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07.01.2017

17:17 Uhr

Fashion Shows 2017

Unisex wird zum neuen Trend

Gucci, Bottega Veneta, Kenzo, Calvin Klein: Immer mehr Labels zeigen 2017 ihre Männer- und Damenmode zusammen. Das System „Fashion Show“ ist im Umbruch. Für Modeschöpfer eine „natürlichen Konsequenz“.

Models präsentieren Mode von Gucci für die Saison Frühjahr/Sommer 2017. dpa

Mode 2017

Models präsentieren Mode von Gucci für die Saison Frühjahr/Sommer 2017.

London/BerlinKaum hat das Jahr begonnen, ist auch schon wieder Fashion Week. Am Freitag begannen die Londoner Männerschauen. Die Berlin Fashion Week folgt dann vom 17. Januar bis 19. Januar. Im Anschluss geht es rastlos weiter bis zum 8. März, dem Schlusstag der Pariser Prêt-à-porter, traditionell das Finale der wichtigsten Trendevents. Doch hinter diesem Programmablauf sind Prozesse im Gange, die das ganze System ins Wanken bringen könnten. Einige sprechen bereits von einer Revolution.

Der Aufruhr begann im Februar 2016. Damals verkündete Christopher Bailey, der kreative Kopf von Burberry, er werde künftig die Frauen- und Männermode in einer einzigen Show präsentieren. Und alles, was auf dem Laufsteg zu sehen ist, kommt umgehend in die Geschäfte.

Die Branche war perplex. Zu unumstößlich galten ein paar Grundsätze: Zeitlich getrennte Termine für die Frauen- und Männerkollektionen. Und gezeigt wird Mode für die übernächste Saison. So waren schließlich Produktionsabläufe, Ordertermine und Lieferrhythmen ausgerichtet. Burberry stellte also ein ganzes System in Frage.

Jetzt, kurz vor der neuen Schauenrunde, zeigt sich: Immer mehr Modehäuser entscheiden sich für die gemischte Show. Darunter sind mit Gucci, Bottega Veneta, Dsquared2, Kenzo, Paul Smith und Calvin Klein einige der bekanntesten Namen.

„Diese Entscheidung ist die natürliche Konsequenz aus meiner Sicht auf die Mode, die Frau und Mann als Einheit versteht“, so begründet Guccis Kreativchef Alessandro Michele diesen Schritt. Ähnlich hört es sich bei Dan und Dean Caten an, den beiden Machern hinter Dsquared2: „Wenn wir Mode für den Mann entwerfen, denken wir automatisch auch an die Frau - und umgekehrt.“

Vielleicht gibt es aber auch wirtschaftliche Gründe. „Das Luxussegment wächst nicht mehr so stark. Durch eine Zusammenlegung der Schauen lassen sich Kosten sparen“, wie Michael Werner, Chefredakteur des Branchenmagazins „TextilWirtschaft“, anmerkt. Immerhin steckt in einer Show, je nach Aufwand, ein hoher sechsstelliger Betrag, nicht selten sogar mehr.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Noch radikaler ist aber der Ansatz, der sich hinter „see now buy now“ verbirgt, der sofortigen Verfügbarkeit der auf dem Laufsteg gezeigten Mode. Es wäre die Umwandlung der Trendvorschau zum Verkaufsevent. Bereits vollzogen haben diesen Wechsel neben Burberry unter anderem auch Tommy Hilfiger und Tom Ford.

Möglich wurde das erst durch das Internet. Die Shows, früher ausgewählten Journalisten und Einkäufern vorbehalten, flimmern heute per Live-Stream auf jeden Computer. Und dann, so das Argument der „see now buy now“-Befürworter, könnte man die dort gezeigte Mode doch gleich den aktuellen Konsumbedürfnissen der Menschen anpassen.

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Michael Werner hält dagegen: „Luxus definiert sich auch über Begehrlichkeit, Entschleunigung und Limitierung.“ Aus diesem Grund halten zum Beispiel auch die großen französischen Traditionshäuser wie Hermès, Louis Vuitton oder Dior derzeit (noch) nichts von dieser Idee.

Auf den kommenden Fashion Weeks in London, New York, Mailand und Paris dürfte das Nebeneinander der verschiedenen Konzepte nun für einige Verwirrung sorgen - selbst bei den professionellen Besuchern. Und allen ist schon jetzt klar: den einen richtigen Weg für alle wird es nicht geben. „Allein die Tatsache, ob ein Label vor allem über eigene Geschäfte oder den Fachhandel verkauft, kann Einfluss auf die Ausrichtung der Show haben“, gibt Michael Werner ein Beispiel für die Komplexität der Modebranche.

Zudem: Fashion Shows waren immer schon in erster Linie ein Marketinginstrument. Die dort vorgeführte Mode bildet stets nur einen kleinen Teil der Kollektion eines Designers ab. Und an diesem Prinzip ändert auch „see now buy now“ nichts.

Von

dpa

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