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22.01.2010

15:03 Uhr

Fernbuslinien

Bald mit Bus statt mit Bahn unterwegs

VonDaniel Delhaes, Eberhard Krummheuer

Große Verkehrsunternehmen wollen Fernbus-Linien einrichten: Auch eine Deutsche Bahn-Tochter plant den Aufbau eines bundesweiten Netzes. Dazu müsste der Bund den Markt öffnen und das Schutzgesetz zugunsten der Schiene lockern - bisher waren Busverbindungen zwischen Städten nur in sehr begrenztem Rahmen möglich.

Reisende könnten bald schon mit dem Bus billiger durchs Land kommen als mit der Bahn. dpa

Reisende könnten bald schon mit dem Bus billiger durchs Land kommen als mit der Bahn.

BERLIN/DÜSSELDORF. Der bislang weithin limitierte Markt für Fernbuslinien in Deutschland kommt in Bewegung. Neben dem französischen Konzern Véolia Verkehr will auch die ehemalige Deutsche Bahn-Tochter Deutsche Touring, die seit 2005 spanischen und portugiesischen Buskonzernen gehört, bundesweit ein Fernbusnetz aufbauen. Die Bundesregierung plant, den Markt zu öffnen und dazu das Personenbeförderungsgesetz zu ändern.

Touring schmiedet derzeit Kooperationen mit anderen Busbetreibern. „Wir setzen auf mittelständische Unternehmen und wollen in einem partnerschaftlichen Verbund auftreten“, sagte Geschäftsführer Roderick Donker van Heel dem Handelsblatt. Mit den Partnern soll ein gemeinsamer Fahrplan aufgestellt werden. Die Anlaufkosten müsse man sich teilen, sagte van Heel. Véolia hat den Antrag auf Genehmigung von drei Fernbuslinien beim Regierungspräsidium Düsseldorf eingereicht, für Linien von Essen nach Kiel sowie von München nach Mönchengladbach und Essen. Nach der bisherigen Gesetzeslage aus den 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts ist es nur in sehr begrenztem Rahmen möglich, Busverbindungen zwischen einzelnen Städten anzubieten. Dadurch wollte der Gesetzgeber bislang den Schienenverkehr schützen – nicht zuletzt wegen der hohen staatlichen Investitionen in die Netze. Die Koalition will sich aber laut Koalitionsvertrag von diesem Schutz verabschieden. Derzeit befragt das Verkehrsministerium die für den Nahverkehr zuständigen Bundesländer und die betroffenen Wirtschaftsverbände. Die Liberalisierung könnte nach internen Planungen dann Mitte des Jahres 2011 inkrafttreten.

Die Deutsche Bahn wollte sich zu dem Thema nicht äußern. Man bespreche das Problem intern mit dem Eigentümer Bund, sagte ein Sprecher. Der Schienenkonzern ist einer der größten Fernbus-Betreiber im Lande. Über die Tochter DB Stadtverkehr und deren regionale Unternehmen wie die Kieler Autokraft oder Berlin Linien Bus werden unter anderem von Berlin aus Hamburg und die Ostseebäder, Dresden und Kopenhagen bedient. Ein Doppeldecker-Bus in ICE-Ausstattung fährt zudem auf der Strecke Nürnberg–Prag auf der Autobahn schneller, als es auf Schienen möglich wäre. Die Touring betreibt internationale Linienverbindungen und ist in Deutschland bisher nur auf der Strecke Mannheim–Hamburg unterwegs. Véolia ist Wettbewerber im regionalen Schienenverkehr und betreibt den Fernzug Interconnex von Rostock über Berlin nach Leipzig.

Touring-Chef van Heel sieht sich nicht als Konkurrenz zur Bahn. Das Potenzial für Busverkehre liege bei Kunden, die sich ein Bahnticket von 100 Euro nicht leisten können. Die Touring bietet bereits heute Tickets ab neun Euro an. Veolia Verkehr denkt ebenfalls an Billig-Angebote. „Wir verstehen es als unseren Auftrag, möglichst vielen Menschen ein hohes Maß an bezahlbarer Mobilität auf umweltschonende Weise zu ermöglichen", sagte Axel Sondermann, Chef der Veolia Verkehr. Denn die Fernbusse hätten eine sehr gute Ökobilanz.

Kommentare (2)

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Daniel

22.01.2010, 22:34 Uhr

Seltsam... hier in Dresden ist schon seit einiger Zeit der berlinLinienbus unterwegs. ich habe mir allerdings von Anfang an über den Sinn dieser busse den Kopf zerbrochen, denn sie fahren nur 4x täglich, sind anmeldepflichtig und brauchen länger als der, im 2-Stunden-Takt-verkehrende, iC. Das Argument "Kosten" kann ich allerdings nicht verstehen. So eine bahn transportiert schätzungsweise 1000 Leute pro Fahrt, so ein bus schafft vielleicht 100 - wie kann das billiger sein? Aus ökologischer Sicht kann so ein bus ebenfalls nicht optimal sein, zumal die bahn meist elektrisch fährt und ein Kraftwerk doch allemal bessere Wirkungsgrade haben sollte (ganz zu schweigen von der Möglichkeit, diese eines Tages durch sauberere Energiequellen auszutauschen).

Somit sehe ich weder finanziell noch ökologisch einen Vorteil bei bussen. Lediglich der Schienenbau könnte ein Kostenfaktor sein, aber wenn man den ÖPNV auf die Straße verlagert, müssen die Straßen öfter repariert werden - dass bezahlt dann halt der Staat, nicht das Verkehrsunternehmen... Außerdem: wenn beides angeboten wird, hat der SFNV die gleichen Kosten, bei geringeren Einnahmen, insgesamt bringt das also keine Verbesserung.

Wobei ich eher denke, dass die bahn einfach nur überhöhte Fahrpreise verlangt, die eigentlich gar nicht nötig sind.

ich hoffe jedenfalls dass diese busse dem bahn-Netz nicht schaden, denn bei weiteren Strecken ist bus-fahren ätzend. Denn da möchte ich entweder mein Netbook auspacken und im internet surfen, oder mich einfach nur zurücklehnen und schlafen. beides ist im Zug problemlos möglich, wohingegen busse, genau wie Autos einfach zu unruhig fahren was derartige Aktivitäten ausschließt. bleibt also nur noch die Option aus-dem-fenster-schauen, was auf der Autobahn aber auch nicht besonders schön ist, da man ja eh nur beton sieht, statt Wald.

Aber OK, ich bin ja zum Glück nicht der einzige der die bahn bevorzugt, was neben dem Fahrgastschwund bei Schienenersatzverkehr auch durch die "Renaissance der Straßenbahn" deutlich wird. in diesem Sinne hoffe ich, dass der Großteil bei der bahn bleibt, statt auf den billig-ÖPFV umzusteigen und sich irgendwann sagen "ÖPV ist Schrott, ich kauf mir ein Auto", denn genau das ist die Gefahr.

Guter ÖPV sollte für alle zur Verfügung stehen!

railrunner

24.01.2010, 03:09 Uhr

Also ich fahre jedes Wochenende Leipzig-Frankfurt mit dem iCE. Für mich unvorstellbar, mich statt dessen mit 100 Sachen im bus über die volle Autobahn schaukeln zu lassen.

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