerfen.

Bewertungen in Finanzierungsrunden gelten auch als eine Orientierung für einen Börsengang. Eine Firma kann an der Börse aber auch weniger wert sein als von den Geldspritzen signalisiert. Jüngst war das beim Börsengang des Mobil-Bezahldienstes Square der Fall. Das Unternehmen entschädigte einige frühe Investoren dafür mit zusätzlichen Aktien.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×