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20.06.2013

07:41 Uhr

Fernbus-Verkehr

An den Rand gedrängt

VonCarina Kontio

Seit der Weg frei ist für Fernbusse, wittern immer mehr kapitalstarke Player das große Geschäft. Aldi, Bahn und Post schieben sich in den Markt und drängen die kleinen Start-ups an den Rand. Der Preiskampf ist eröffnet.

Der zentrale Fernbusbahnhof am Breslauer Platz in Köln. Nicht gerade das angenehmste Plätzchen hinter dem Hauptbahnhof. (Foto: Carina Groh-Kontio)

Der zentrale Fernbusbahnhof am Breslauer Platz in Köln. Nicht gerade das angenehmste Plätzchen hinter dem Hauptbahnhof.

(Foto: Carina Groh-Kontio)

DüsseldorfKein Durchkommen mehr: Die Bushaltestellen an der Südseite des Frankfurter Hauptbahnhofs sind überfüllt. Riesige hochmoderne Fernbusse bahnen sich mühsam ihren Weg durchs Verkehrschaos. Um den Parkplatz herum wimmelt es von Straßenbahnen, Taxis, Fußgängern, Radfahrern und Autos. Haltebuchten gibt es nicht, nur Busstreifen. Gruppen mit viel Gepäck stehen auf den Gehwegen – Bänke oder gar Unterstellmöglichkeiten bei Regen suchen die Fahrgäste vergeblich.

Ähnlich problematisch ist es in Köln. „Für mich war es gar nicht so leicht zu erkennen, welche Linie überhaupt wo hält“, sagt die Studentin Saija L., die von Köln nach Frankfurt gefahren ist. „Da gerät man schnell in Panik, weil man seinen Bus nicht verpassen will.“ Das Gedränge ist das Symptom einer Branche, die im Zeitraffer wächst. Seit der vollständigen Liberalisierung des Fernbusverkehrs zu Jahresbeginn wird es an Deutschlands Busbahnhöfen immer enger und so schnell wird sich wohl auch keine Lösung finden.

Die wichtigsten Fragen zum Fernbus

Welche Linien fahren welche Städte an?

In Deutschland gibt es Busgesellschaften, die zum Teil nur einzelne Fernbuslinien bedienen, während andere Anbieter fast alle großen Städte des Landes und auch Ziele im europäischen Ausland ansteuern. Alle Routen und ihre Preise zu vergleichen, ist für den Reisenden fast unmöglich.

Wo kann man Fahrkarten kaufen?

Fahrkarten für den Fernbus können bei den jeweiligen Busgesellschaften erworben werden. Am einfachsten geht das über deren Internetseiten. Einige Anbieter verkaufen ihre Tickets auch über Reisebüros oder andere Verkaufsstellen in größeren Städten.

Was kosten Fernbus-Karten?

In der Regel ist die Fahrt mit dem Fernbus günstiger als mit allen anderen Verkehrsmitteln – selbst mit der Bahn. Wer direkt beim Anbieter bucht, geht meist sicher, dass er den günstigsten Fahrpreis zahlt. Reist man mit mehreren Personen, ist mitunter auch eine Gruppenermäßigung drin.

Wo findet man Sparangebote und Aktionen?

Der zunehmende Wettbewerb zwischen den Anbietern von Fernbusfahrten kommt dem Kunden zugute. Sie profitieren von Spar- und Aktionspreisen sowie Rabatten, beispielsweise für Frühbucher. So sind Fahrpreise von wenigen Euro selbst für lange Strecken keine Seltenheit. Zu finden sind die Angebote auf den Internetseiten der Busgesellschaften.

Sind Fahrkarten übertragbar?

Je nach Anbieter können bereits gekaufte Fahrkarten auf einen anderen Namen ausgestellt werden. Dabei kann eine Gebühr anfallen, insbesondere wenn die Änderung des Namens kurzfristig erfolgt.

Lassen sich Karten umbuchen oder stornieren?

Häufig ist eine Umbuchung auf eine andere Zeit – zum Teil auch kostenlos – möglich, allerdings unterscheiden sich die Bedingungen der Anbieter in Bezug auf die Gebühren und auch den Zeitraum, indem eine Umbuchung möglich ist. Eine Stornierung ist wie die Buchung meist problemlos über das Internet möglich, jedoch fällt hier meist eine Stornogebühr an.

Wie viel Gepäck ist erlaubt?

Üblich im Fernbus sind Gewichte und Mengen wie beim Fliegen, dennoch gibt es Unterschiede zwischen den Anbietern. Reist man mit mehr als nur Handgepäck, empfiehlt es sich daher, vor Fahrtantritt genauerer Informationen bei der jeweiligen Busgesellschaft einzuholen. Schwere und sperrige Gegenstände wie Sportgeräte, Musikinstrumente oder große Koffer können meist gegen eine zusätzliche Gebühr mitgenommen werden. Rollstühle und Kinderwagen fahren kostenlos mit. Wichtig: Sperrgepäck rechtzeitig anmelden!

Darf ein Fahrrad mit?

Manche Busgesellschaften erlauben die Mitnahme eines Fahrrades. Dafür fallen in der Regel Extra-Kosten von einigen Euro an.

Darf ein Haustier mit?

Das Mitnehmen von Haustieren ist meist nicht erlaubt. Davon ausgenommen ist das Mitführen eines Blindenhundes.

Sind Fernbusse barrierefrei?

Im Zuge der Novellierung des Personenbeförderungsgesetzes wurde auch die Barrierefreiheit von Fernbussen beschlossen. Demnach muss jeder Fernbus mit zwei Plätzen für Rollstuhlfahrer ausgestattet sein. Allerdings wurde den Busgesellschaften eine Übergangsfrist bis 2016 eingeräumt. Bereits angeschaffte Busse müssen gar erst 2019 barrierefrei sein.

Bekommen Schwerbehinderte Ermäßigungen?

Gegen Vorlage eines Schwerbehindertenausweises gewähren die Busgesellschaften Ermäßigungen. Rollstühle, orthopädische Hilfsmittel wie Krücken und ggf. eine Begleitperson dürfen kostenlos mit an Bord. Voraussetzung ist natürlich ein entsprechender Nachweis sowie eine rechtzeitige Anmeldung.

Quelle

„Gut ausgebaute Haltepunkte für Fernbusse gibt es derzeit nur in Hamburg, München und am Alexanderplatz in Berlin,“ sagt der Geschäftsführer von Flixbus, Jochen Engert. „Frankfurt und Köln sind die problematischsten Haltepunkte. Dort herrscht teilweise wilder Westen.“ Es gibt immer wieder Revierkämpfe: Zwischen den Busfahrern, die ihre Ruhe- und Lenkzeiten streng einhalten müssen und nicht der Konkurrenz Platz machen wollen. Oder Fahrer, die Stress mit Autofahrern haben, die die Fläche zuparken. Das ist alles erst der Anfang. Denn wie im Goldrausch stürzen sich Unternehmen auf die Gäste, die wegen Unpünktlichkeit, mangelndem Service oder hohen Preisen von der Bahn abgeschreckt werden. So hat sich die Zahl der Fernbusstrecken innerhalb Deutschlands von gerade einmal 86 Linien Ende 2012 bis heute fast verdreifacht. Die Busse treffen auf eine Infrastruktur, die dafür nicht ausgelegt ist. Das könnte zum Hemmschuh für den noch jungen Markt werden.

Unklar sind anscheinend auch die Zuständigkeiten: Während die Busunternehmen über unvorbereitete Städte klagen, beschweren die sich über die Vorstellung der Firmen, alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen und weisen die Schuld am Getümmel von sich. Die Übernahme der Kosten für die Infrastruktur zu regeln, habe „der Bund bei seiner Freigabe des Busfernverkehrs vergessen“, sagt Wulfila Walter, Büroleiter des Planungsdezernates der Frankfurter Stadtverwaltung. So würden die Kosten für den Bau und Unterhalt von zentralen Haltestellen an der Stadt hängen bleiben. „Wir versuchen hier eine kooperative Lösung mit den Verantwortlichen zu finden“, sagt Flixbus-Gründer Engert. Doch es tut sich wenig.

Kommentare (37)

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Frieda

20.06.2013, 08:31 Uhr

Bahnfahrten sind zu teuer und die Fernbusse sind eine notwendige Alternative um die Bahn einem Wettbewerb auszusetzen.

Deshalb ist es ein grober Fehler gerade der Bundesbahn den Einstieg in den Fernbusverkehr zu erlauben. Ich denke, dass das nicht weiter erklärt werden muss.

Was denken sich eigentlich unsere sog. Experten in Berlin ?

Harry-Willi

20.06.2013, 08:43 Uhr

umweltfreundlich? Was ist daran bitte umweltfreundlich, wenn auf einer Strecke, auf der bislang ein wirklich umweltfreundlicher Zug fährt, nun zusätzlich ein Fernbus die Straßen verstopft????

Account gelöscht!

20.06.2013, 08:55 Uhr

Bis zum Privatisierungswahn hatten wir ein Bahnnetz, um das uns viele beneideten. Mit steigendem Verkehrsaufkommen rendiert sich die Bahn immer mehr - die Infrastruktur verteilt sich auf immer mehr Güter. Leider gilt dies auch umgekehrt, wenn die rentablen Linien (und nur die) durch Busse ersetzt werden. Die sog. "Investoren" picken sich nur die Rosinen heraus. Die Versorgung der Fläche muß dann wieder der Staat zahlen.
Warum wird nicht der Ausbau der Bahn forciert? Ist die Lobby der Fahrzeughersteller so groß? Oder afft man nur wieder die Amerikaner nach?

Die Infrastruktur für Busse ist nicht vorhanden, dafür müssen die Betreiber aufkommen, nicht der Stuerzahler!!! Und schon ergibt sich ein ganz anderes Bild - schnell sind die Busse nicht mehr rentabel. Rentabilität ist nur zu erreichen wenn der Steuerzahler den Ausbau der Busbahnhöfe und Straßen subventioniert. Aber leider wird die derzeitige Regierung dies im Interessen der Konzerne durchzusetzen versuchen.

Schwachsinn bleiben die Buslinien dennoch.

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