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27.03.2012

08:17 Uhr

Fall Schlecker

Sinn und Unsinn von Transfergesellschaften

VonP. Thelen, M.Murphy, D.Delhaes, K.Ludowig

Wie sinnvoll ist eine Transfergesellschaft - wie sie auch für Schlecker vorgesehen ist? Die Pleitefirma wird entlastet und für Investoren herausgeputzt. Den Entlassenen bieten sie aber nicht immer Hilfe.

Die Schlecker Mitarbeiterinnen wollen keine Abfuhr erleiden. dpa

Die Schlecker Mitarbeiterinnen wollen keine Abfuhr erleiden.

Berlin/DüsseldorfHuang Li (Name geändert) ist noch immer stinksauer auf die IG Metall. Dabei ist es inzwischen sieben Jahre her, dass der gelernte Fernsehmechaniker seinen Job beim Bildschirmhersteller Samsung verloren hat. "Über zehn Jahre habe ich für die Firma gearbeitet. Und als Samsung sich dann entschloss, den Produktionsstandort in Berlin aufzugeben, hat mich die IG Metall überredet, auf meine Abfindung zu verzichten und in eine Transfergesellschaft zu gehen."

Das sei sein großer Fehler gewesen, sagt Li. Alle, die damals nicht mitgemacht hätten, seien auch nicht gefeuert worden. Er aber sei nach einem Jahr Bewerbertraining und Transferkurzarbeitergeld in die Arbeitslosigkeit entlassen worden. Heute fährt der Vater einer vierköpfigen Familie Taxi und sagt: "Hätte ich auf meiner Abfindung bestanden, hätte ich das Geld als Startkapital für ein eigenes Taxi einsetzen können."

In der Theorie sind Transfergesellschaften ein guter Weg, von Insolvenz oder Massenentlassung betroffene Arbeitnehmer in einen neuen Job zu vermitteln. Meistens arbeiten sie nicht besser als das Jobcenter um die Ecke. "Im Grunde sind Transfergesellschaften Geldverschwendung. Es gibt keinen Beleg dafür, dass ihre Betreiber den Betroffenen schneller aus der Arbeitslosigkeit helfen, als es bei der normalen Betreuung der Arbeitsagenturen der Fall ist", sagt Hilmar Schneider, Direktor Arbeitsmarktpolitik beim Forschungsinstitut Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

Das Institut hatte zusammen mit dem DIW die Effizienz von Transfergesellschaften untersucht. Die ersten wurde vor mehr als 15 Jahren gegründet, als Großpleiten wie die der Werft Bremer Vulkan die Republik erschütterten. Aber nicht die Vermittlungserfolge machten Transfergesellschaften populär. Es geht um viel banalere Vorteile.

Gelingt es dem Management des Sanierungsfalls, sich mit den Arbeitnehmern auf die Gründung einer Transfergesellschaft zu verständigen, spart das Unternehmen Kosten für die Abfindungen der Mitarbeiter und Kündigungsprozesse. Denn die Betroffenen unterschreiben einen Aufhebungsvertrag und wechseln mit einem neuen Vertrag in die Transfergesellschaft.

Kommentare (2)

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Profit

27.03.2012, 11:05 Uhr

"Im Grunde sind Transfergesellschaften Geldverschwendung. Es gibt keinen Beleg dafür, dass ihre Betreiber den Betroffenen schneller aus der Arbeitslosigkeit helfen, als es bei der normalen Betreuung der Arbeitsagenturen der Fall ist", sagt Hilmar Schneider, Direktor Arbeitsmarktpolitik beim Forschungsinstitut Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn. Dem ist nichts hinzuzufügen. Subventionen jedweder Art sind Verschwendung und dienen lediglich als "kommunikativ-politisches" Argument nach dem Motto:" Wir haben etwas getan." Wer entlassen wurde, ist arbeitslos, ob mit Transfergesellschaft oder nicht. Verdient an derartigen Konstruktionen haben lediglich irgendwelche arbeitsrechtlich orientierte Juristen.

Mainzer

28.03.2012, 12:41 Uhr

Super Bericht!!!!
Welche Abfindungen will man bei einem insolventen Unternehmen den einfordern. Die maximal 2.5 Monatsgehälter die der Gesetzgeber einem Arbeitnehmer zugesteht, sofern nach Abschluß der Insolvenz überhaupt noch Masse zur Verteilung übrig ist. Alles Augenwischerei von neoliberaen
Predigern von denen es leider noch zu viele gibt.

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