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26.05.2014

15:12 Uhr

Finanzspritze

Etihad startet mit Rettungsaktion für Air Berlin

Die arabische Fluglinie Etihad hilft der angeschlagenen Air Berlin. Die Gesellschaft mit Sitz im ölreichen Golf-Emirat Abu Dhabi will erneut Geld nach Berlin überweisen – ohne seinen Anteil zu erhöhen.

Etihad hält derzeit 29,2 Prozent der Aktien von Air Berlin. AFP

Etihad hält derzeit 29,2 Prozent der Aktien von Air Berlin.

FrankfurtDie arabische Fluglinie Etihad treibt die Rettung der angeschlagenen Air Berlin voran. Etihad habe den ersten Teil von Wandelanleihen im Volumen von insgesamt 300 Millionen Euro erworben, teilte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft am Montag mit. Zwei weitere Tranchen über jeweils 100 Millionen Euro werden aus heutiger Sicht Ende August und im November folgen.

Etihad hält derzeit 29,2 Prozent der Aktien des Lufthansa -Rivalen und hat die Konstruktion für die vor einem Monat angekündigte Finanzspritze aus zwei Gründen gewählt. Zum einen laufen die Wandelanleihen ewig und können den Bilanzierungsregeln zufolge dem Eigenkapital zugeschlagen werden. Für Air Berlin ein wichtiger Punkt: Ende März lastete ein negatives Eigenkapital von 400 Millionen Euro auf der Airline.

Zudem kann die Gesellschaft mit Sitz im ölreichen Golf-Emirat Abu Dhabi damit erneut Geld nach Berlin überweisen, ohne den Anteil zu erhöhen. Der Kniff: Etihad will die Anleihe gar nicht in Aktien tauschen - und da die Schuldverschreibung keine Laufzeit hat, muss die Fluglinie dies auch nicht. Ansonsten sähe es ganz anders aus: Im Falle der Wandlung würde der Anteil von Etihad auf knapp 90 Prozent springen. "Etihad hat erklärt, ihr Wandlungsrecht nur auszuüben, um eine Verwässerung ihrer gegenwärtigen Beteiligung zu verhindern oder falls sich die EU-Regeln für ausländische Beteiligungen an europäischen Luftfahrtgesellschaften ändern würden", erklärte Air Berlin.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Die arabische Fluglinie muss bei Air Berlin wegen gesetzlicher Hürden vorsichtig vorgehen. Unternehmen, die außerhalb der EU sitzen, dürfen nicht die Mehrheit an einer europäischen Fluggesellschaft erwerben, sonst gehen die Anflugrechte verloren. Die EU-Kommission hatte Anfang April angekündigt, ganz genau zu prüfen, ob Etihad über Gebühr Einfluss auf die Geschicke der Berliner nimmt.

Wegen eines übereilten Expansionskurses steht die mit ihrem "Mallorca-Shuttle" bekanntgewordene Air Berlin mit 800 Millionen Euro in der Kreide und schrieb in den vergangenen fünf Jahren nur einmal Gewinne. Ohne die neuen Wandelanleihen pumpte Etihad bereits eine halbe Milliarde Euro in die deutsche Fluglinie. Da die bisherigen Sanierungsanläufe nicht den erhofften Erfolg brachten, arbeitet die Air-Berlin-Spitze an einer Radikalkur. Das Magazin "Focus" zitierte einen hochrangigen Manager damit, dass als eine der Optionen eine Zweiteilung des operativen Geschäfts in klassische Linienflüge und Tourismusflüge diskutiert werde. In letzterem ist Air Berlin recht erfolgreich. Ein Air-Berlin-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

Von

rtr

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