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31.07.2012

17:50 Uhr

Finanzierungsvorschlag

Praktiker lehnt Sanierungspaket von Großaktionär ab

Der Machtkampf bei der kriselnden Baumarkt-Kette Praktiker spitzt sich weiter zu. Vorstand und Aufsichtsrat lehnen ein Finanzierungsangebot ihres eigenen Großaktionärs ab. Stattdessen verhandeln sie weiter mit Anchorage.

Der Vorstand setzt weiter auf einen Kredit vom Hedgefonds Anchorage. dapd

Der Vorstand setzt weiter auf einen Kredit vom Hedgefonds Anchorage.

FrankfurtDer Machtkampf bei der kriselnden Baumarkt-Kette Praktiker spitzt sich weiter zu. Vorstand und Aufsichtsrat lehnten ein Finanzierungsangebot ihres eigenen Großaktionärs ab, der Wiener Privatbank Semper Constantia. Es sei gegenwärtig nicht beabsichtigt, in Verhandlungen über den alternativen Finanzierungsvorschlag einzutreten, teilte Praktiker am Dienstag in Hamburg mit. „Dem Vorschlag unseres Großaktionärs können wir uns nicht anschließen“, sagte Vorstandschef Kay Hafner. „Er ist vom Umfang her nicht ausreichend und bietet auch nicht die nötige Transaktionssicherheit.“

Praktiker ist durch seine Rabattpolitik („20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung“) zu einem Sanierungsfall geworden und sucht seit dem vergangenen Jahr einen Weg aus der Krise. Bei der Hauptversammlung Anfang Juli stimmten die Aktionäre einem Konzept des Vorstands zu, das neben einer Kapitalerhöhung auch einen Kredit des Hedgefonds Anchorage über 85 Millionen Euro zu einem Zinssatz von 16 bis 17 Prozent vorsieht. Praktiker braucht das Geld schnell, um zahlreiche Praktiker-Märkte auf die profitablere Konzernmarke Max Bahr umzuflaggen.

Die beliebtesten Baumärkte

Ruinöser Preiskampf

Experten sind sich weitgehend einig: In Deutschland gibt es schlichtweg zu viele Baumärkte. Unter diesen Bedingungen ist der Preiskampf hoch und die Margen gering. Es folgt eine Übersicht über die beliebtesten Baumärkte.

Platz 10

Auf Rang zehn liegt Marktkauf. 3,2 Prozent der befragten Deutschen gaben an, 2010 dort eingekauft zu haben. 32,7 Prozent der 23.000 Befragten gaben übrigens an, gar keinen Baumarkt besucht zu haben.

Platz 9

Auf Platz 9 landet Hellweg Baumarkt mit 3,7 Prozent.

Platz 8

Die Globus-Kette steht auf Rang acht: 4,6 Prozent der Befragten gaben an, hier eingekauft zu haben.

Platz 7

Max Bahr rangiert auf dem sechsten Platz mit einem Anteil von 5,5 Prozent.

Platz 6

Nicht unter den Top-Five steht Bauhaus, nämlich nur auf Rang sechs. Mit 9,3 Prozent liegt die Kette nur knapp hinter ...

Platz 5

... Hornbach. Die auch durch intensive TV-Werbung recht bekannte Kette kommt auf zehn Prozent.

Platz 4

Knapp davor rangiert mit 10,4 Prozent Hagebaumarkt.

Platz 3

Etwas überraschend liegen die Baumärkte von Toom vor der Konkurrenz von Hagebaumarkt und Hornbach. Allerdings nur knapp: 10,6 Prozent der Befragten gehen hier gern shoppen.

Platz 2

Mit deutlichem Abstand liegen die beiden Dickschiffe der Branche vorne. Die Silbermedaille geht an Praktiker. Die Kette befindet sich in einem umfangreichen Umbauprozess und musste dabei so manchen Rückschlag einstecken. 20,8 Prozent der Deutschen waren 2010 in einem der blau-gelben Märkte.

Platz 1

Branchenführer im Hinblick auf die Beliebtheit ist Obi. Der Wert liegt bei 26,3 Prozent.

Die österreichische Fondsmanagerin Isabella de Krassny, die neben den Anteilen der Semper Constantia auch den Fonds Mazeltov und damit rund 15 Prozent der Anteile vertritt, findet das zu teuer. Deshalb hat sie ein eigenes Konzept vorgelegt. Dabei fand sie in dem Investor Clemens Vedder einen Verbündeten, der allerdings relativ umstritten ist. Er will mit 30 Millionen Euro einsteigen, gegebenenfalls auch mehr. Vedder war an einer Reihe von Unternehmensdeals beteiligt, er wirft aber auch oft seinen Hut in den Ring, ohne dass es zu einem Abschluss kommt.

Hafner erklärte, bei dem Angebot der Semper Constantia gebe es eine Finanzierungslücke von 60 Millionen Euro. Der Vorstand gibt den Finanzierungsbedarf für die operative Restrukturierung mit rund 210 Millionen Euro an. Wegen der Lücke sei der Erfolg der Sanierung und der Bestand des Unternehmens durch das Angebot aus Österreich nicht hinreichend wahrscheinlich. Verschiedene Einzelelemente seien nicht umsetzbar und wegen der erforderlichen Verhandlungen auch die rechtzeitige Umsetzung der Finanzierung nicht gewährleistet. Deshalb setze der Vorstand weiter auf das Konzept, das bei der Hauptversammlung beschlossen worden sei.

Kommentare (1)

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Duester

31.07.2012, 18:56 Uhr

Diese Wucherzinsen von 16-17% kann doch kein Unternehmen erwirtschaften.

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