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28.02.2013

13:51 Uhr

Falsch etikettierte Eier

Öko-Experte fordert schärfere Kontrollen für Bio-Produkte

Überfüllte Ställe, mangelnde Kontrollen, falsche Kennzeichnungen: Für die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau krankt die Öko-Branche gleich an mehreren Stellen. Es sei Zeit für schärfere Gesetze, heißt es.

Hühner in einem Stall eines Biohofs: Nicht in allen Betrieben werden die gesetzlichen Standards eingehalten. dpa

Hühner in einem Stall eines Biohofs: Nicht in allen Betrieben werden die gesetzlichen Standards eingehalten.

PotsdamNach dem Skandal um falsch etikettierte Eier und überbelegte Hühnerställe fordern Vertreter der Öko-Branche höhere Standards und schärfere Kontrollen für Bio-Produkte. „Bei den Legehennen im Bio-Bereich sind die gesetzlichen Mindestanforderungen zu niedrig und das bestehende Kontrollsystem überfordert“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL), Michael Wimmer, der Nachrichtenagentur dpa.

Vor allem im Geflügel-Gewerbe gebe es auch bei Bio-Betrieben ein Kontrollproblem. „Beim Geflügel haben wir schon lange keine bäuerliche Landwirtschaft mehr. Das ist ausschließlich eine kostenoptimierte industrielle Produktion von Ei und Hähnchenfleisch“, kritisierte Wimmer.

Viele Kleinbauern seien von den großen Betrieben abhängige Tagelöhner. Im Hintergrund würden zwei Großkonzerne die Strippen ziehen, sagte Wimmer. Um die gestiegene Nachfrage nach Bio-Eiern schnell zu befriedigen, gebe es mittlerweile Ställe mit bis zu 15.000 Hennen.

Wer alles Pferd gefunden hat

Aldi Nord

In „Tiefkühl Penne Bolognese 750 g“ und „Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind“ hat Aldi Nord Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax sei nur in den Regionalgesellschaften im Raum Magdeburg, im Raum Süd-Ost-Berlin, in Süd-Ost-Brandenburg und in Hoyerswerda vertrieben worden. Die „Tiefkühl Penne Bolognese“ eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden.

Ende Februar nahm Aldi Nord zudem Zigeuner Hacksteaks des Lieferanten Wingert Foods aus dem Sortiment.

Aldi Süd

Aldi Süd nahm Dosen-Ravioli und -Gulasch aus den Regalen. Bei Analysen wurden bei den Produkten nach Angaben des Discounters "Anteile von Pferdefleisch" nachgewiesen. Es handelt sich demnach um "Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)" der Eigenmarke "Cucina" vom Lieferanten BLM sowie um "Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)" des Lieferanten Omnimax, das ausschließlich in Nordrhein-Westfalen verkauft wurde.

Edeka

Edeka stellte in Stichproben von Lasagne der Eigenmarke "Gut & Günstig" nach eigenen Angaben "geringe Pferdefleisch-Anteile" fest. Der Verkauf des Tiefkühlprodukts wurde gestoppt. Deutschlands größte Supermarktkette prüft weitere Artikel. Bei anderen Produkten liegen demnach aber bislang "keine Hinweise auf vergleichbare Probleme" vor. Laut Verbraucherzentrale Hamburg wurden auch Filialen der regionalen Supermarktkette Konsum Leipzig in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Edeka-Lasagne beliefert.

Eismann

Eismann stellte in zwei Lasagne-Produkten Pferdefleisch fest. Den Verkauf der betroffenen Ware stoppte der Tiefkühl-Heimservice nach einem ersten Verdacht. Verbraucher können die Ware Eismann-Verkäufern zurückgeben und bekommen das Geld zurück. Weitere Produkte neben der Lasagne sind laut Eismann nicht betroffen.

Ikea

Tschechische Behörden haben Ende Februar in gefrorenen Hackbällchen („Köttbullar“) Pferde-DNA nachgewiesen.

Kaiser's Tengelmann

Kaiser's Tengelmann nahm Lasagne der Eigenmarke A&P aus dem Verkauf. Die Supermarktkette rechnet inzwischen fest damit, dass das Tiefkühl-Produkt neben Rindfleisch auch Pferdefleisch enthält. Kaiser's Tengelmann wurde eigenen Angaben zufolge vom französischen Hersteller Comigel offiziell informiert, dass die von ihm für seine Kunden hergestellten Fertiggerichte "durchgängig Anteile von Pferdefleisch enthalten". Kaiser's Tengelmann hat auch eigene Tests beantragt, deren Ergebnis noch nicht bekannt ist.

Lidl

Lidl stoppte in Deutschland den Verkauf von Rindfleisch-Tortelloni der Eigenmarke Combino, nachdem Kontrolleure in Österreich darin Anteile von Pferdefleisch gefunden hatten. Der Hersteller der Nudelprodukte, Hilcona aus dem Fürstentum Liechtenstein, erklärte, er verarbeite selbst kein Frischfleisch, sondern beziehe dieses von Lieferanten. Das mit Pferdefleisch durchsetzte Rindfleisch für die Tortelloni lieferte demnach die Firma Vossko aus Ostwestfalen. Sie wiederum prüft nun, welcher ihrer Lieferanten rohes Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte.

Real

Real rief "TiP Lasagne Bolognese, 400g, tiefgekühlt" zurück. Bei Laboruntersuchungen mit dem Produkt der Eigenmarke war in "einzelnen Stichproben" Pferdefleisch gefunden worden.

Rewe

Rewe nahm sowohl Produkte aus dem Sortiment, welche die Supermarktkette unter ihrem eigenen Namen verkaufte, als auch Produkte eines Markenherstellers. Betroffen sind "Rewe Chili con Carne" und "Rewe Spaghetti Bolognese", die laut Rewe vom Unternehmen SGS Geniesser Service hergestellt wurden, sowie "Mou Lasagne Bolognese" und "Mou Cannelloni Bolognese" der Marke Tulip. Bei den Produkten der Eigenmarke und des Markenherstellers konnten die Produzenten Rewe zufolge nicht ausschließen, dass diese Anteile von Pferdefleisch enthalten.

Nestlé

Bei Tests sei Pferde-DNA in zwei Nudel-Produkten nachgewiesen worden, für die ein deutsches Unternehmen Fleisch geliefert habe, teilte der Schweizer Konzern in einer Erklärung mit. Die in Italien und Spanien verkauften Sorten Buitoni-Rindfleischravioli und Rindfleisch-Tortellini seien daraufhin sofort freiwillig vom Markt genommen worden. In Deutschland würden diese Gerichte nicht vertrieben.

In Niedersachsen sollen Millionen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung sowie Bio-Betrieben vor allem als angebliche Bio-Eier vermarktet worden sein. Die Legehennen sollen in überfüllten Ställen aber nicht so gehalten worden sein, wie es für die Produktion von Bio-Eiern vorgeschrieben ist. In den Negativ-Schlagzeilen sieht Wimmer eine Chance für die Öko-Branche. „Die Gesellschaft wird dadurch hoffentlich wachgerüttelt und bekommt die Augen geöffnet, was für Auswüchse es in der deutschen Landwirtschaft gibt“, sagte er.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

14.03.2013, 14:11 Uhr

Es braucht weder schärferer Gesetze (die dann doch wieder nicht eingehalten werden) noch mehr Kontrollen (die offensichtlich schon jetzt nur oberflächlich sind) sondern eine ausnahmslose Benennung aller kontrollierter Betriebe mitsamt der Veröffentlichung der Ergebnisse.

FreundHein

19.03.2013, 11:08 Uhr

Die Tendenz in der Biobranche Transparenz zu fürchten wie der Teufel das Weihwasser ist in der Tat bedenklich.

Dabei haben die Pioniere mal mit "Seht her, es geht auch anders!" angefangen.

Mittlerweile sickert das miese Geld auch in Ökobranchen, z.B. von Areva (Framatome) oder Rosatom. Und die Bundesregierung erhöht den Kostendruck auf die Branche, damit noch mehr bisher unabhängige Firmen nach dem Strohhalm greifen.
Der Name bleibt, die Besitzer und (realen) Grundsätze werden dann aber schnell ausgewechselt.

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