Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2014

11:44 Uhr

Firmenzentrale verlegt

Haribo macht Bonn nicht froh

Der Süßwarenhersteller zieht weg aus seiner Heimat Bonn. Weil der alte Standort zu klein wird, soll die Firmenzentrale 2017 nach Rheinland-Pfalz verlegt werden. Ein bisschen Verbundenheit bleibt aber doch.

Die Goldbären ziehen um

Haribo kehrt Bonn den Rücken

Die Goldbären ziehen um: Haribo kehrt Bonn den Rücken

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfEigentlich müsste sich Haribo ab 2017 umbenennen. Deutschlands wohl bekanntester Süßwarenhersteller zieht weg aus Bonn; der Stadt, die der Gründer neben den jeweils ersten beiden Buchstaben seines eigenen Namens Hans Riegel mit dem „bo“ im Unternehmensnamen verewigte. Doch trotz der engen Verbundenheit mit der Heimat verlegt das Unternehmen seinen Standort 2017 in das 30 Kilometer entfernte Grafschaft.

Auf einer Fläche von 27 Hektar soll dann neben einem neuen Logistikstandort auch die neue Zentrale des Gummibärchenherstellers stehen. Schätzungen zufolge liegen die Investitionen bei 500 Millionen Euro. Haribo war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen Der neue Standort soll auch neue Arbeitsplätze bringen. Rund 300 neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden, heißt es. Die Gummibärchen selbst kommen vorerst aber weiter aus Kessenich, die Produktion wird dort bleiben, genau wie die Betriebsverwaltung.

Haribo: Vom Jahrmarkt auf den Weltmarkt

Gründung der Firma

1920 gründet Johann Riegel, genannt Hans, die Firma Haribo. Der Name ist eine Abkürzung: Er besteht aus den Anfangsbuchstaben des Namens sowie der Heimatstadt Bonn. Das Gummibärchen hieß anfangs übrigens noch Tanzbär, inspiriert von den Tieren auf den Jahrmärkten, wo Haribo die Leckereien verkaufte. Seit den 1920er Jahren produziert das Unternehmen außerdem Lakritz.

Die Söhne übernehmen

Die beiden Riegel-Söhne Hans und Paul übernehmen 1946, kurz nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft, den Betrieb – samt dem Rezept für die Gummibärchen. Paul leitet die Produktion, Hans den kaufmännischen Bereich. Parallel studiert er in Bonn Wirtschaftswissenschaften.

Effektive Werbung

Zur Bekanntheit der Marke dürfte auch die Werbung beitragen. Zum einen erweist sich das Engagement von TV-Star Thomas Gottschalk als Coup, der seit 1991 für die Marke wirbt. Zum anderen ist der Slogan der Firma so eingängig, dass ihn jeder kennt: „Haribo macht Kinder froh – und Erwachsene ebenso.“ Der zweite Teil stammt von Hans Riegel selbst.

Internationale Expansion

Die beiden Brüder bauen Haribo zu einem international tätigen Süßwarenkonzern aus. Sie übernehmen Firmen – nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, den Niederlanden und der Türkei. Außerdem gründen sie über die Jahre Vertriebsniederlassungen in aller Welt.

Die Macht wird aufgeteilt

Paul Riegel stirbt 2009. Seniorchef Hans Riegel verständigt sich mit dessen Erben auf eine Machtteilung. Seit 2010 gibt es eine neue Unternehmensstruktur: An der Holding halten Hans Riegel und die Erben von Paul Riegel je 50 Prozent.

Hans Riegel organisiert Übergang

Im März 2013 feiert Hans Riegel seinen 90. Geburtstag. „Ich bin fast täglich im Büro“, sagt er da noch. Nach einer Operation im Juli gibt er aber doch einen Teil der Kontrolle ab, er lässt sich vom Manager Felix Theato vertreten. Im Oktober 2013 stirbt der Seniorchef.

Nach fast 100 Jahren Firmengeschichte wechselt Haribo damit nicht nur die Stadt, sondern auch das Bundesland: Grafschaft liegt nicht mehr in Nordrhein-Westfalen, sondern in Rheinland-Pfalz. Der Umzug hat damit noch einen weiteren Vorteil neben der neuen Größe des Standorts: Die Gewerbesteuer ist bei den Nachbarn geringer als im bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik.

Lange stand das Familienunternehmen mit der Stadt Bonn in Verhandlungen über ein neues Gelände, Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch richtete eigens eine „Projektgruppe Haribo“ ein. Doch am Ende kam man zu keiner Einigung. Die Süddeutsche Zeitung zitiert Nimptsch mit den Worten: „Wir können die Entscheidung des Unternehmens, auch die Firmenzentrale nach Grafschaft zu verlagern, nur zur Kenntnis nehmen.“ In einer offiziellen Mitteilung sagte der Oberbürgermeister aber auch, dass in den Gesprächen deutlich geworden sei, dass es Haribo nicht um einen Wegzug aus Bonn gegangen sei. Doch eine Fläche von 35 Hektar habe in Bonn nicht zur Verfügung gestanden.

Trotz des Umzugs gab sich der Oberbürgermeister versöhnlich: „Haribo ist und bleibt eine 'Bonner Marke', ganz gleich, wo die Gummibärchen produziert und gelagert werden.“ Zumindest das sieht auch das Unternehmen so: Das „bo“ will Haribo im Namen behalten.

Von

lih

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×