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11.06.2012

16:51 Uhr

Fehlende Investitionen

Deutschlands Nahverkehr steht vor dem Kollaps

VonDieter Fockenbrock

Der deutsche Nahverkehr ist chronisch unterfinanziert. Viele Bahnen gehören auf den Schrottplatz, den Städten fehlen Milliarden für die Netzsanierung, erste Strecken werden stillgelegt. Der Leidtragende ist der Kunde.

Ein Verbotsschild vor leeren Straßenbahnschienen. dpa

Ein Verbotsschild vor leeren Straßenbahnschienen.

DüsseldorfJeder Deutsche, der morgens mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit pendelt, kennt diese Durchsage: „Wegen einer Störung im Betriebsablauf verspätet sich die Bahn heute um wenige Minuten“. Dann ist der Ärger groß - am Bahnsteig wird wütend geschnaubt, geschimpft und gemeckert.

Andere hingegen reagieren mit Gelassenheit: Warum soll man sich über den täglichen Irrsinn im deutschen Nahverkehr noch aufregen? S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn: überall dasselbe Bild. Doch die Lage wird Tag für Tag schlimmer. Am augenscheinlichsten ist das im Ruhrgebiet.

Die Mülheimer Verkehrsbetriebe haben zwei Kilometer der Straßenbahnlinie 104 kurzfristig stillgelegt. Die Strecke ist so marode, dass sie nicht mehr sicher befahren werden kann. Was Kommunalpolitiker und Bürger der Ruhrgebietsstadt mächtig aufregt, schlägt überregional keine Welle. Dabei ist die scheinbar unbedeutende lokale Bankrotterklärung ein Alarmsignal für den Zustand des gesamten öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) der Republik.

Bahnen und Busse, die längst auf den Schrott gehören, und Steuerungstechnik, die eigentlich nur noch in Museen zu finden ist, sind Normalität. Den Städten fehlen die Mittel zur Sanierung, von Neubau ganz zu schweigen. Nach einer Studie der Intraplan Consult staute sich bundesweit der Ersatzbedarf 2008 schon auf 2,5 Milliarden Euro, jährlich kommen rund 550 Millionen Euro hinzu.

Heute sind es schon mehr als 3,6 Milliarden Euro, die wegen leerer Kassen nicht investiert wurden. Der Nahverkehr, so das ernüchternde Resümee der Studie, „fährt auf Verschleiß“. Betriebsstilllegungen wie in Mülheim gehören bald zur Tagesordnung.

Kommentare (50)

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charles@engadin

11.06.2012, 17:16 Uhr

is ja nicht so schlimm,
es reicht dem Deutschen doch, wenn er die Leistung in alle Herren Länder, an die "Griechen und Spanier dieser Welt" verkauft...

... und am Ende die Rechnung auch noch mit seinen eigenen Steuergeldern bezahlt.
[...] [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

Petra

11.06.2012, 17:23 Uhr

Richtig! Zwischenzeitlich kommt bei unseren Politikern zuerst Europa, dann ganz lange nichts und dann Deutschland! Traurig, traurig, ....

Account gelöscht!

11.06.2012, 17:24 Uhr

Die gesamte Infrastruktur zerfällt. Die unterlassenen Ersatzinvestitionen zeigen, wie man von der Substanz lebt. Erst unter Eichel und Schröder das ganze Bundesvermögen verramscht, dann ein Jahrzehnt von der Substanz gelebt wie in der DDR. Die fehlenden Investitionen und die Abnutzung des öffentlichen Kapitalstocks bedeuten unter dem Strich, dass die Verschuldung zunimmt und gleichzeitig das Vermögen schrumpft. Die Haushaltslage ist durch die kamerale Buchhaltung vollkommen obsolet. Wir steuern auf die Pleite ohne Wiederkehr zu. Nach dem Motto, die nächste Generation darf es bezahlen. Aber die Hauptsache dass Politiker wie Kraft und Wowereit gewählt werden. Die haben das zu verantworten.

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