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17.04.2012

19:35 Uhr

Fairtrade

Ein Siegel macht Karriere

VonSusanne Bergius, Mathias Peer

Deutschland holt auf beim Geschäft mit fair gehandelten Produkten. Waren mit Fairtrade-Siegel erfreuen sich sowohl bei Händlern als auch den Konsumenten wachsender Beliebtheit.

Fairtrade-Produkte haben einen Wachstumsschub erfahren. AFP

Fairtrade-Produkte haben einen Wachstumsschub erfahren.

Berlin/KölnEs war ein kleiner Edeka-Markt in Minden, der im Jahr 1992 deutsche Handelsgeschichte schrieb. Als bundesweit erster Supermarkt nahm die Niederlassung ein Produkt ins Regal, das mit dem damals neu geschaffenen Siegel für fairen Handel ausgezeichnet wurde: Bohnenkaffee der Dortmunder Rösterei Schirmer-Kaffee.

Seitdem haben die Produkte mit Fairtrade-Logo, das für ein höheres Einkommen der Erzeuger in Entwicklungsländern steht, das Nischendasein verlassen. Aus dem Geschäft mit den Lebensmitteln und Kleidungsstücken, die früher nur in Dritte-Welt-Läden Absatz fanden, ist ein Massenmarkt geworden.

Allein 2011 verkauften Einzelhändler in Deutschland 10000 Tonnen Bananen, 7500 Tonnen Kaffee, 80 Millionen Rosen und über 2,6 Millionen Textilien aus fairem Handel. Seit der Einführung des Fairtrade-Siegels 1992 in Deutschland wurden Waren im Wert von 2,1 Milliarden Euro ausgezeichnet.

Fairer Handel von Produkten aus Entwicklungsländern ist für Firmen zu einem wichtigen Instrument geworden, um ihr soziales Verantwortungsbewusstsein zu unterstreichen. Sie reagieren damit auch auf veränderte Konsumgewohnheiten in der Gesellschaft.

So legen Verbraucher laut einer Studie des Trendforschers Peter Wippermann im Auftrag der Otto Group beim Einkaufen deutlich höheren Wert auf ethisch korrekte Produkte als noch vor wenigen Jahren. So sei der Anteil der Konsumenten, die häufig auf solche Waren zurückgreifen, seit 2009 von 26 auf zuletzt 41 Prozent gestiegen.

Doch trotz hoher Wachstumsraten ist das Marktvolumen im internationalen Vergleich gering: Während der Schweizer Einzelhändler Coop 2011 allein 135 Millionen Euro mit Fairtrade-Produkten umsetzte, belief sich der Absatz fair gehandelter Waren in ganz Deutschland auf nur 400 Millionen Euro - gegenüber einem Einzelhandelsumsatz von 414 Milliarden Euro. Um ähnliche Marktanteile wie im Ausland zu erreichen, kooperiert der für die Siegel-Vergabe zuständige Verein Transfair zunehmend mit Konzernen wie etwa Puma.

Künftig will auch die Politik den vermehrten Einsatz fair erzeugter Produkte stärker vorantreiben. Ende März kündigten das Bundesentwicklungs- und das Bundesagrarministerium an, das "Forum nachhaltiger Kakao" ins Leben zu rufen. Ziel der dort gebündelten Maßnahmen sei es, Kakaobauern ein angemessenes Einkommen zu ermöglichen. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie gab bekannt, den Kakaoanteil aus nachhaltigem Anbau bis 2020 auf 50 Prozent zu steigern.

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