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03.08.2011

17:13 Uhr

Feldbetten und Spielzeug

Unternehmen rüsten sich für Lotsenstreik

Mit Mann und Maus im Einsatz: Deutsche Unternehmen bereiteten sich auf das drohende Chaos durch einen Fluglotsenstreik vor. Ein Gericht könnte ihn ganz knapp in letzter Minute abwenden.

Ein Einweiser auf dem Vorfeld des Flughafens Düsseldorf. Quelle: dpa

Ein Einweiser auf dem Vorfeld des Flughafens Düsseldorf.

DüsseldorfNoch hat das Frankfurter Arbeitsgericht nicht entschieden, ob der Streik der Fluglotsen rechtens ist. Deutsche Unternehmen haben sich sicherheitshalber auf den Fall der Fälle vorbereitet: Während die Airlines an Ersatzflugplänen für die angedrohte Streikzeit am Donnerstag ab 06.00 Uhr feilen, organisieren die Flughäfen zusätzliches Personal und Versorgungsmaterial.

Hilfreich seien die Erfahrungen aus der Zeit der isländischen Aschewolke aus dem Vorjahr gewesen, wie ein Verantwortlicher in Frankfurt berichtete. Die Passagiere wurden aufgefordert, sich bei ihren Fluggesellschaften über mögliche Flugverlegungen und Alternativen zu erkundigen.

Auch die großen Autovermieter und die Deutsche Bahn treffen Vorkehrungen für Streik: An den Flughäfen würden mehr Fahrzeuge als sonst üblich vorgehalten, teilten die Hertz und Avis mit. Erfahrungen von anderen Streiks zeigten jedoch, dass sich Reisende gut auf solche Situationen einstellten. Da in der Urlaubszeit weniger Geschäftsreisende unterwegs seien, stünden ohnehin mehr Mietwagen zur Verfügung, sagte ein Sprecher von Sixt.

Auch die Bahn ist vorbereitet

Bei der Deutschen Bahn laufen ebenfalls die Vorbereitungen für einen Streik der Fluglotsen. „Wir beobachten das genau und führen Gespräche mit den Fluglinien“, sagte ein Bahnsprecher. Sollte tatsächlich gestreikt werden, setze die Bahn alle zur Verfügung stehenden Züge ein.

Was tun, wenn der Flug ausfällt?

Wer hilft, wenn mein Flug vom Streik betroffen sein könnte?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch die Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten meist ausführliche Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Was kann ich tun, wenn mein Flug ausfällt?

Wird ein Flug wegen eines Streiks gestrichen, kann man ihn entweder stornieren oder umbuchen. Bei einer Stornierung bekommt man das Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will und den Flug umbucht, hat Anspruch auf einen späteren Flug - das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist.

Was ist, wenn sich mein Flug verspätet?

Bei Flügen über eine Strecke von bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste laut EU-Verordnung ab einer Wartezeit von zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen. Dazu gehören Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel.

Welche Wartezeiten gelten bei Langstreckenflügen?

Bei Langstreckenflügen müssen Passagiere länger warten, bis ihnen die sogenannten Betreuungsleistungen zustehen: Auf einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Muss ich trotzdem pünktlich am Flughafen sein?

Ja, auch bei einer absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Bekomme ich eine Entschädigung, wenn mein Flug wegen des Streiks ausfällt?

Nein, bei Streiks gibt es keine Entschädigung. Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen deshalb nichts.

Welche Regeln gelten bei Pauschalreisen?

„Reisende können bei einem Fluglotsenstreik keinen Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden einklagen“, sagt der Hannoveraner Rechtsanwalt und Reisespezialist Paul Degott. Allerdings haben Urlauber Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises für nicht erbrachte Leistungen. Beginnt der Urlaub also wegen des Fluglotsenstreiks erst drei Tage später, muss der Veranstalter beispielsweise auch die Kosten für die entgangenen Hotelübernachtungen zurückerstatten.

Kann ich komplett von einer Pauschalreise zurücktreten?

Reisende können komplett von einem Pauschalurlaub zurücktreten, wenn der Abflug durch den Fluglotsenstreik erheblich verzögert wird: „Wenn der Wert der Reise um 30 bis 50 Prozent, also erheblich gemindert ist, können Reisende nach Vorankündigung von der Reise zurücktreten. Sie bekommen den Reisepreis komplett zurückbezahlt“, sagt Reiserechts-Experte Degott.

Was passiert, wenn ich Hotel und Mietwagen selbst gebucht habe?

Wer Hotel oder Mietwagen selbst gebucht hat und wegen des Fluglotsenstreiks zu spät in den Urlaub startet, bleibt auf den Kosten sitzen: Beim Hotel oder der Mietwagenfirma kann man keine Leistungsminderung wegen des verspäteten Fluges geltend machen.

Die Vorbereitungen mussten unabhängig vom Verfahren beginnen, das am Arbeitsgericht in Frankfurt stattfindet. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hatte eine einstweilige Verfügung gegen den von der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) beschlossenen Streik beantragt. Als letzten Trumpf zur Verhinderung des Arbeitskampfes hatte die DFS zudem die Möglichkeit, die Schlichtung auszurufen und damit eine sofortige Friedenspflicht auszulösen. Die GdF hatte das Unternehmen mehrfach zu diesem Schritt aufgefordert. Zuvor sollte das Arbeitsgericht aber noch klären, ob rechtlich unzulässige Dinge gefordert wurden, wie die DFS-Geschäftsführung annimmt.

Die Fluglotsen drohten mit einem sechsstündigen Streik am Donnerstagvormittag. Bei einem Streik wollten sie lediglich einen Notdienst aufrechterhalten, so dass tausende Flugverbindungen auszufallen drohten. Die Lotsen und andere Tarifbeschäftigte der DFS wollen ihre Forderungen nach 6,5 Prozent mehr Geld, aber vor allem nach mehr Einfluss im Unternehmen durchsetzen. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) warnte vor einem Streik „auf dem Rücken vieler Urlauber“.

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