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06.06.2013

19:11 Uhr

Finanzierungsprobleme

Wagniskapital für junge Unternehmen bleibt Mangelware

Für junge Unternehmen ist es in Deutschland nicht einfach: Denn so genanntes Wagniskapital spielt in Deutschland nur ein Schattendasein. Immer weniger wird in den Wirtschaftsnachwuchs investiert. Im Gegenteil zu den USA.

"Wir haben in Deutschland relativ wenig Gründerkapital", sagt auch Helge Braun, parlamentarischer Staatsekretär im Bundesforschungsministerium. dpa/picture alliance

"Wir haben in Deutschland relativ wenig Gründerkapital", sagt auch Helge Braun, parlamentarischer Staatsekretär im Bundesforschungsministerium.

BerlinJunge Unternehmen in Deutschland beklagen seit Jahren Finanzierungsprobleme. Es fehlt vor allem an Eigenkapital, das sie zum Aufbau der Firmen dringend benötigen. Da die Börse bei den oft sehr kleinen Unternehmen zumindest am Anfang ausscheidet, benötigen sie andere Geldquellen. Und da wird es eng: Denn so genanntes Wagniskapital spielt in Deutschland traditionell nur ein Schattendasein. Im vergangenen Jahr investierten entsprechende Fonds hierzulande 521 Millionen Euro - gut ein Viertel weniger als 2011, wie jüngste Daten des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) zeigen. Zum Vergleich: In den USA waren es 2012 knapp 27 Milliarden Dollar. Bekannte US-Technologiekonzerne wie Google sind auch mit Hilfe von Venture-Capital-Fonds groß geworden.

"Wir haben in Deutschland relativ wenig Gründerkapital", räumt Helge Braun ein, parlamentarischer Staatsekretär im Bundesforschungsministerium. Der Bund versucht, mit einigen Initiativen wie staatlichen Aufbauhilfen in die Lücke zu stoßen. Doch die Branche beklagt seit Jahren vor allem die nach ihrer Ansicht schlechten gesetzlichen Rahmenbedingungen, die insbesondere ausländische Investoren abschreckten. Sie fordert unter anderem steuerliche Anreize, um Geldgeber anzulocken. „Jede Öffnung ist aber immer auch missbrauchsbehaftet“, warnte Braun am Donnerstag auf einer BVK-Veranstaltung.

Unternehmensfinanzierung durch Banken (Ende 2012)

Kreditgeschäft rückläufig

Das von der Förderbank KfW ermittelte Kreditneugeschäft der Geschäftsbanken mit Unternehmen und Selbstständigen wird in den Wintermonaten 2012/13 gegenüber der Vergleichszeit des Vorjahres um etwa zwei Prozent schrumpfen. Auch im ersten Halbjahr 2013 bleibe das Wachstum des Neugeschäfts rückläufig, heißt es im KfW-Kreditmarktausblick.

Warum die Kreditvergabe schrumpft

Als Hauptgrund für die Entwicklung gilt laut KfW die Rezession in der Euro-Zone, die nun auch in Deutschland ankomme. Die Banken könnten jedoch mehr Kredite anbieten – auch wegen der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Keine Sorge vor Kreditklemme

Unternehmen, die derzeit Zugang zu Krediten suchen, haben gute Chancen, eine Finanzierung zu erhalten. Dafür sorge die Konzentration der deutschen Banken auf den Heimatmarkt und die Zurückhaltung der Banken beim Auslandsgeschäft, so die KfW.

Sparkassen beanspruchen Marktführerschaft

Zusammen mit den Landesbanken haben die Sparkassen nach Eingaben 42 Prozent Marktanteil bei Unternehmensfinanzierungen in Deutschland. Allein bis Ende November 2012 seien 62,8 Milliarden Euro an Darlehen an Firmenkunden ausgegeben worden – ein Plus von fast sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Banken verdienen gut

Die Banken haben in den vergangenen Monaten im Firmenkreditgeschäft gut verdient, allerdings dürfte der Höhepunkt jetzt erreicht sein. In den 18 Monaten bis September 2012 waren die Margen laut Barkow Consulting um 0,42 Prozentpunkt auf 1,95 Prozent gestiegen.

Investitionen von Wagniskapital machen nach Angaben des Europäischen Branchenverbands EVCA hierzulande nur 0,02 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. In Schweden beispielsweise sind es fast drei Mal soviel. „Der deutsche Markt würde das Zwei- oder Dreifache locker vertragen“, betont Wolfang Seibold, Partner bei Earlybird, einem der größten deutschen Wagniskapitalgeber. Er sieht neben den Rahmenbedingungen auch noch andere Gründe für den Kapitalmangel. Anders als in den USA gebe es hierzulande keine Stiftungen von Universitäten, die in Venture-Capital-Fonds investieren. Zudem hätten einige Versorgungswerke rechtliche Vorgaben, die solche Investments verböten. „Es ist in Deutschland sehr schwierig, an diese Töpfe heranzukommen und sie zu öffnen“, konstatiert Seibold.

Von

rtr

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